In meinem letzten Artikel habe ich eine für viele Entscheider kontroverse These vertreten. Wer im Affekt entscheidet, genießt größere Klarheit und kann auf Verständnis für unpopuläre Entscheidungen hoffen. Das widerspricht natürlich allem, was wir in einem rationalen und aufgeklärten Zeitalter glauben. Die empfundene Klarheit verdanken wir der Ignoranz aller widersprüchlichen Informationen und das Verständnis bekommen wir, weil unser Umfeld uns einräumt, auch nur ein Mensch zu sein. Die offizielle Doktrin ist dagegen: Wenn der Mensch im Affekt nicht vernünftig entscheiden kann, dann soll er eben warten, bis er es kann! Also eine Nacht darüber schlafen.

Das habe ich früher auch geglaubt und ich glaube es noch immer. Allerdings empfehle ich ebenso, die Energie und Klarheit des Affektmoments für seine Entscheidungen zu nutzen. Wenn wir beides miteinander verbinden, macht uns das zu besseren Entscheidern.

Aber wie soll das gehen?

Wenn ich eine Nacht über meine Entscheidung schlafe, dann bin ich zum Entscheidungszeitpunkt wahrscheinlich ausgeglichen. Denn das ist ja der Sinn des Ganzen. Ohne diesen Kniff verarbeiten wir nur Informationen, die unsere Emotion im Affekt unterstützen. Nach dieser Nacht ist der Affekt aber nicht mehr verfügbar. Will ich umgekehrt den Affekt nutzen und gleich entscheiden, verhindert ebendieser eine ausgeglichene Bewertung.

Beides scheint sich auszuschließen. So scheint es. aber nur, weil wir 50 Prozent der Lösung ausblenden. Der Denkfehler liegt darin, dass wir vom Moment des Affekts ausgehen und ab da unseren Gestaltungsraum sehen.

Wie wäre es, wenn wir stattdessen die Zeit davor nutzen?

Anstatt umständlich lange darauf zu warten, bis wir wieder emotional ausgeglichen sind, können wir auch einfach einen ruhigen Moment nehmen und in die Zukunft denken.

Ein Beispiel

Machen wir es konkret: Nehmen wir an, Du planst, mit einem anderen Unternehmer zu kooperieren. Ihr wollt gemeinsam einen neuen Markt erschließen. Natürlich kannst Du die Zukunft nicht vorhersagen. Allerdings können die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen. Darüber kannst Du ganz entspannt nachdenken, solange noch keine Fakten geschaffen wurden.

Die Kooperation könnte ein Riesenerfolg sein. Gemeinsam seid Ihr unschlagbar und die Kunden stehen bei Euch Schlange. In dem Fall ist keine Entscheidung nötig. Alles soll so weiter laufen, wie bisher. Was aber, wenn der Erfolg eher mau ist? Oder wenn Du sogar einen Stamm-Kunden verlierst, weil er von dem gemeinsamen Produkt nicht überzeugt ist?

Wenn es nicht läuft, gibt es wahrscheinlich auch keinen Affekt. Du könntest daher auch entscheiden, wenn Du das enttäuschende Ergebnis siehst. Für den Affekt stimmt das zwar, aber dann spielen möglicherweise die sogenannten sunken costs eine Rolle. Du unterliegst dem Eindruck, dass Du weitermachen musst, weil Du schon so viel Geld in den toten Gaul gesteckt hast. Besser ist es, wenn Du Dir vorher die Bedingungen überlegst, ab wann Du dem schlechten Geld nicht noch gutes hinterherwirfst.

Was passiert, wenn die Kooperation schlecht für Deinen Ruf ist und Deine Stammkunden das Weite suchen? Ganz klar: Diese Partnerschaft muss enden! Die Frage ist dann nur wie. Handelt Dein Partner rücksichtslos, dann ist der Affekt Dein bester Freund. Ist Dein Partner dagegen nur unfähig, dann kannst Du auch warten, bis der Ärger verraucht ist. All das entscheidest Du bereits, bevor irgendetwas passiert ist. Deine Entscheidungen sind daher ausgewogen.

Vorratsentscheidungen

Wir treffen also unsere Entscheidungen auf Vorrat für den Zeitpunkt, wenn wir entscheiden müssen und beides brauchen, Affekt und Vernunft. Für die Vernunft sorgen wir im Vorfeld. Der Affekt sorgt dafür, dass wir es auch durchziehen und die Akzeptanz unseres Umfelds haben.

