Archive for August, 2007

Entscheidungsfindung ohne Entscheidung

Donnerstag, August 23rd, 2007

© sadik ucok - Fotolia.com“Wie geht es Ihnen?”

“Ich bin im Stress, ich musste heute früh bereits drei Probleme lösen. Erst kündigt ein Mitarbeiter aus heiterem Himmel, dann hat ein Lieferant aufgrund von Lieferschwierigkeiten einen Auftrag nicht angenommen und schließlich stellte sich noch heraus, dass unser Messestand auf der XY-Messe völlig falsch steht.”

“Respekt, da mussten Sie eine Menge wichtiger Entscheidungen in kurzer Zeit treffen!”

“Nein, Entscheidungen waren das nicht, ich habe einfach schnelle Lösungen für meine Probleme gefunden”…

So geht es vielen. Ein Problem taucht auf, eine schnelle Lösung muss her. Den wenigsten ist klar, dass Sie dabei eine Entscheidung treffen. Denn in der Kürze der Zeit entwickelt niemand mehr als eine Alternative und so gibt es nach Ansicht der gestressten Manager gar keine Entscheidung, schließlich hatten sie keine Wahl. :-)

Es kann sein, dass die Lösungen, für die ich mich dann entscheide wirklich gut sind. Da ich das aber nur im Vergleich zu anderen Lösungsalternativen beurteilen kann, weiß ich es als Entscheider nicht. Und wieder schlägt die Wahllosfalle zu! :twisted:

Für viele Entscheider, die mitten im Geschehen stehen liegt die Herausforderung darin, überhaupt erst einmal zu erkennen, dass sie eine Entscheidungssituation vor sich haben. :-o

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Keine Entscheidung ohne Willenskraft

Mittwoch, August 22nd, 2007

© Zlatko Kostic - FOTOLIAWer etwas entscheiden will, der muss auch etwas erreichen wollen. Das ist untrennbar miteinander verbunden. Menschen, bei denen dieser Wille erloschen ist, werden deshalb das, was der Volksmund als “entscheidungsschwach” einordnet.

Vor einigen Jahren habe ich mit ein paar Freunden eine personal development-Gruppe geleitet. Dabei organisierten wir interessante Referenten für die Gruppentreffen, die alle 4 Wochen stattfanden. Damals war mir das sehr wichtig und so gab es die eine oder andere inspirierende Debatte über die Programm-Organisation. Bis ich für mich feststellte, dass ich nicht mehr dahinter stand.

Ab dem Zeitpunkt zuckte ich mit den Schultern und mir war beinahe alles recht, was die anderen vorschlugen. Ich habe mich dann aus der Organisation zurückgezogen und heute gibt es die Gruppe nicht mehr. Eigentlich schade :-(

Die wichtige Erkenntnis ist für mich: Meine Entscheidungsstärke war in dem Moment weg, in dem ich mich innerlich zurückgezogen hatte. Ähnliches beobachte ich auch in meiner täglichen Praxis. Entscheidungen kann ich nur treffen, wenn ich auch ein Interesse für die Sache habe. Scheidende Mitarbeiter mit Entscheidungskompetenzen sind daher für die Unternehmen eine große Bürde. :-o

Kennen Sie Beispiele dafür aus Ihrem eigenen Erfahrungsbereich?

Das Schicksal schmieden

Mittwoch, August 22nd, 2007

© 3pod - FOTOLIA“Im Moment der Entscheidung schmieden wir unser Schicksal.”

Ein schönes Bonmot, das ich frei nach Tony Robbins übersetzt habe. Doch wie zutreffend ist das wirklich? Schließlich gibt es zahlreiche Einflüsse, die wir zum Zeitpunkt der Entscheidung vielleicht nicht kennen.

Bestes Beispiel ist die Wahl des Ehepartners. Menschen verändern sich mit der Zeit und plötzlich passt das Ganze nicht mehr. Vielleicht ist sie verschwendungssüchtig und er trinkt nach Feierabend über den Durst und ist ein Kandidat für einen Herzkasper bei nächster Gelegenheit. :-o

In Deutschland werden laut Statistik 40% aller geschlossenen Ehen wieder geschieden. Weil die Betroffenen feststellen, dass ihre einmal getroffene Entscheidung nicht dem entspricht, was sie eigentlich wollten. Das ist erstaunlich, da die wenigsten davon einen Ehevertrag aufweisen. Diese Entscheidung kostet den solventeren der beiden Partner doch viel Geld und den anderen zumindest Lebenszeit.

