Fortsetzung auf Unternehmer.de
Freitag, November 28th, 2008Gestern wurde der zweite und abschließende Teil meines Beitrags “Sparen heißt nicht Kosten kürzen” auf Unternehmer.de veröffentlicht.
Der erste Teil ist hier zu finden.


15 Entscheidungsfallen und wie man sie vermeidet
 
 

Mit Alltagsentscheidungen gewinnen
Gestern wurde der zweite und abschließende Teil meines Beitrags “Sparen heißt nicht Kosten kürzen” auf Unternehmer.de veröffentlicht.
Der erste Teil ist hier zu finden.
Kunde: “Ich möchte mich bei ihnen bedanken. Ihr Konzept hat uns in jeder Hinsicht die Augen geöffnet! Der Auftrag geht trotzdem an die Müller GmbH und nicht an Sie!”
Entscheider: “Wir hatten fest mit dem Auftrag gerechnet…”
Kunde: “Das kann ich gut verstehen, aber die Sache ist gelaufen. Der Müller ist gut mit der Tochter unseres wichtigsten Kunden bekannt, mit den darf ich es mir nicht verscherzen.”
Entscheider:
Nach einer solchen Situation wird jeder emotional angeschlagen sein.
Trotzdem müssen wir auch unmittelbar danach verantwortungsvolle Entscheidungen treffen.
In einer Rezession sind Menschen, die genau wissen was sie wollen eine wahre Wohltat. Denn sie verschwenden weder ihre eigene Zeit noch die der anderen.
Setzen sie ein Meeting an, gibt es eine klare Agenda und jeder Teilnehmer weiß, warum er dabei ist. Im Meeting achten sie auf eine kompromisslose Durchsetzung von Disziplin, die sich möglicherweise am Rande der Unhöflichkeit bewegt. Allerdings sind Wichtigschwätzer und Dampfplauderer anders kaum zu stoppen.
… ist überwunden! In der Zwischenzeit habe ich zusammen mit meinen Kunden weiter gearbeitet.
Fast jeder wurde durch den sehr kurzfristigen und hektischen Konjunktureinbruch überrascht. Ein Unternehmer nannte es “einen Auftragsabfluss” im seiner Badewanne der Aufträge “…und irgend jemand hat den Stöpsel gezogen”!
Bei vielen Unternehmen herrscht Hektik. Denn so schnell, wie die Konjunktur absäuft kommt es einen vor, als hätte eine Naturgewalt zugeschlagen. Die Banken möchten keinen Überbrückungskredit zahlen, viele Kunden keine Aufträge zeichnen. Da halten viele Unternehmen es für eine gute Idee, eine generelle Ausgabensperre zu verhängen. Das trifft alle Maßnahmen, ob gute oder auch schlechte.
Hier ein Beispiel:
Ring, ring!
Elke Frust: Einen schönen guten Tag, Sie sprechen mit dem Trainingsinstitut Meyer, mein Name ist Elke Frust, wie kann ich Ihnen helfen?
Kunde: Guten Tag Frau Frust, hier spricht Ihr bester Kunde!
Elke Frust: Schön Sie zu sprechen!
Kunde: Ja, wie man es nimmt! ich rufe an, weil wir das Führungstraining absagen möchten.
Elke Frust: Wie schade, das zu hören. Gibt es dafür einen speziellen Grund?
Kunde: Ja, die Rezession. Das Training passt einfach nicht mehr in die Zeit. Ich bin mir sicher, dass unsere Mitarbeiter sich ab jetzt zwei Mal überlegen werden, ob Sie krank machen oder kündigen. Jetzt sitzen wir wieder am langen Hebel! Da brauchen wir erst Mal keine bessere Führung im Unternehmen. So eine Rezession hat auch sein Gutes.
Elke Frust: Ich verstehe. Offensichtlich hat die Krise Ihnen die Augen geöffnet. Die Trainingsmaßnahme wäre eine große Verschwendung gewesen. Ein echter Luxus, den Sie sich vielleicht auch in guten Zeiten nicht leisten sollten.
Kunde: Nein, ich bin überzeugt, dass es bei guter Konjunktur eine gute Maßnahme für unser Unternehmen gewesen wäre.
