Absolut unerwartet

image Von einem Tag auf den anderen ist die Katastrophe da. Vor 1 Jahr hatte Bernd Friedrich* sein Unternehmen in die Hände seines Sohnes übergeben. Friedrich hatte den Metallbetrieb eigenhändig aufgebaut und wähnte sein Lebenswerk in sicheren Händen.

Sein Sohn allerdings verkaufte das Unternehmen mitsamt den Forderungen des Vaters und macht sich jetzt ein schönes Leben.

Blind

“Ich habe das nicht kommen sehen”, flüstert der Familienpatriarch von Enttäuschung gezeichnet. “Heinz (der Sohn) hat immer alles gemacht, was ich ihm gesagt habe. Ja! Er hat sich nie darum gerissen, das Unternehmen zu übernehmen. Aber das habe ich immer als einen Vorteil angesehen”.

Taub

Der Sohn dagegen konnte seinem Vater jahrelang nicht vermitteln, dass er keine Verantwortung für die 320 Mitarbeiter übernehmen möchte. Nachdem der Vater ihm nicht zuzuhören schien, suchte er diesen Weg, um seinem “autistischen” Vater eine Lektion zu lehren.

Ein interessanter Vater-Sohn-Konflikt möchte man meinen. Für den Unternehmer kam das Ganze so unerwartet, weil sich sein Sohn bis dahin immer konform verhalten hatte.

Übersehen

So stromlinienförmig war der Junior allerdings nicht. Es passte nur nicht ins Bild von Friedrich Senior. Daher ignorierte Letzterer alles, was nicht stimmig war.

Letztlich ist es wie mit Bertrand Russels Huhn. Es wird jeden Tag seines Lebens vom Bauern gefüttert. Jahr ein Jahr aus. Eines Tages kommt der Bauer ohne Futter und dreht der armen Kreatur den Hals um, weil heute Hähnchen auf den Teller kommt.

Das Huhn hat keine Chance das zu erwarten. Die Vergangenheit lässt keine Vorausschau zu. Stattessen erwartet es, bis zu seinem Lebensende vom Bauern immer gefüttert zu werden.

Sein Ende kommt daher unerwartet.

Broiler im Ofen

In diesem Fall ist der Sohn der Bauer und der Unternehmer das Huhn. Allerdings hätte Letzterer die Anzeichen durchaus sehen können.

Aber niemand ist so blind, wir einer, der nicht sehen will. 😮

Wo ziehen wir aus der Vergangenheit Rückschlüsse für unsere Zukunft? Könnten wir auch eines Tages von Ereignissen überrollt werden, die wir nicht haben kommen sehen?

2 Kommentare
  1. RalfLippold
    RalfLippold says:

    Irgendwie wiederholt sich Geschichte immer wieder:-( Früher hatten wir die Erkärung, dass wir ja nicht alles überblicken konnten. Damals gab es noch kein Internet.

    Heute gibt es das Web und Information und Wissen kann in Echtzeit dahin fließen, wo es gebraucht wird.

    Diejenigen, die an den Stellhebeln der Macht sitzen, sei es in politischen Gremien, Parteien oder Unternehmenszentralen und Abteilungen, nehmen die selbst gemachten Erfahrungen heran, um auf die Herausforderungen von heute und morgen zu reagieren. Wissen teilen und Kollaboration über Grenzen (kulturell, wirtschaftlich, sozial, gesellschaftlich) ist noch nicht Agendapunkt!

    Damit das ganzheitliche Sehen eine Chance erhält sind wir es, jeder einzelne von uns, der den Wandel mitgestalten kann. Internet sei dank:-)

    http://blog.pegasuscom.com/Leverage-Points-Blog/bid/29418/Learning-from-Our-Mistakes (DavidPacker war einer der ersten Studenten von JayForrester dem Begründer der Methode System Dynamics, http://systemdynamics.org/wiki)

    …. und es geht tatsächlich;-) Ich freue mich auf das entstehende Gespräch.

    Schöne

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Lieber Herr Lippold,

    ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen. Allerdings wollte ich hier keine politische Diskussion in Bewegung setzen. Denn die Geschichte von Bernd Friedrich hat tatsächlich nichts mit Politik zu tun.

    Friedrich hätte im Internet nichts über seinen Sohn lernen können. Abgesehen davon, dass er ja meinte, dass er schon alles über ihn wisse.

    In meinem Beitrag geht es nicht um zu wenig Information, sondern um einen Akteur, der die Information ignorieren will, weil sie sein Weltbild nicht unterstützt.
    So bleibt der echte Sohn für den Vater unsichtbar, weil der den eingebildeten Sohn nicht loslassen kann.

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