Wenn also über ein Drittel der Menschen in unserem Wirtschaftswunderland eine derart wichtige Entscheidung gerne mal in den Sand setzen, was sagt das wohl über Entscheider in Unternehmen aus? Das fragte ich letztens einen schwäbischen Unternehmer.

Der meinte mit einem feinen Lächeln (nach drei gescheiterten Ehen): “Was se Zhaus glernt han, des müsset se in der Firma nimmer versaubeutln” – Was Sie Zuhause gelernt haben, das müssen Sie im Unternehmen nicht mehr falsch machen.

Wie aufmerksam von seinen Mitarbeitern! :-)

Gut vorbereitet in den Klima-Wandel

Dienstag, August 21st, 2007

© Orhan Veli - Fotolia.com

Seit Monaten überschlagen sich die Medien mit den Gefahren des Klima-Wandels. Eine Majorität prophezeit uns eine düstere Zukunft und es gibt natürlich auch noch eine Minderheit, die den Klima-Wandel als großen Schwindel bezeichnet.

Ganz unabhängig davon, ob er tatsächlich kommt, ist es natürlich ein Segen, dass inzwischen wohl die Ganze Welt das eine oder andere unternimmt, um die Umwelt zu entlasten.

Aber zurück zu den düsteren Prognosen. Durch die Erwärmung sollen demnach die Polkappen schmelzen und viel fruchtbares Land im Meer versinken, während der Klimawandel viele heute landwirtschaftlich genutzte Gebiete vesteppen läßt, weil sie buchstäblich austrocknen werden. :-o

Die Folge: Eine wachsende Weltbevölkerung sieht sich einem stetig schrumpfenden Nahrungsangebot gegenüber. Gleichzeitig schwinden auch Rohstoffe und fossile Energieträger (das ist allerdings keine Auswirkung des Klimawandels).

Bei funktionierenden Märkten führt das zu stark steigenden Preisen von Agrarprodukten (Hunger) und Rohstoffen (Arbeitslosigkeit). Wenn allerdings diese Güter gehortet werden aus Gründen einer Abschottungspolitik, kann das im schlimmsten Fall zu Kriegen führen. :twisted:

Ich bin kein Freund von Katastrophenszenarien, daher will ich nicht in das vielstimmige Konzert der Medien einstimmen. Allerdings stellt sich doch die Frage, wie wir als einzelne Entscheider mit dem potentiellen Risiko umgehen. Risiken enthalten auch immer Chancen, wenn wir rechtzeitig richtig investieren.

Wahrscheinlich haben Sie bereits über einschlägige Wertpapiere in Rohstoffe investiert und denken vielleich auch darüber nach, in sog. soft commodities (Agrarprodukte) zu investieren. Das mag in den auf uns zukommenden Szenarien vermögenssteigernd sein und ist sicher die richtige Strategie, wenn alle Märkte weiter funktionieren. Dann werden Sie keinen Hunger leiden, wenn die Preise steigen, denn Sie haben ja Geld. Anders sieht es aus, wenn es zu Rationierungen kommt. Dann hilft Ihnen Ihr Geld leider auch nichts mehr. Denn selbst ein Hunderteuroschein hat einen erschreckend geringen Nährwert. :shock:

Nein, im Falle des Falles werden Bauern in fruchtbaren Gebieten wohlhabend, wenn nicht reich werden. Eigentümer von Schrebergärten, auf denen Sie ihren Eigenbedarf anbauen gehören zu den Glücklichen und wir Geistesarbeiter und Dienstleister schauen derweil in die Röhre! :-o

Gehe ich jetzt los, um mir einen Schrebergarten oder ein Bauerngut zu kaufen? Nö, warten wir mal ab, was die Zeit so bringt. ;-)

Chinadrache mit Keuchhusten

Montag, August 20th, 2007

© lfeichte - Fotolia.comVerschlucksüchtige Minimagneten, Giftstoffe im Katzenfutter, schadstoffbelastete Babylätzchen und mit Bleifarbe lackierte Spielzeugautos. Das ist das Bild, das wir von Produkten aus Fernost in den letzten Wochen via Medien schaurig ins nicht ganz sommerwarme Wohnzimmer geliefert bekommen. :-(

Wären es nicht samt und sonders renommierte Markenhersteller, wie Mattel, die ihre Produkte  millionenfach zurückrufen, man könnte meinen, hier ist eine konzertierte Aktion am Werk. So aber lass ich ich den Verschwörungstheoretiker in der Ecke verstauben und stelle mir die Frage, wie die Unternehmen damit wohl umgehen?

