Archive for November, 2006

Die Schwerkraft überwinden

Sonntag, November 26th, 2006

istock_000000345843smallIn meinen Sonntagsbloggings nehme ich mir die Freiheit, aus dem Themenkreis “Unternehmerisches Entscheiden” auszubrechen :-)

 “Jetzt reichts! Ich ändere das! Niemals wieder lasse ich das zu!”

Ich glaube, jedem von uns geht es hin und wieder so. Wir alle wollen uns ändern und mehr Lebensqualität für uns erzielen.

Weil mich das Thema interessiert, habe ich im Laufe der letzten zehn Jahre bestimmt 200 Bücher aus der Personal Development Ecke gelesen. Diese Bücher sind meistens phantastisch geschrieben und man will dann immer sofort loslegen.

Und dann kommt der Alltag (Sie wissen schon mit den vielen grauen Facetten) und reißt die guten Vorsätze wie ein Abbruchbagger innerhalb kürzester Zeit ein.

Wenn es doch funktioniert, dann ist dafür irgendein massiver Schicksalsschlag, wie der Tod eines geliebten Menschen oder eine dramatische Krankheit verantwortlich.

Ansonsten sind wir wie ein Planet, der auf einer bestimmten Umlaufbahn um die Sonne kreist. Wir werden immer wieder in die Umlaufbahn zurückgezogen. :-(

Aber was können wir machen? Sollen wir einfach akzeptieren, dass wir zwar gerne mehr möchten, aber nicht können? Das können Sie natürlich halten, wie Sie wollen :-)

Die bessere Alternative zu einem Schicksalsschlag, der uns aus unserer Umlaufbahn kickt, ist der eigene Raketenantrieb.

Wie gesagt, ich habe selbst schon viele Motivationsbücher gelesen. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Lesen ist schön und Lesen bildet, aber Lesen verändert uns und unser Leben wenig bis gar nicht :shock:

Wenn ein fremdes Buch für uns das nicht leisten kann: Na gut! Dann schreiben wir eben unser eigenes!

Was zunächst einmal wie ein Rhetorik-Spielchen klingt, ist sinnvoller, als es zunächst den Anschein hat. Was uns im Regelfall ja abhält, uns zu ändern, ist nicht der mangelnde Wille oder die fehlende Erkenntnis. Es sind diese ganzen Konditionierungen, die wir über die Zeit aufgebaut haben, die uns umgehend das Heft des Gestaltens wieder aus der Hand schlagen. Sie wissen schon, all die kleinen Knöpfchen, die unsere Umwelt virtuos drückt, um uns auf die Palme zu bringen, in tiefe Verzweiflung zu stürzen oder manchmal auch glücklich zu machen. :-)

Stellen Sie sich vor, wir schreiben uns auf, wie wir in Zukunft sein wollen. Jeden Morgen überlegen wir in unserem persönlichen Buch, wie sich das in dem eigenen Alltag umsetzen lässt und jeden Abend zielen wir Bilanz, was noch nicht so geklappt hat und überlegen uns, was wir besser machen können. Am nächsten Morgen sind die Ideen des letzten Abends Grundlage für unsere Tagesziele. Würde das nicht unser Leben verändern?

Was, das soll alles sein? Ein Tagebuch führen?

Ja, wenn die Inhalte stimmen, ist das gute alte Tagebuch ein echter Bringer. Denn das was uns sonst eher unbewusst begegnet und zurück auf unsere Umlaufbahn drückt können wir so bewusst verarbeiten. Mit der Konsequenz, dass es seine Macht über uns verliert! Die Anziehungskraft auf unsere Umlaufbahn wird also schwächer! :-o

Nebenbei entwickeln wir so einen Motor aus vielen kleinen Impulsen, der uns über die Zeit an unser Ziel trägt.

Also schreiben statt lesen :-P

Eigendynamik schaffen

Samstag, November 25th, 2006

© Harald Bauer - FOTOLIA

“Unternehmer sind Gestalter.”

Das ist einer meiner am häufigsten durch die Praxis bestätigten Glaubenssätze. Mit dem Gestalten geht aus meiner Sicht auch immer das Thema Eigendynamik einher. Wer immer im Strom mit schwimmt, wird selten mehr erreichen als der Durchschnitt. Das gilt besonders für Unternehmer.

Ich sehe immer wieder den Fall, dass eine wichtige Veränderung ansteht, aber aus Angst, die Sache könnte schief gehen, schiebt der Unternehmer die Entscheidung auf.

Mit anderen Worten, er fürchtet Probleme bei der Umsetzung. Das ist hochspannend. Denn die eigentliche Entscheidung eröffnet die Chance zur Eigendynamik des Unternehmens, in der Umsetzung wird sie gewonnen.

