Archive for Dezember, 2006

Der “gute” Rat

Mittwoch, Dezember 13th, 2006

© Zlatko Kostic - FOTOLIAVor wenigen Tagen habe ich darüber gesprochen, dass wir in dem Moment der Entscheidung einen kleinen Preis bezahlen, da wir uns von unseren vielen schönen Alternativen trennen müssen. Manchmal trennen wir uns aber auch von mehr, als nur von ein paar neuen Möglichkeiten…

Stellen Sie sich vor, Sie haben die Wahl, mit Mitte Fünfzig einfach Ihr Leben zu genießen, können die Winter auf Mallorca oder in Südafrika verbringen oder Sie kaufen ein Unternehmen, dass die letzten fünf Jahre nur Verluste geschrieben hat, über ein veraltetes Produktportfolio verfügt und dem die besten Leute bereits seit Jahren weggelaufen sind. Was würden Sie da tun? Viele Bekannte würden Ihnen vermutlich abraten, Ihr Geld in so ein Abenteuer zu stecken. Vermutlich würde Ihre Familie es ungern sehen, wie Sie Ihre ganze Kraft in ein aussichtsloses Unterfangen stecken.

Mit anderen Worten, beinahe jeder Außenstehende hätte sich für das “gute Leben” entschieden. Also gibt es in diesem Fall eine richtige und eine falsche Entscheidung?

Vielleicht! Aber stellen Sie sich vor, unser Unternehmer langweilt sich mit seinem Geld im wahrsten Sinne zu Tode. Er braucht die besondere Herausforderung. Für Ihn ist die Rettung eines Sanierungsfalles das berühmte Salz in der Suppe.

Wie würden Sie dann an seiner Stelle entscheiden?

Natürlich hat er sich für die Herausforderung entschieden und blüht dabei regelrecht auf.

In schwierigen Entscheidungssituationen frage ich auch gerne, was meine Umwelt darüber denkt.

Dabei ist mir aber klar, dass ich dabei nur nach Aspekten der Entscheidung suche, die ich vielleicht noch nicht betrachtet habe. Entscheidungsvorschläge nach dem Motto: “Ich an Deiner Stelle…” sind sicher interessant, aber ich lasse sie bewusst außen vor. Jeder Mensch muss nach seinen eigenen Wertvorstellungen entscheiden, ob das den anderen passt oder nicht.

Denn der Entscheider muss später damit leben, nicht die sonst so bereitwillig Rat spendenden. :cool:

Brauche ich mehr Informationen?

Montag, Dezember 11th, 2006

© iwka - FOTOLIAWie viel Information brauche ich, um eine gute Entscheidung treffen zu können?

Ich glaube, diese Frage bewegt viele Entscheider. Das Wissen unserer Gesellschaft verdoppelt sich derzeit alle drei Jahre. Wissen ist allerdings nicht mit Information gleichzusetzen. Wir können aber wohl annehmen, dass die Wachstumsrate der verfügbaren Informationen mindestens gleich hoch ist. Das heißt, ich kann mich heute so schnell und umfassend über meine Entscheidung informieren, wie nie zuvor.

Haben Sie bemerkt, dass heute Entscheidungen schneller getroffen werden, als vielleicht vor 10 Jahren? Nein? Ich auch nicht. Obwohl Internet und Online-Datenbanken selbst die komplexesten Zusammenhänge binnen Stunden aufdecken können.

Das Problem ist m.E. das Überangebot. Da es so viele Informationen zu einem Thema gibt, wissen die Rechercheure, dass es jederzeit einen gewaltigen Schatz zu heben gibt. Damit steigt der Druck, dass evtl. entscheidende Informationen nicht berücksichtigt werden, obwohl sie zum Entscheidungszeitpunkt verfügbar gewesen wären.

Also sammeln unsere Informations-Eichhörnchen eifrig weiter und verschieben die Entscheidung.

Wenn wir ehrlich sind und das können wir hier im Blog ;-) , dann ist die Hauptmotivation für die Sammelwut die gute alte Angst.

Wie viel Information brauche ich tatsächlich?

Es kommt darauf an. Denn beim Entscheiden können wir zwei unterschiedliche Situationen unterscheiden.

  1. Sie treffen eine Entscheidung in einem vertrauten Bereich
  2. Sie treffen eine Entscheidung in einem unvertrauten Bereich, Ihrem persönlichen Niemandsland.

Im ersten Fall ist es einfach. Sie brauchen schlichtweg genügend Informationen, um die Alternativen bezüglich Ihrer Entscheidungskriterien bewerten zu können. Da Sie mit Ihren Entscheidungskriterien vorab festgestellt haben, was für Ihre Entscheidung wichtig ist, sind alle Informationen die darüber hinaus gehen “nett”, aber ohne Mehrwert.

Die natürliche Grenze für den Informationsbedarf bei Entscheidungen stellen also Ihre Entscheidungskriterien dar.

