Archive for April, 2007

Mehr oder weniger Alternativen?

Freitag, April 27th, 2007

© Slade - FOTOLIADiesen Monat lese ich in dem Beratungsbrief “Simplify Your Life” wieder Tipps zum besseren Entscheiden. Der Verfasser spricht sich neben anderen Entscheidungstipps dafür aus, die Auswahl an Alternativen einzuschränken. Begründung: Der Entscheider würde sich damit überfordern und er wäre dann wie gelähmt. :shock:

Wenn ich solche sog. “Hilfen” lese, frage ich mich, wer sich da berufen fühlt, Ratschläge zu erteilen. Wenn sich der Entscheider von der Anzahl seiner Handlungsalternativen erschlagen fühlt, liegt das in aller erster Linie daran, dass er nicht weiß, was er will. Das ist also die Ursache. Das Symptom ist die Überforderung durch die vielen Alternativen.

Ich kann die Ursache natürlich ignorieren und mich mit dem Symptom beschäftigen. Dann werde ich vielleicht das Internet meiden und möglichst niemanden fragen, wie ein Problem zu lösen ist. Von den sich dann bietenden wenigen Alternativen ist natürlich kein Entscheider mehr überfordert.:mrgreen:

Kann das sinnvoll sein?

Die Aufgabe eines Entscheiders ist es, Chancen und Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen, die ihn näher an die Realisierung seiner unternehmerischen Ziele bringen. Ob er das gut oder schlecht macht, liegt allein an der Qualität der gewählten Alternativen. Sollte er ständig die falschen Alternativen wählen, bleibt er seinem Ziel so fern, wie die meisten Lotto-Spieler dem großen Jackpot. :-o

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen sucht einen Webadministrator. Da der Personalchef sich nicht von den vielen Bewerbungen in einem Metier erschlagen lassen will, von dem er nichts versteht, wendet er sich nur an einen Personalberater.

Dieser leistet für die Besetzung der Telefonarbeitsplätze im Service-Center des Unternehmens gute Arbeit. Leider ist dieser auf die Call-Center-Branche spezialisiert und liefert demzufolge nur zwei Kandidaten, die entfernt die Aufgaben eines Webadministrators erfüllen können.

Was für ein Glück, dass der Filius des Personalchefs jemanden von der Uni kennt, der seit Jahren eine eigene größere Web-Präsenz managed. :cool:

Da wird nicht lange gefackelt und der alternative Administrator eingestellt. Einige Monate später klopfen einige nette Damen und Herren in Uniform nicht an die Tür, sondern treten sie vielmehr ein. Denn der gute Webadministrator hat seinen illegalen Glücksspielserver (die große Präsenz) ins Firmennetzwerk integriert, um ihn nebenher warten zu können. Das war peinlich und teuer!

Hätte der Personalchef den falschen Fuffziger eingestellt, wenn professionelle Alternativen zur Verfügung gestanden hätten? Was denken Sie?

Ein kleiner Service für meine Leser

Mittwoch, April 25th, 2007

Wie viele von Ihnen kommen über Google und andere Suchmaschinen auf meine Seite?

Im monatlichen Durchschnitt ca. 20% meiner Leser. Viele davon über Begriffe, wie Entscheidungsdilemma, Entscheidungscoaching oder Entscheidungsfindung. Allerdings gibt es auch eine ganze Anzahl von Suchern, die vielleicht nicht unbedingt den Blog eines Entscheider Coachs erwartet hätten. Die Top 5 Suchbegriffe der fehlgeleiteten Rechercheure waren im letzten Monat:

verführung  
Geschäftsemails  
fragezeichen  
phönix aus der asche  
aktienkurs  

Sie können das gerne überprüfen, aber Google listet mich bei diesen Suchbegriffen relativ weit oben. Logischerweise verschwinden viele dieser zufälligen Leser wieder ganz schnell und versuchen ihr Glück woanders.