Ich persönlich entscheide so seit Jahren. Nicht selten fällt es mir allerdings schwer, mich an meinen Plan zu halten. Insbesondere wenn Betroffene mich bitten, meine Entscheidung zu überdenken.

Aus Erfahrung muss ich allerdings sagen, dass ich revidierte Entscheidungen in der Regel bereue. Geplante Entscheidungen fallen mir zwar in der Umsetzung hin und wieder schwer. Aber ich habe sie noch nie bereuen müssen.

Trotzdem erlebe ich auch meine unvorbereiteten Affekt-Momente. Ich bin vielleicht zu faul, mit allem zu rechnen. Inzwischen bin ich es nicht mehr gewohnt, mich im Affekt zu bremsen. So fallen dann Entscheidungen, die ich liebend gerne zurückdrehen würde.

Aber wer ist schon perfekt?

Angela-Merkel.jpgAls Gerhard Schröder mit der Agenda 2010 einen umfangreichen Reformkurs auf den Weg brachte, kostete ihn das die Kanzlerschaft. Da zeigte einer endlich einmal Führung, der sonst nur dem Volk aufs Maul schaute. Kein CDU-Kanzler hätte je ein solch mutiges Reformprogramm auf den Weg gebracht. Denn die linke Opposition hätte Purzelbäume geschlagen.
Erleben wir jetzt das Gleiche mit der Flüchtlingspolitik? Angela Merkels Sommer des Willkommens hätte sich kein Sozialdemokrat leisten können, ohne die CDU in die Nähe einer absoluten Mehrheit zu bringen.

Gerhard Schröder liefen damals die eigenen Wähler in Scharen davon. Noch heute gilt Hartz IV unter den Sozialdemokraten und welter links stehenden Parteien als Verrat an ihrer Sache. Dabei wurden damals Hunderttausende Sozialhilfeempfänger besser gestellt. Was machen jetzt die konservativen Wähler? Aktuelle Umfragen legen eine ähnliche Entwicklung für Angela Merkel nahe.

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Puzzleteil

Puzzleteil

Philipp Lahm sagte einmal sinngemäß: Er ist lieber der Gestalter seines Lebens, als sich von der Entscheidung einholen zu lassen. Damit begründete er seinen Ausstieg aus der Nationalmannschaft nach der gewonnenen Fußballweltmeisterschaft.

Als ich diesen Satz das erste Mal las, schämte ich mich. Ich kenne den Bayernspieler nicht persönlich. Dennoch hätte ich ihm diesen Satz nicht zugetraut. Wir sehen einen Menschen in der Öffentlichkeit, kennen seinen Beruf und schon haben wir eine Meinung über ihn. Hier bin ich also meinem Vorurteil aufgesessen.

Lahms Erkenntnis deckt sich mit meinen Beobachtungen. Manche Entscheider scheinen an einem großen Puzzle zu arbeiten. Sie können ihre Entscheidungen nicht schnell genug treffen, um ihr Bild nach und nach zusammenzusetzen. Das sind die Gestalter, die Philipp Lahm vermutlich meint.

Andere Entscheider werden dagegen immer wieder von Entscheidungen eingeholt. Unter  Druck und Zwang treffen sie dann eine Wahl, mit der niemand zufrieden wäre. Sie ist den widrigen Bedingungen geschuldet, die sie selbst geschaffen oder zumindest zugelassen haben.

Wenn wir ein Puzzle zusammensetzen, wollen wir damit aus vielen kleinen Einzelteilen ein großes Bild erschaffen: Das Bild, das wir uns zuvor von der Zukunft gemacht haben.

Welcher Entscheider wollen wir sein? Diese Frage beantworten wir entweder mit einem großen Zukunftsbild oder mit dem Mangel eines solchen. Es ist unsere Entscheidung.

 

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 3 in der Serie Entscheidungsklarheit

Wer genau weiß, was er will, kann sich mit “normalen” Lösungen nicht zufrieden geben. Er sucht Lösungen, die nicht nur seinen aktuellen Bedarf decken. Er sucht Lösungen, die auf eine besondere Art zukunftsfähig sind. Lösungen, die ihm den Weg in die Zukunft ebenen, die sich der Entscheider vorher ausgedacht hat.

