Ausgleich für Entscheider

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Die wichtigste Person beim Entscheiden ist der Entscheider. Daher bringt uns Methodenwissen nicht unbedingt weiter.

Was nützt es uns, eine oder mehrere Methoden aus dem FF zu beherr­schen, wenn uns unser emotionaler Zustand in die Quere kommt?

Bestes Beispiel ist die Midlife-Crisis. Ich bin Anfang 40 und einige meiner Freunde sticht der Hafer. Sie suchen neue Erlebnisse und tref­fen manche hormongesteuerte Entscheidung. Eigentlich suchen sie nach dem Sinn in ihrem Leben. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Außer Rand und Band

Da werden Anschaffungen gemacht, sich mit dem Lebenspartner entzweit und amouröse Abenteuer gesucht. Nicht selten erfahren wir das erst, wenn schon das Meiste gelaufen ist und das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Denn nicht selten ist das Bedauern groß, wenn die Lebensumstände der persönlichen Krise und dem unvermeidlichen Absacken des Selbst­bilds gefolgt sind.

Bekannte Blaupause – wenig Veränderung

Wie nicht anders zu erwarten hat der neue Lebensabschnittspartner große Ähnlichkeit mit dem gerade Verlassenen. Was vermutlich viel damit zu tun hat, dass unser Entscheider gar nicht weiß, was er eigentlich will und daher nach einer der inneren Blaupause seines bisherigen Lebens handelt. Den  Sinn im Leben findet er so vermutlich nicht.

Tapfer hören wir dann, dass der andere seine Entscheidungen nicht bereut. In Wahrheit jedoch könnte sich der Entscheider in den Hintern beißen darüber, was er alles ohne Not weggeworfen hat.

Der bisherige Lebenspartner wird dann gerne dafür verantwortlich gemacht, dass es überhaupt zu Krise gekommen ist. “Sie hat mich an meiner Weiterentwicklung gehindert.”

Berechtigt und störend

Allerdings ist es ganz verständlich, das unser Partner unser Verhalten hinterfragt, wenn wir uns auf selbstzerstörerische Selbstfindung begeben. Schnell gibt es mehr Streit als Gemeinsamkeit und obwohl wir noch für eine Weile unter Vertrag stehen, suchen wir einen neuen Verein. »Ein Leben lang« war dann doch zu optimistisch.

Springteufel eingebaut

Die Midlife-Crisis ist natürlich nur eine von vielen Situationen, in denen wir Entscheidungen treffen, die uns zu keinem guten Ziel führen. Grundsätzlich jede emotionale Schieflage steuert uns an Abgründe und darüber hinaus. 😯

Wut, Ärger, Verzweiflung, Angst, Unsicherheit, Übermut – wir kön­nen es uns aussuchen.

Doch so manche emotional anstrengende Situation kann lange andauern. Die Midlife-Crisis einzelner Entscheider zieht sich ja auch über Jahre hin. Wir können dann ja nicht einfach unsere Entscheidun­gen auf Eis legen.

Wie entscheiden wir dann?

Wenn es uns noch an einer klaren Zukunftsvision mangelt, entschei­den wir auf der Grundlage unseres Selbstbilds.

Es ist grundsätzlich keine schlechte Idee, sich hin und wieder schriftlich ein paar Gedanken über uns selbst zu machen.

Rettungsanker Selbstbild

So können wir auch bei Gelegenheit ein Selbstbild erarbeiten und regelmäßig ergänzen, wenn uns etwas dazu einfällt.

Befinden wir uns dann in einer Situation, die eher zu schlechten als guten Entscheidungsergebnissen führt, kommt die Stunde dieses Selbstbilds.

Heilsamer Perspektivenwechsel

Wir nehmen es dann zu Hand und fragen uns: »Was würde Herr (oder Frau) [unser Name] in dieser Situation tun?« Wir fragen uns, was wir tun würden, wären wir nicht gerade außer Rand und Band.

Wir verändern damit unsere Perspektive und sehen unsere eigene Situation von außen. Das sorgt für eine Entschärfung unseres eigenen Zustands. Was vorher sehr tief ging, verflacht und macht uns wieder entscheidungsfähig.

Skepsis – Angst im Schafspelz

»Hokuspokus! Das ändert gar nichts!« Der Meinung können wir natürlich sein. Was ist aber besser als eine Meinung, die auf Vermutung basiert? Genau die Erfahrung.

Lassen wir uns also nicht durch Skepsis bremsen. Denn der psychologische Hintergrund von Skepsis ist Angst. Jetzt ist aber keine Zeit für Angsthäschen, oder?

Freuen wir uns also auf eine Erfahrung, die unsere Entscheidungen nachhaltig verbessern wird.

Was wollen wir mehr?