Für diese Suchenden habe ich jetzt einen Service eingebaut, der sie auf weitere Inhalte im Excellence-Blog hinweist, die zu ihrem Suchthema passen. Wer natürlich Hinweise zur Verführung der Angebeteten sucht, wird hier wenig finden :-). Ich hoffe, dass der Service trotzdem sinnvoll ist :-)

Barcamp Frankfurt Geheimnisse…

Dienstag, April 24th, 2007

Die Enigma-Falle schleicht schon wieder rum. Diesmal in Form von ein paar Beratern, die sich entschlossen haben eine Web 2.0 Social Community zu gründen (nein, das hat nichts mit Kommunismus zu tun). Weil es eben alles noch so geheim ist, konnten und wollten sie nicht verraten, worum es geht. Aber es gibt einen Blog, der über die Fortschritte berichten soll. :-)

Unter waitingforjason.com können eifrige Rätsel-Löser mitfiebern, worum es geht. Ich bin mal so frei und ziehe meine Schlüsse aus der Webadresse. Es könnte natürlich sein, dass waitingforgodot.com schon besetzt war. Ist es aber nicht - allerdings wäre die Assoziation damit, dass diese Gründer wohl nie in die Puschen kommen. :-)

Aber zurück zu Jason. In der griechischen Sage ist Jason ein Königssohn, der sich auf die Suche nach dem goldenen Fließ macht, um für diesen Preis den Thron seines Vater zu besteigen. Unterwegs heiratet er die kolchische Königs-Tochter Medea. Bei seiner erfolgreichen Rückkehr erkennt Jason, dass ihn sein listiger Onkel Pelias getäuscht hat und der gar nicht daran denkt um seinetwillen auf den iolkischen Thron zu verzichten. So flüchtet Jason mit Medea nach Korinth.

In dieser Geschichte wartet eigentlich nur einer auf Jason, sein Onkel Pelias. Dessen Motive sind allerdings alles andere als freundlich. Somit bin ich auch nicht schlauer als zuvor. Aber vielleicht geht es hier nicht ums goldene Fließ sondern um den Tanz ums goldene Kalb… :-P

Update: Auch waitingforjason.com hat heute einen Beitrag zum Barcamp geschrieben.

Barcamp Frankfurt - meine Eindrücke

Dienstag, April 24th, 2007

barcamp.GIFAm vergangenen Wochenende habe ich für einen Tag das Barcamp Frankfurt besucht. Rober Basic und Frank Patzig hatten eingeladen und zahlreiche IT- und Webafine Knowledge Worker sind gekommen. Angemeldet waren wohl über 200 Teilnehmer, aber am Ende waren es wohl ca. 150. Ein Barcamp zeichnet sich durch weitgehend demokratische Stukturen aus. Am Morgen schlagen einige Teilnehmer ihren Themen vor und je nach “gefühltem” Interesse bekommt die Session dann einen Raum- und Zeitslot zugeteilt. Das kann mitunter dazu führen, dass eine Session in einem Mauseloch stattfindet, aber die Interessierten sich bis zur Tür stapeln.

Ebenso heterogen wie die Teilnehmerstruktur ist denn auch die Qualität der Sessions. Allerdings hilft es enorm, dass Teilnehmer auch einmal schnell die Leitung der Session übernehmen und die Sache ganz unverhofft doch noch Qualität bekommt. :-)

Eines darf man bei einem Barcamp auf keinem Fall: Etwas erwarten. Das hat mir gleich die erste Session gezeigt. Angekündigt war, “Blog-Launch - Oliver Gassner, Robert Basic u.a. starten einen Blog”. Da habe ich erwartet, dass ein paar Tricks gezeigt werden, wie man einen Blog von Tag 1 an erfolgreich macht. Was war der Inhalt der 45 Minuten-Session? Na ja, Oliver Gassner hat kurz erzählt, dass sie einen Abnehm-Blog unter 321Blog.de starten werden. Nicht mehr und nicht weniger. Zwar haben einige Teilnehmer, u.a. auch ich Vorschläge gemacht, wie das Ganze richtig interessant gemacht werden könnte. Aber mein Eindruck war der, dass es O.G. nicht so ganz recht war, wenn ihm jemand rein redet.

Vielleicht war das ganz gut so, dadurch haben wohl alle ihre Erwartungen für den Tag einige Drehungen nach unten geschraubt. :-(

Dagegen war die Session über Corporate Blogs eine echte Sternstunde, die sich zu einer Diskussion über Unternehmenswerte und wie sie sich vermitteln lassen entwickelte. Dazu trug schon ein Mitarbeiter des Gastgebers Cisco bei, der frei von der Leber weg erzählte, wie ein Mitarbeiter-Podcast auch das Verhaltnis zur Geschäftsführung neu definieren kann. Allein diese Session war es wert, mich vom Buchschreiben loszueisen, um am Barcamp teilzunehmen.