Vor ein paar Wochen habe ich mir einen neuen PC geleistet, der durch den intelligenten Einsatz von Notebook-Technologie mit maximal 90 Watt wesentlich weniger Strom zieht, als mein vorheriger hochgezüchteter 350 Watt-Bolide. Eine feine Maschine mit einem sehr bekannten Markenschild und  – montiert in China. Mit dabei lag im passenden Design auch eine Tastatur. Da mir das Chinahackbrett zu billig klapperte habe ich es kurzerhand gegen die bereits seit Jahren bewährte Konkurrenz aus Thailand ersetzt. Darüber bin ich jetzt sehr glücklich, denn wer weiß, wieviel Blei, Quecksilber und Umweltgifte so eine Tastatur aus China freisetzen kann? :-o

Leider ist mein Ipod aus China, aber eine Gefahr der Kontamination ist gering, da ich ihn gut in ein Etui eines italienischen Designhauses eingepackt habe. :twisted:

Aber Spaß beiseite. Wie gerade im FAZ-Net  zu lesen, meint der Leiter Product Management beim TÜV-Süd Andreas Bauer, dass hier ein völlig falscher Eindruck entstehen würde. Auch unter den deutschen Herstellern gebe es schwarze Schafe, die Grenzwerte bewußt ignorieren und gefährliche Produkte auf den Markt bringen. Insgesamt meint Herr Bauer werde heute viel mehr kontrolliert und die Produkte seien dadurch sicherer. :-)

Das mag richtig sein. Allerdings sollte man nicht vernachlässigen, dass China heute immer noch zu den emerging markets gehört. Produziert wird dort alles unter allen Bedingungen, Hauptsache es zahlt jemand dafür. Daher liegt es natürlich an den Herstellerfirmen, die ihre Produkte in China kaufen oder zusammenbasteln lassen, Grenzwerte, Produktsicherheit und -Qualität einzufordern. Solange die Produktionsstandards in einem sich entwickelnden Land noch nicht unseren eigenen entsprechen, müssen diese quasi dort über die Lastenhefte der Abnehmer importiert werden. Wenn es also zu Rückrufaktionen kommt, liegt das möglicherweise an laxen Anforderungen und Kontrollen von Mattel und Konsorten.

Natürlich werden jetzt wieder die Kassandras und Abschottungsapologeten aufstehen und die Wirtschaft auffordern, keine Produkte aus China mehr zu verkaufen. Zum Glück sind wir davor sicher, denn wie SPON bereits vor Wochen berichtete gibt es, in verschiedenen Bereichen gar keine Alternativen mehr:

Die Verwirklichung der Pläne ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Nach einem Bericht der “Los Angeles Times” ist China in den vergangenen zehn Jahren zum weltweit größten Lieferanten für Geschmacksstoffe und Vitamine geworden – und die finden sich mittlerweile in fast jeder Mahlzeit wieder. Viele Lebensmittelzusätze gibt es in großen Mengen nur noch in China zu kaufen.

Was machen wir uns also Sorgen über Produkte, wie unser Handy, Ipod oder die Tastatur. In der nächsten Eisdiele schmeißt unser Lieblingsitaliener Vanille-Geschmack in seinen Zuber und wir schlecken es dankbar als Eis aus der Waffel. ;-)

China ist für viele Unternehmen das Boomland schlechthin. Jeder versucht dort einen Fuß in die Tür zu bekommen. Natürlich wird die Berichterstattung in den nächsten Tagen Auswirkungen auf die Absätze mit Made in China haben. Aber mittel- und langfristig führt vermutlich kein Weg mehr daran vorbei.

Wer heute auf der IFA ein neues HIFI-Wunder betrachtet sagt sich, “da warte ich ein Jahr, dann kriege ich es für die Hälfte”. Das geht nur, weil der Hersteller erst einmal seine Entwicklungskosten hereinspielen will und später die günstigen Produktionskosten an mich als Konsumenten weiter gibt. Würde die gleich Anlage in Europa produziert, würde der Preis allenfalls um 10% sinken. Gleichzeitig entsteht in China mit dem noch bescheiden wachsenden Wohlstand ein gigantischer Markt auch für teure europäische Produkte, die jeder Chinese gerne haben möchte, weil er weiß, dass Qualität und Schadstoffbelastung den hohen europäischen Normen entsprechen.

Kein Grund also, um Angst zu haben, aber merken Sie sich die Hersteller, die ihren Kontrollpflichten nicht nachkommen! :twisted:


 
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