Archive for Januar, 2008

Auf der Suche nach entscheidenden Sinn

Mittwoch, Januar 16th, 2008

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“Egal was ich jetzt tue, es ist eigentlich ohne Bedeutung. Früher war ich ab und an zufrieden, wenn ich mal eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung bekommen habe. Aber das war auch nur immer für den Moment gut.” So Franz Mosler* (Name geändert), ein Abteilungsleiter in einem Pharmakonzern.

Entscheidungen müssen für uns Sinn machen

Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Der Punkt an dem wir uns jetzt gerade befinden ist letztlich auf unsere Entscheidungen zurückzuführen. 

Natürlich wird keiner am Anfang seiner Karriere festlegen können, welche Ereignisse stattfinden und wo er zu einem bestimmten Zeitpunkt sein wird. Kontrolle ist immer eine Illusion.

Aber ich glaube, darauf kommt es bei Mosler nicht wirklich an. Denn nach seiner eigenen Aussage wäre er mit einer bessere Position oder mehr Einkommen keinen Deut glücklicher. Es hat ihm eine Zeit lang viel gegeben, total in seiner Arbeit aufzugehen. Aber irgendwann hat er festgestellt, dass ihm etwas wichtiges fehlt: Der Sinn im Leben.

Das geht vielen So. Durch die starke Regulierung von Lebensläufen, wie wir sie heute kennen mit Schule, Studium, Auslandspraktika und Einstieg in eine Managementlaufbahn glauben wir, automatisch das Richtige zu tun, nur weil es mehr oder weniger so vorgegeben ist.

Es gibt zwar den einen oder anderen Aussteiger, aber das sind dann eher bedauernswerte Randerscheinungen. Bis zu dem Moment, da wir realisieren, dass es ohne Sinn nicht geht.

Sinn ist überlebenswichtig

Das hat schon im letzten Jahrhundert der Wiener Psychater Viktor E. Frankl herausgefunden. Seine Theorien musste er auf die schlimmste vorstellbare Weise in der Praxis nachweisen. Denn er überlebte die Vernichtungsmaschinerie der Nazi-KZs nur, weil er für sich einen Sinn darin sah weiterzuleben, um eines Tages anderen Menschen von diesem Unrecht berichten zu können. Im Gegensatz zu vielen anderen konnte er deshalb überleben.

Wir bestimmen selbst, was Sinn macht

Es liegt offensichtlich in unserer Macht, selbst zu bestimmen, was unserer Existenz Sinn verleiht. Auch Mosler musste deshalb nicht seine Laufbahn aufgeben.

Es mag zwar sein, dass sein Arbeitgeber mit den eigenen Produkten sehr viel Geld verdient, aber der tiefere Sinn des Unternehmens, seine Existenzberechtigung liegt darin, vielen Menschen zu helfen, wieder gesund zu werden. Hinter jeder Zahl, die Mosler im Laufe seiner Karriere gesehen hat über Umsätze, Forschungsaufwendungen und Genehmigungsverfahren steht am Ende die Lebensqualität von tausenden von Menschen.

Die Entscheidungen von Franz Mosler haben doch große Bedeutung, er musste nur ein wenig über die Zahlen hinwegsehen und die Menschen dahinter erkennen.

Macht das Sinn für Sie? :-)

Podcast meines Artikels

Montag, Januar 14th, 2008

Wie schon berichtet, habe ich in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift ManagerSeminare den Artikel “Raus aus der Entscheidungsfalle” veröffentlicht. Leider ist der Online-Abruf ja kostenplichtig. Zum Glück müssen Sie jetzt nicht mehr traurig sein. Denn das Magazin veröffentlicht einen kostenlosen Podcast des Artikels mit professionellen Sprechern. Ich muss sagen, ich bin ziemlich beeindruckt. :-)

Hier der Link zum Podcast.

Lebenslang Gefängnis?

Montag, Januar 14th, 2008

Fotolia_1229578_S Kinder sollen nach dem Willen des Hessischen Ministerpräsidenten Koch in begründeten Fällen ins Gefängnis. Angesichts des Aufschreis, der durch die Republik geht, kann ich beruhigt feststellen, die Reflexe funktionieren noch, ich lebe nach wie vor in Deutschland. :-)

Ganz abseits des Wahlkampfgetöses, hat jeder von uns natürlich seine eigene Meinung zum Thema.