Allerdings gab es auch noch weitere gute Sessions. Ich möchte dabei besonders die Vorstellung von Sones.de “Menschen taggen Menschen” erwähnen. Da haben einige innovative Leute ein sehr interessantes System geschaffen, um Expertennetzwerke zu schaffen. Wer will, kann sich bereits jetzt unter www.sones.de zum Betatest anmelden.

Mein Fazit: Interessantes Konzept, gute Kontakte, starke Streuung der Qualität

Es ist vollbracht!

Montag, April 23rd, 2007

© Carmen Steiner - FOTOLIA

Vielleicht erinnern Sie sich noch, im Dezember habe ich darüber geschrieben, dass ich jetzt ein Buch schreiben würde. Am Anfang fiel es mir es mit ein wenig schwer und da war natürlich auch der Respekt vor dem vertraglichen festgelegten Umfang von 230 Seiten.

Vor knapp einem Monat war ich dann mit dem Rohmanuskript fertig. Es waren genau 229 Seiten! Ich weiß nicht, wieso, aber ich dachte, dass damit eine unbeschwertere Zeit beginnen würde. Man sitzt nicht mehr vor dem Bildschirm und versucht die Inhalte, die man in die Welt bringen will, in sinnvolle Worte zu bringen. :-)

Nein, Sie sitzen dann vor dem Bildschirm und fragen sich, was Sie in einem Satz, der über sechs Zeilen geht, eigentlich sagen wollten. :shock: Wenn Sie es dann herausgefunden haben, wollen daraus fünf oder sechs kurze Sätze gemacht werden! Da ich kein Germanist bin, sondern Entscheidungserfolg Coach lag mir das zunächst nicht besonders. Auch das Training, hier im Blog verständliche Beiträge zu schreiben, hat mir da nur bedingt geholfen.

Gleichzeitig kürzen Sie bei der Überarbeitung jede Menge überflüssige Inhalte. Von den ursprünglich 229 Seiten blieben daher “nur” noch 275 Seiten. :twisted:

Klar: Neben den vielen gekürzten Passagen schreiben Sie auch neue Übergänge und erklären das eine oder andere genauer, was Testleser wider erwarten als nicht selbsterklärend angesehen haben.

Apropos Testleser: Erwarten Sie nicht zuviel. Es gibt jede Menge Leute, die sich Ihre Kapitel zuschicken lassen und danach lediglich ein “find ich gut” produzieren oder keine Zeit finden, hinein zu schauen. Die Wenigen, die es aber doch tun, sind natürlich eine unschätzbare Goldgrube.

Was machen Sie, wenn die Seitenzahl über das Ziel hinausschießt?

Das ist der Moment, an dem es schmerzhaft wird. Denn Ihr Verlag kalkuliert mit der Seitenzahl. Für ihn ist das Ganze eine Geschäft und bei einem Verkaufspreis von 19,90 EURO darf ein Buch nur X Seiten haben. Bei mir musste ein geliebtes Beispiel daran glauben und ein ganzes Kapitel über ein Thema, das nicht zu hundert Prozent für ein Buch über Entscheidungsfallen notwendig ist, fiel auch heraus.

Das sind jetzt erst einmal die Federn, die ich freiwillig im Vorfeld gelassen habe. Im nächsten Schritt werden jetzt die Profis vom Hanser Verlag darüber lesen. Da wird dann vielleicht das Eine oder oder andere noch heraus fliegen.

Damit liegt mein Buch jetzt im Zeitplan und Sie können sich im Kalender schon einmal den September anstreichen. Dann erscheint mein Buch beim Carl Hanser Verlag.

Natürlich halte ich Sie weiterhin auf dem Laufenden, wie der weitere Weg meines Buches in der Produktion aussieht. Ihre zahlreichen Mails haben mir gezeigt, dass viele von Ihnen gerne mehr darüber wissen würden, wie ein Buch ensteht und wie Sie Autor werden können.

Lesen Sie mehr dazu: Ein Buch kommt auf seinen Weg


 
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