Im zweiten Fall ist die Nuss härter. Denn Ihre fehlende Erfahrung könnte verhindern, dass Sie wichtige Aspekte der Entscheidung in Entscheidungskriterien verpacken. In so einem Fall ist die Stunde der Experten gekommen. Suchen Sie sich jemanden, der den für sie fremden Bereich besser kennt als Sie Ihre Westentasche. Heute ein sinnloser Spruch, denn wer kennt schon seine Westentasche?
Mit diesem Experten erarbeiten Sie die wichtigen Entscheidungskriterien, die Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten. Der zweite Schritt ist wieder einfach: Beschaffen Sie die notwendigen Informationen, um Ihre Alternativen bezüglich Ihrer Entscheidungskriterien zu bewerten.

Und was ist mit den Alternativen?

Für die Alternativen sollten sie sich durchaus Zeit nehmen. Über dieses Thema werde ich aber bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag schreiben.

Die Sache mit dem freien Willen

Sonntag, Dezember 10th, 2006

© Jari Aherma - FOTOLIA

Heute ist Sonntag. Daher wieder ein Beitrag, der sich nicht mit unternehmerischen Entscheidungen befasst.

Vergangene Woche ist die Gesetzesinitiative der Bundesregierung zum Nichtraucherschutz gewissermaßen abgeraucht. Der Bund ist dafür nicht zuständig, wie sich jetzt herausstellt. Jedes Bundesland wird daher seine eigenen Regeln machen (Bayern) oder es lassen (Saarland, Niedersachsen) Das ist schade für alle Raucher und Nichtraucher. Für die Raucher, weil sie sich demnächst penibel erkundigen müssen, wo und ob sie rauchen dürfen oder ob sie bereits dabei sind, eine Straftat zu begehen. (Der Jurist wird mich jetzt streng ansehen und darauf hinweisen, dass Rauchen im schlimmsten Fall eine Ordnungswidrigkeit sein wird)

Die Nichtraucher können sich jetzt ihr persönliches Lieblingsbundesland aussuchen. Nach jetzigem Stand wird das wohl Bayern sein.

Interessant finde ich die Begründungen der jeweiligen Bundesfürsten. Peter Müller (er ist Raucher) und Christian Wulff finden, dass die Menschen selbst entscheiden sollen, ob Rauchen im Lokal oder der Kneipe angebracht ist oder nicht. Die beiden Politiker sind also der Meinung, die bisherigen Regeln haben sich bewährt.

Die Realität ist eine seltsame andere Sache. Denn offensichtlich haben das einige Bundespolitiker anders gesehen, sonst hätten sie vielleicht nicht ihre Zeit in eine Gesetzesvorlage investiert.

Wahrscheinlich darf man den bajuwarischen Vorstoß nicht in die Bewertung mit einbeziehen. Denn die Bayern waren schon immer anders und wie wir seit der Bundestagswahl wissen wohl auch intelligenter als der Rest Deutschlands (Danke Edmund für diese tiefe Einsicht). ;-)

Ich habe natürlich dazu meine ganz eigene Meinung. :-)

Ich glaube nicht, dass eine Nichtregelung funktionieren wird. Unsere Politiker sprechen hier ja immer von Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung. Tatsächlich geht es hier gar nicht um Freiwilligkeit. Wie viele Raucher kennen Sie, die zumindest einmal versucht haben, von den Zigaretten loszukommen? Zigaretten sind ja nicht einfach nur Genussmittel, wie z.B. Schokolade. Nein, Tabak ist eine extrem süchtig machende Droge. Bereits wenige Zigaretten reichen aus, um jemanden abhängig zu machen. Wer einmal einen starken Raucher in einer vierstündigen Sitzung ohne Raucherpause beobachten konnte, wird nicht mehr der Meinung sein, dieser könnte frei entscheiden. :shock:

Sicher, viele Raucher bemühen sich um Rücksichtnahme. Allerdings wird es immer einige geben, die sich sich nicht daran halten können, weil Sie ihrer Sucht nicht widerstehen können. Das wirkt dann wie ein Einfallstor. Raucher, die sich vorher in Rücksicht geübt haben, orientieren sich an den nicht so rücksichtsvollen Rauchern, da Ihr Verzicht keinen Sinn mehr macht. Voilà die Kneipe, das Restaurant, die Bar ist verraucht.

Demnach kann beim Nichtraucherschutz nichts auf Freiwilligkeit basieren. Denn diejenigen, auf deren freiwillige Rücksichtnahme dabei gesetzt wird, haben diesen freien Willen ja nicht :shock:

Ich weiß, kein Raucher wird sich gerne als Suchtkranker sehen und ich sehe das für gewöhnlich auch nicht so. Nur denke ich, das es wohl nicht so funktionieren wird, wie Peter Müller und Christian Wulff das gerne sähen.