Ich persönlich bin noch nie auf offener Strasse beraubt, beleidigt oder körperlich angegriffen worden. Würde ich also von diesen persönlichen Erfahrungen ausgehen, müßte ich die Vorstöße in Richtung einer Verschärfung des Rechts ablehnen, weil dadurch mehr Staat geschaffen und die Freiheit eingeschränkt wird. (weiterlesen…)

Abgedreht oder sinnvoll?

Freitag, Januar 11th, 2008

Judge's Gavel © James Steidl - Fotolia.com In manchen Worten versteckt sich mehr Weisheit, als man zunächst vermutet. So durfte ich vor Tagen bei Jochen Mai lernen, dass Kritik sich vom griechischen krinein ableitet, was so viel heißt, wie unterscheiden oder trennen. Es wird natürlich anders verstanden, aber man könnte durchaus der Meinung sein, dass ich mich von meinem Gesprächspartner (gedanklich) trenne, wenn ich Kritik übe. Deshalb ist der Kommunikationskniff beliebt, durch entsprechende Fragen eine Selbstbewertung und Kritik des Gesprächpartners zu provozieren. Andere nennen das dann Manipulation. :-|  

Vor wenigen Tagen habe ich über das Urteilsvermögen geschrieben. Wikipedia unterscheidet die Begriffe Urteilsvermögen, Urteilskraft und Urteilsfähigkeit nicht:

Urteilsvermögen ist das Vermögen sich ein persönliches Urteil zu bilden. “Vermögen” versteht sich dabei als Möglichkeit, als Fähigkeit und Können. Synonyme bilden daher Urteilsfähigkeit und Urteilskraft. “Urteil” bezeichnet hier die korrekte Beurteilung einer Situation oder eines Sachverhaltes und ist somit die Grundlage des nachfolgenden, auf Vernunft basierenden, Handelns

Ich finde das schade. Denn es ist durchaus möglich, diese Begriffe differenziert zu betrachten.

Mein Vorschlag

Urteilskraft bezeichnet die innere Konstitution, ein Urteil zu fällen und durchzusetzen

Urteilsvermögen hingegen ermöglicht mir einzuschätzen, inwiefern verschiedene Handlungsalternativen meinem Ziel dienen.

Die Urteilsfähigkeit setzt sich aus dem Urteilsvermögen und der Urteilskraft zusammen. Sie ist demnach der Oberbegriff. Als Voraussetzung für seine Urteilsfähigkeit muss der Entscheider klare Ziele formuliert haben und gute Gründe haben, diese erreichen zu wollen.

Dünnes Eis

Natürlich ist das dünnes Eis, auf dem ich mich hier bewege. Da kann ja jeder kommen, oder nicht? Ich will hier auch keine Normen aufstellen, sondern ein wenig die Weisheit meiner Leser strapazieren.

Angenommen, die Wikipedia-Definition wäre ungenau. Wie würden Sie diese Begriffe definieren?

Im Tal den Schwung der Entscheidung nutzen

Donnerstag, Januar 10th, 2008

© Protosom - Fotolia

“Ich bin erfolgreich, ich habe in meiner Karriere alles erreicht, was man in meinem Alter erreichen kann!” Teilte mir ein junger Manager vor zwei Jahren mit. Trotz dieser Aussage war er zutiefst unzufrieden, weil er “sein eigenes Ding” machen wollte. Das kann ich gut verstehen, denn das war ja auch Teil meiner Motivation, Entscheidercoach zu werden.

Wer einen Gipfel erreicht hat, wird von dort aus nicht direkt weiter nach oben gehen können. Unser Jungmanager sah das jedenfalls so. Er machte sich daher selbständig. Eine Entscheidung, die mir immer wieder meinen tiefsten Respekt verdient. Denn das ist sicher nicht der leichteste aller Wege.

Aber zurück zum (kleinen) Gipfel. Wer von dort aus startet, um einen anderen Berg zu besteigen, sollte eigentlich wissen, dass er dafür ein Tal durchqueren muss. Die Radfahrer bei der Tour de France – ob Sie nun pharmazeutisch unterstützt sind oder nicht – wissen, dass Sie den Schwung vom Abwärtsfahren nutzen können, um entweder schnell das Tal zu durchqueren oder sogar die ersten Meter des neuen Anstiegs zu bezwingen.

Bei uns erfolgsgeilenorientierten Unternehmern und Selbständigen passiert aber häufig das genaue Gegenteil.

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