Wasserglas 3 StückDamit entsteht natürlich eine neue Herausforderung. Nach einer erfahrungsbasierten Lösung müssen wir nicht lange suchen. Wir kennen sie aus der Vergangenheit. Anforderungen, die auf unserem individuellen Zukunftsbild basieren, verlangen nach neuen Lösungen. Ein Rätsel ist ja nur deshalb ein Rätsel, weil wir die Antwort noch nicht kennen. Zwischen unseren Anforderungen und möglichen Lösungen gibt es eine Lücke, die wir selbst mit systematischem Denken nicht stopfen können.

Bei einem Rätsel suchen wir nach der richtigen Idee. Irgendwann fällt  der Groschen, manchmal aber nicht. »Hast Du einen Tipp für mich?« Das fragen wir dann gerne.

Beispiel: Es fliegt nicht, hat aber zwei Flügel. Es kann nicht liegen, hat aber einen Rücken. Es kann nicht stehen, hat aber ein Bein. Es kann nicht gehen, kann aber laufen. Was ist das?

»Hast Du einen Tipp?«

»Jeder sollte sich hin und wieder daran fassen!«

»Jetzt weiß ich es! Es ist die Nase«

Eigentlich ist das merkwürdig. Denn der Tipp ist nichts anderes als eine weitere Einschränkung. Aber weil wir damit auch den Suchraum eingrenzen – was ist so nah, dass ich es anfassen kann? –, finden wir die Lösung schneller.

Anforderungen geben unserem Gehirn also Tipps, wo es suchen soll. Je klarer die Anforderungen gefasst sind, desto eher finden wir passende Lösungen. Probieren Sie einfach einmal aus, ob Sie Ihre Anforderungen noch genauer fassen können oder sogar verschärfen können.

Zum Beispiel anstatt nur darüber nachzudenken, wie Sie alle Termine mit drei Kunden und einem Lieferanten  an einem Nachmittag in Ihrer Firma unter einen Hut kriegen sollen, bauen Sie eine Zusatzanforderung ein. »Ich möchte zwischendrin auch noch einmal in Ruhe Kaffee trinken und ein Stück Kuchen genießen!« Was sich erst einmal verrückt anhört, führte aber dazu, dass der Unternehmer mit seinen drei Kunden zusammen ein angenehmes gemeinsames Kaffeekränzchen organisierte. Bei der Gelegenheit überzeugte der begeisterte Stammkunde die beiden Neukunden, doch gleich einen langfristigen Liefervertrag abzuschließen. Die Verschärfung der Anforderung hat den Unternehmer außerhalb seiner normalen Erfahrungen (der Vergangenheit) suchen lassen.

Falls dieser Tipp nicht funktioniert, könnte es einfach daran liegen, dass die Anforderungen thematisch sehr weit auseinanderliegen. Ich hatte einmal den Fall eines Unternehmers, dessen Geschäftsführer nicht nur ein Alkoholproblem hatte, sondern auch in die Kasse langte und gleichzeitig sein ältester Freund aus Jugendtagen war. Der Unternehmer steckte in einem Dilemma. Auf der einen Seite gefährdete sein Jugendfreund als Geschäftsführer das Unternehmen, auf der anderen Seite wollte der Unternehmer dem Alkoholkranken ein guter Freund sein. Was sollte er tun? Die Lösung war einfacher als gedacht.

Manchmal hilft es, einzelne Anforderungen auszublenden, die wir später getrennt betrachten. Fragen Sie sich, »welche eine Anforderung, müsste ich wegfallen lassen, um auf Anhieb auf eine Lösung zu kommen?« Das geht meistens ganz gut. Danach schauen wir uns  die ausgeklammerte Anforderung getrennt an. Wir suchen nach Lösungen, die nur diese eine Anforderung erfüllen. Oft ergibt sich dann plötzlich die eine oder andere Idee, wie alle Anforderungen mit einer einzigen Lösung unter einen Hut passen. Unser Gehirn arbeitet oft assoziativ. Das heißt, es sucht nach Ähnlichkeiten und bildet so neue Ideen.

Die Lücken zwischen unseren Anforderungen und Lösungen können wir also durch gute Ideen schließen. Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich gefordert, dass wir das Warum hinter unserer Entscheidung, also unsere Anforderungen genau kennen sollten. Jetzt ist auch klar, was uns das bringt: zukunftsfähige Lösungen.