Auch wenn die Bayern immer etwas anders sind, so basiert deren Vorgehensweise durchaus nicht nur auf reiner Meinungsmache (“mir san anners”), sondern der bayerische Staat hat bereits sehr viel Erfahrung in freiwilligen Selbstbeschränkungen zum Nichtraucherschutz gesammelt. Vielleicht sind ja die Bayern diesmal Vorreiter? :-)
Was denken Sie?

Volle Kontrolle

Samstag, Dezember 9th, 2006

© Dieter Beselt - FOTOLIA

Nächste Woche begleite ich einen Kunden zu Vertragsverhandlungen.

Was hat da ein Entscheidungserfolg Coach zu suchen?

Verhandlungen sind nicht anderes als Entscheidungen, die mehrere Parteien zusammen vereinbaren. Also ganz fehl bin ich dabei nicht am Platz. :-)

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, wer gute Entscheidungen treffen will, der muss wissen, was er will. Wie sieht das wohl bei Vertragsverhandlungen aus?

Stellen Sie sich vor, Sie haben für sich herausgefunden, welche Bedingungen für Sie ideal sind. Bei Ihren Verhandlungen treffen Sie auf einen Partner, der nach dem Motto “schau’n mer mal” gekommen ist. Wer glauben Sie, wird nach den Verhandlungen den Champagner stiften? :cool:

Wenn Sie allerdings mit jemanden zu tun haben, der seinen Job ernst nimmt, wird es wohl nicht ganz so leicht. Außer die Vertragsparteien ergänzen sich so gut, dass sie auf Kompromisse verzichten können.

Damit Sie genau wissen, was Sie wollen, sollten Sie mehrere Fragen für sich klären:

  1. Was ist das Ziel?
  2. Warum führe ich die Verhandlungen? -> Wie erreiche ich, dass…?
  3. Was sind erwünschte Ergebnisse?
  4. Was sind unerwünschte Ergebnisse?
  5. Was sind meine Status quo Ergebnisse (was ist gut an der heutigen Situation und sollte bewahrt werden)?

Die letzten drei Fragen nenne ich auch die “Kontrollelemente einer Entscheidung”. Denn wenn Sie wissen, was Sie erreichen wollen, was Sie vermeiden wollen und was vom Status quo erhalten bleiben soll, wird Sie niemand über den Tisch ziehen können.

Für erfolgreiche Verhandlungen reicht das natürlich nicht. Denn Sie müssen wissen, was Ihnen davon besonders wichtig ist und wo Sie möglicherweise Kompromisse eingehen können.

Was glauben Sie, welche fünf Fragen ich meinem Kunden als Hausaufgabe mitgegeben habe? :-P

Nikolaus – das Deutsch-Türkische Fest

Mittwoch, Dezember 6th, 2006

© Elvira Gerecht - FOTOLIAHeute ist Nikolaus! Meine südafrikanische Prinzessin Frau hat mir eine Jazz-CD von Starbucks geschenkt (“Now Playing – Music from the Starbucks coffeehouse”). Millionen Kinder in Deutschland lieben diesen Tag und ihre Eltern machen sich viel Mühe, die vorweihnachtliche erste Etappe richtig schön zu gestalten.

In meiner Kindheit, habe ich den Nikolausmorgen immer etwas schemenhaft wahrgenommen. Denn er war davon geprägt, dass ich Geschenke bekam, bevor ich überhaupt richtig wach wurde. So hatte ich immer das Gefühl, sie im Traum zu bekommen. Wider Erwarten waren sie allerdings noch da, nachdem ich dann richtig wach war. Was für ein Wunder! :-o

Nikolaus gehört fest in unsere christliche Tradition. Allerdings wissen die Wenigsten, dass diese vorweihnachtliche Etappe auf den kath. Heiligen Nikolaus von Myra zurückgeht.

Myra liegt in der heutigen Türkei. Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, es wird hier ein ehemaliger Einwohner der Türkei gefeiert. Ich weiß nicht, wie unsere türkischen Nachbarn das sehen, aber das wäre doch ein idealer Tag, für ein Deutsch-Türkisches Fest :-) .

Ich sehe da nur eine Herausforderung: Es gibt zumindest eine Großorganisation in Deutschland, die sich davon betroffen fühlen könnte. Ich möchte da niemandem etwas unterstellen, zumal der höchste Vertreter dieser Organisation (ein Deutscher) erst vor kurzem die Türkei besucht hat. ;-) Allerdings könnte ich auch verstehen, dass man diesen Tag nicht unbedingt mit etwas anderem als dem christlichen Glauben besetzen möchte. Vielleicht reicht es, wenn wir unseren türkischen Nachbarn fragen, ob er gerne auf einen Adventstee herüberkommt, um über einen großen Türken Gemeinsamkeiten zu entdecken? Nikolaus hätte das bestimmt gefallen. :-)
Was denken Sie?


 
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