Ärger muss sich lohnen

image Ich bin gerade an einem interessanten Projekt beteiligt. Seit dem neuen Jahr bin ich Moderator in einer regionalen XING-Gruppe. Sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In der Boomzeit besuchten teilweise 60 Teilnehmer die monatlichen Treffen.

Ich habe dort in der Vergangenheit mehrfach Vorträge gehalten und sogar zwei Sternstunden für Unternehmer veranstaltet.

Ein Ende

Doch eines Tages beschlossen die Gründer des Netzwerks, dass die monatlichen Veranstaltungen zu viel Organisationsaufwand kosteten. Andere sollten den Job machen. Doch keiner wollte ihn. So setzten die Treffen eine Zeit lang aus und wurden dann im zweimonatlichen Rhythmus wiederaufgenommen.

Doch dann fehlt fürs Networking die Regelmäßigkeit. Kontakte schlafen ein und bleiben ganz weg. Die XING-Gruppe begann ein langsames und irgendwie qualvoll anzusehendes Sterben.

Und noch eins

Im vergangenen November wollten die Veranstalter der Sache den finalen Todesschuss geben. Wenn kein anderer es übernähme, dann sei die XING Gruppe am Ende.

An dem Abend waren genau sechs Teilnehmer da. Mit anderen Worten: Wir waren schon in der Nahtod-Erfahrung.

Doch diesmal meldeten sich zwei Wackere, unter ihnen auch meine Person.

Nicht alles anders

Logischerweise musste sich einiges ändern. Zum Beispiel finden die Treffen wieder monatlich statt und es gibt neue Möglichkeiten der Interaktion.

Zum Beispiel verkünden die Moderatoren “Neuigkeiten aus dem Netzwerk”. Teilnehmer können wichtige Neuigkeiten über sich durch die Moderatoren verkünden lassen: Zum Beispiel, dass sie einen großen Auftrag gewonnen haben oder dass sie neue Mitarbeiter suchen oder dass es im kommenden Monat ein interessanten Seminar gibt.

Es gibt eine Vorstellungsrunde mit 30 Sekunden-Vorstellungen aller Besucher.

Es gibt auch einen Programmpunkt Empfehlungen, in dem Teilnehmer andere Empfehlen können. Denn Empfehlungen sind ein zentraler Bestandteil guten Netzwerkens.

Es gibt bei jedem Treffen einen Kurzvortrag (20 Minuten) von renommierten Referenten aus dem Sternstunden für Unternehmer Netzwerk.

Eine Idee

Hinter dem neuen Konzept steht die Idee, dass Teilnehmer nur dann regelmäßig kommen, wenn Sie am Ende konstatieren, dass der Besuch ihnen etwas gebracht hat.

Normalerweise gewinne ich andere Menschen erst einmal für meine Ziele, bevor ich mir Gedanken über die Umsetzung mache. Frei nach dem Motto: “Gute Entscheider treffen Menschen bevor sie Entscheidungen treffen”.

In diesem Fall war es allerdings anders. Denn Wen will man ansprechen? Menschen, die vielleicht schon ein Jahr kein Treffen mehr besucht haben? Dann hätte ich natürlich auch mit den wenigen Unentwegten sprechen können. Doch diese Gruppe ist offensichtlich leidensfähig.

Daher haben mein Mitmoderator und ich uns abgesprochen und gehandelt. Heute ist die erste Veranstaltung und es sind 40 Teilnehmer angemeldet. 😯

Das ist zum einen meinem Referenten geschuldet und zum anderen dem frischen Wind. Jetzt müssen wir heute Abend nur noch liefern. Dann steht einer Lazarus-Erweckung der XING-Gruppe nichts mehr im Wege. 🙂

Aber

Doch was wäre eine Veränderung, wenn es nicht auch einen Misston gäbe? Tatsächlich hat sich ein Mitglied vorab beschwert, dass unsere neuen Regeln bürokratisch und pedantisch wären.

Wir können es nie allen Menschen recht machen. Diese Erkenntnis ist sehr befreiend. Genauso wie die Erkenntnis, dass wir niemals gute Unternehmer sein können, wenn wir Angst vor Zurückweisung haben.

Wie heißt es so schön? Wo gehobelt wird, fallen Späne!

Nutzen muss größer sein als der Ärger

Warum schreibe ich über diese eigentlich relativ unwichtige Geschichte? Ganz einfach: Es geht um Entscheidungen. Wann immer wir eine solche Verpflichtung übernehmen, werden wir auch Ärger davon tragen.

Wir sollten daher sicher sein, dass uns die Sache “ins Konzept” passt. Altruismus ist schön, aber am Ende müssen wir uns fragen, wofür wir das machen.

Der Ärger, den wir uns möglicherweise einhandeln muss durch einen Nutzen, durch ein erreichtes Teilziel aufgewogen werden. Ansonsten geht es uns wir dem beiden Gründern des Netzwerkes. Wir verlieren die Motivation.

Update

Die Veranstaltung war grandios und im Anschluss gab es eine Menge Schulterklopfen für die Moderatoren und Organisatoren. 🙂