Elke Frust: Das glaube ich Ihnen. Allerdings teile ich Ihre Überzeugung nicht. Gut das Sie mir das rechtzeitig mitgeteilt haben. Denn ich kann mir keine unzufriedenen Kunden leisten.
Kunde: Das ist doch…
Klick, aufgelegt!
Welcher Dienstleister hat in diesen Tagen so viel Rückgrat? Allerdings hat Frau Frust auch recht. Die Maßnahme wäre reine Verschwendung gewesen. Denn sie entspricht nicht dem Bedarf des Kunden und das hat nichts mit der Konjunkturlage zu tun.
Just heute hat Unternehmer.de meinen Artikel darüber veröffentlicht, wie das falsche Sparen aussieht und wie das richtige: Sparen heißt nicht Kosten kürzen
Die dahinterliegende Logik, dass bedarfsgerechtes Entscheiden das produktivste Sparen darstellt, wird uns hier im Blog die nächsten Wochen beschäftigen. Denn ich glaube, dass die Rezession viele Unternehmen zu massiven Einschränkungen zwingen wird. Da wäre es doch sicher gut, wenn wir das mit Augenmaß tun.
Ja, ich schreibe in diesem Blog auch hin und wieder über Tagespolitik. Dabei geht es mir nicht darum, Partei für die eine oder andere Seite zu ergreifen. Vielmehr finde ich die Entscheidungssituationen, in denen sich unsere Volksvertreter befinden hoch spannend. Die Entscheidungen selbst sind es dann meistens nicht mehr, weil unsere gewählten Vertreter oft zu “naiv” agieren.
Zum Beispiel im jüngsten “Fall” von Andrea Ypsilanti. Nach Ihrem Scheitern im Frühjahr, schien sie dazu gelernt zu haben und sich vor der eigentlichen Entscheidung die Unterstützung aller Beteiligten in der SPD-Fraktion zu sichern.
Sie hatte zwar nicht die Unterstützung im hessischen Wahlvolk für ihren Weg, aber das ist nun einmal die Konsequenz einer repräsentativen Demokratie. Sobald wir unsere Vertreter gewählt haben, sind diese nur noch ihrem Gewissen verpflichtet.
Allerdings scheint Frau Ypsilanti die Aufgabe nur strukturell gemeistert zu haben. Sie hat sich zwar mit allen wichtigen Personen getroffen, aber inhaltlich konnte sie sich deren volle Unterstützung offensichtlich nicht sichern. Im Gegenteil, die vier Dissidenten fühlten sich massiv unter Druck gesetzt. Das ging so weit, dass sie es nicht wagten, offen ihre Ablehnung des Verfahrens zur Sprache zu bringen. Sie haben sie deshalb in Kritik verpackt, auf die die Parteivorsitzende nicht weiter eingegangen sein soll. In der darauffolgenden Presserklärung sprach Ypsilanti jeweils von “ausgeräumten Irritationen”.
Frau Ypsilanti hat die Situation allerdings anders erlebt. Danach hätten zwei der Abweichler sie sogar ausdrücklich ermutigt, sich mit Hilfe der Linken wählen zu lassen.
Im Zweifelsfall hat immer immer derjenige recht, dessen Unterstützung ich mir nicht sichern konnte. Denn das ist Teil meines Jobs als Entscheider.
Zudem kommt noch der wenig kooperative Umgang mit Jürgen Walter. Am Ende hatten wohl alle SPDler so viel im Dunkeln gepfiffen, dass sie selbst geglaubt haben, die Wahl würde ohne Probleme über die Bühne gehen.
Unterstützung habe ich erst dann, wenn alle Betroffenen sich hinter meinem Ziel versammeln und die Maßnahmen durch die sie betroffen sind als notwendiges Übel betrachten. Wenn das Übel dagegen als stärker empfunden wird als das gemeinsame Ziel, habe ich etwas falsch gemacht.
Denn sobald eine Partei ihre Kandidaten aufgestellt hat und diese durch das Volk legitimiert wurden, sind sie nur noch ihrem Gewissen verpflichtet.