Jede Umsetzung hat zwei Aspekte:

  1. Persönliche Eigendynamik
  2. Technische Eigendynamik

Klar ist, dass diese beiden Aspekte nicht immer eine gleichgewichtige Rolle spielen.

Die persönliche Eigendynamik können wir uns dadurch sichern, dass wir uns einen größtmöglichen Kreis von Unterstützern schaffen. Je weniger Gegner wir bei der Umsetzung haben, desto größer die Geschwindigkeit.

Die technische Eigendynamik scheitert immer dann, wenn wir keine genaue Vorstellung haben, was passieren wird. Daher geht es hier nicht allein um Technologie. Stellen Sie sich vor, Sie sind Friseur, aber bieten Menschen die Heilung von Krebs an und setzen dazu ganz nebenbei Chemotherapie ein. In dem Fall verstoßen Sie in Deutschland gegen eine stattliche Anzahl von Gesetzen und man wird Ihnen ganz schnell das Handwerk legen.
Wie kriegen Sie die technische Eigendynamik vorab in den Griff? Der beste Weg ist eine klare Vorstellung des Ablaufs. Zu jedem Schritt fragen wir uns: “Geht das oder geht das nicht?”

Immer dann, wenn wir es nicht genau wissen, macht es Sinn, entweder ein Experiment zu machen oder jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. :-)

Im Kleinen hatte ich heute ein ähnliches Problem. Schon seit einiger Zeit stand für mich das Update auf eine aktuelle Version dieser Blog-Software an, zudem musste die Link-Struktur geändert werden, damit Google auch mein Artikel-Archiv indexieren kann. Und last but not least wollte ich einen technischen Ratschlag von Marcel Widmer endlich in die Tat umsetzen.
Im Vorfeld hatte ich einige unschöne Geschichten gelesen, wo einige dieser Maßnahmen einen Blog lahmgelegt hatten. Nachdem ich in den letzten Monaten viele neue Leser dazugewinnen konnte, wollte ich keinen Ausfall riskieren. Ein alter Grundsatz heißt “never touch a running system!” Aber als gestaltender Unternehmer wollte ich mich nicht von meinen Befürchtungen lähmen lassen. Daher habe ich auf demselben Server eine Testumgebung eingerichtet, die genauso aufgebaut ist, wie mein “Produktivsystem”. Jetzt kann ich alles vorher ausprobieren :-)

Ich denke, Sie haben die Veränderung unter der Haube meines Boliden nicht gemerkt und das ist gut so! :-)

Der Entscheidungstest

Freitag, November 24th, 2006

© Liv Friis-larsen - FOTOLIAKennen Sie das auch? Sie haben eine Entscheidung getroffen und im nächsten Moment kommt eine Chance, ein Angebot oder ähnliches auf Sie zu, das in die entgegengesetzte Richtung geht?

Genau diese Situation erlebe ich häufig bei meinen Entscheidungen und natürlich sehe ich das auch regelmäßig bei meinen Kunden.

Als ich vor einigen Jahren beschloss, meinen Job aufzugeben, riefen in der Folgezeit etliche Headhunter an, die mir die tollsten Jobs anboten.

Als ich mich dazu entschlossen hatte, meine Drucksachen mit einer tollen Werbedesignerin zu gestalten, wurde ich geradezu mit Billig-Angeboten von anderen Designbüros überschüttet.

Was glauben Sie, passierte, als ich beschlossen hatte, dass der Begriff “Unternehmerisches Denken” zu schwer zu kommunizieren ist und darunter viel einfacher “Unternehmerisch Entscheiden und widerstandsfrei umsetzen” zu verstehen ist? Genau, plötzlich meldeten sich aus allen Ecken potentielle Kunden, die nach einem Coach für “Unternehmerisches Denken” suchten. Ganz konkret habe ich sogar wegen der Begriffsänderung einen Kunden verloren :-o

Vermutlich hängt das Ganze mit dem eigenen Fokus zusammen. Da wir uns im Rahmen einer Entscheidung mit einem Thema sehr bewusst auseinandersetzen, lässt unser Wahrnehmungsfilter dazu passende Reize einfacher passieren. Ergebnis: Wir sehen plötzlich überall Jobangebote, neue Chancen, usw. die mit unserer Entscheidung im Zusammenhang stehen. Sie sind vielleicht schon vorher dagewesen, nur haben wir sie nicht gesehen. :-)

Die große Frage ist dann: “Was mache ich jetzt?”

Ich sehe es als den alles entscheidenden Lakmustest. Wenn ich meine Entscheidung mit klaren Vorgaben getroffen habe, also genau weiß, was ich will, hat der Test keine große Auswirkung.

Es sind zwar neue Informationen, die ich wahrnehme, aber sie ändern das Gesamtbild nicht.

Anders ist es, wenn ich die Entscheidung unter großen Schmerzen und mit großer Unsicherheit getroffen habe. Dann wird das mühsam erreichte Gleichgewicht wieder umgestoßen.

Stellen Sie sich vor, Sie entscheiden sich für die Selbständigkeit, nicht weil Sie gerne selbständig sein wollen, sondern weil Sie keinen adäquaten Job aufgrund Ihres Alters finden können. Ein Vierteljahr später ruft Sie ein Personalberater an und bietet Ihnen zwar keinen idealen Job an, aber die wirtschaftliche Sicherheit, die Sie als Selbständiger nicht haben.

Dann könnte es heißen, “Entscheidungstest nicht bestanden, setzen!”

Für mich gehört der Entscheidungstest zum Entscheiden dazu. Wann immer wir eine mutige Entscheidung treffen, wird er uns früher oder später begegnen. Gleichzeitig ist es ein untrügliches Zeichen, dass die Entscheidung für uns eine große Bedeutung hat.

Welche Ihrer Entscheidungen wird heute getestet? :-P

Intuition

Donnerstag, November 23rd, 2006

© Carmen Rother - FOTOLIA

“Warum soll ich da noch groß entscheiden, wenn mir meine Intuition sagt, dass ich das Angebot annehmen möchte?”

Die Frage der Kundin ist berechtigt. Alle Menschen sind mit Intuition ausgestattet, nur die eine hört darauf und der andere ignoriert sie ;-)

Die Geschichten von Unternehmern, die Ihrer Intuition folgen, sind Legende. Allerdings erfahren wir meist nur dann davon, wenn der Erfolg der Intuition recht gegeben hat.

Ich bin davon überzeugt, dass Intuition bei Entscheidungen ein wichtige Rolle einnehmen kann. Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn es heißt: “Frag mich nicht warum, aber meine Intuition sagt mir, dass ich Alternative X wählen sollte.”

Stellen Sie sich vor, Sie wissen genau, was Sie wollen und Sie haben dazu auch noch richtig gute Alternativen geschaffen. Glauben Sie ernsthaft, dass Sie in diesem Fall auf Ihre Intuition angewiesen sind? Da wir alle keine Kristallkugel haben, wird es immer wieder Fehlentscheidungen geben. Wohl dem, der nachvollziehen kann, warum er in dem Fall so und nicht anders entschieden hat. Denn dann kann er daraus lernen!

Anders sehe ich den Fall, wenn ich eine Entscheidung getroffen haben und sich die Intuition mit einem schlechten Gefühl zu Wort meldet. Das ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass ich wichtige Aspekte in meiner Entscheidung außer Acht gelassen haben. Also sollte ich die Entscheidung noch einmal aufrollen und meine Hausaufgaben machen! :-)

Mut zur Verantwortung

Mittwoch, November 22nd, 2006

© Stephen Coburn - FOTOLIA

Ein eigentlich gut gehendes mittelständisches Unternehmen verliert nach und nach seine besten Kunden und rutscht in eine Existenzkrise.

Was ist passiert?

Wie sich herausstellt, sind es immer wieder Flüchtigkeitsfehler, die den Kleinteilproduzenten bei seinen Kunden unbeliebt gemacht haben. Teilweise waren Waren falsch etikettiert, teilweise wurden Aufträge an die falschen Kunden ausgeliefert oder Rechnungen falsch gestellt. Die Qualität der Produkte selbst war immer hervorragend.

Im Gespräch mit den verlorenen Kunden stellt sich heraus, dass es auch nicht die Fehler selbst waren, die zum Auftragsende geführt haben.

Nein, der Grund, warum das Unternehmen heute in der Misere steckt, ist sein Umgang mit den Fehlern. Der Firmenchef versuchte gegenüber den Kunden immer zu erklären, wie es zu dem Fehler kam. Er hat nicht ein einziges Mal eingeräumt, dass hier wohl ein Schwachpunkt ist, den er durch einen strikten Qualitätsprozess ausmerzen wird :-o

Wie würden Sie als Kunde damit umgehen?

Genau! Ich würde es auch nicht zulassen, dass mir ein Lieferant seine Fehler ins Haus trägt. :-o

Für den Lieferanten waren erst einmal die Kunden an der Misere schuld, denn die Fehler sind ja klein und Menschen machen nun einmal Fehler. Kritisch ist dabei, dass er damit die Verantwortung aus der Hand gibt.

Wenn ich das mache, dann lähme ich meine Handlungsalternativen. Denn alles was außerhalb meiner Verantwortung liegt, kann ich nicht mehr beeinflussen. Daher ist der erste Schritt zur Problemlösung das Eingeständnis, dass ich mein Unternehmen in diese Lage gebracht habe. Dann kann ich es auch wieder herausführen.

Eigentlich ist das eine Binsenwahrheit und sollte für uns Unternehmer selbstverständlich sein. Nur ist es manchmal praktisch, anderen die Verantwortung für unser unternehmerisches Handeln zu geben. :-)


 
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