Bei vielen erfolgreichen Entscheidern fragen wir uns, wie sie auf ihre genialen Lösungen gekommen sind. Jetzt wissen wir, wie wenig Glück und wie viel Selbsterkenntnis dahinter steckt. Je genauer wir wissen, was wir wollen, umso schneller entwickeln wir die passenden Lösungen dafür.

Es liegt in unseren eigenen Händen, ob wir später für unsere Entscheidungen bewundert werden oder mit wie vielen Lösungen wir uns einfach nur zufrieden geben und wie viele wir in unserem eigenen Interesse neu erschaffen. Mit zukunftsfähigen Lösungen erreichen wir mehr, weil die alten Probleme erledigt sind und sich uns nicht immer wieder in den Weg stellen. Ganz zu schweigen davon, dass wir mehr Sinn und Erfüllung im Alltag erleben.

 

 

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 3 in der Serie Entscheidungsklarheit

Wasserglas 2 StückMorgens geht es auf vier Beinen, mittags auf zweien und abends auf dreien. Was ist das? Für eines der ältesten Rätsel der Menschheitsgeschichte, ist die Antwort gar nicht so einfach. Der Sage nach musste jeder diese Aufgabe lösen, der an einer Sphinx vorbei wollte, ohne einen schrecklichen Tod zu erleiden. So waren sie eben, die Ägypter. Für uns heute ist die Lösung einfach, weil wir die Antwort kennen. Es ist der Mensch.

Was haben Rätsel mit Entscheidungen zu tun?

Wenn wir über unseren Bedarf, sprich unsere Anforderungen nachdenken, formulieren wir damit auch ein Rätsel. Wir nennen es nur anders. Es ist dann eine Aufgabe.

Zum Beispiel habe ich mir vor einigen Jahren einen Rechner in der Größe und dem Gewicht eines Moleskin-Notizbuchs gewünscht, in den ich direkt mit einem elektronischen Stift schreiben kann. Vorzugsweise sollte auf dem Rechner Microsoft OneNote laufen und er sollte eine kleine Ewigkeit ohne Strom auskommen. Das Nächstbeste war damals ein HP Convertible Notebook mit einem elektronischen Stift von Wacom. Leider war der Akku nach 2,5 Stunden platt. Das Ungeheuer wog etwas über 2 Kilogramm und war genauso transportabel, wie alle anderen Laptops von 2006. Mal schnell was notieren? – Undenkbar! Vom Lüftergeräusch konnte man einen Gehörsturz bekommen und auf der Rückseite hätte ich an manchen Tagen Spiegeleier braten können. Es war eine unlösbare Aufgabe – damals.

Aber die Technik entwickelt sich weiter. Vor drei Jahren kaufte ich mir ein Windows-Tablet, das mit seinem 12 Zoll Bildschirm immer noch verhältnismäßig wuchtig war, aber nur noch 980 Gramm wog und an die 4 Stunden ohne Strom aushielt. Das war besser, aber immer noch nicht gut genug. Dieser Tage bringt Asus ein neues Windows-Tablet im 8-Zoll-Format mit Wacom-Stift und lediglich 350 Gramm auf den Markt. Fazit: Aufgabe gelöst!

Bekommen wir ein Rätsel gestellt, dann erwarten wir, dass es lösbar ist. Bei unseren Entscheidungen ist das anders. Oft erfüllen mehrere Lösungen unsere Anforderungen. Manchmal gibt es nur eine Lösung und hin und wieder suchen wir die eierlegende Wollmilchsau. Letztere vorzugsweise dann, wenn wir andere dafür springen lassen können.

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Duracell Hase»Ich liebe Erwartungen. Das macht mein Leben einfacher!“ Als ich diese gewagte These das erste Mal von einem extrem entspannten Unternehmer hörte, war ich erst einmal überrascht. Genauer dachte ich, »wie ein Spinner sieht der gar nicht aus. Aber irgendeinen Knax muss er haben …«

Bevor ich nachfragen konnte, fuhr »Herr Tiefenentspannt« fort. »Sind die Erwartungen erfüllbar, weiß ich genau, was ich tun kann, um alle glücklich zu machen. Sind sie nicht erfüllbar, versuche ich es gar nicht erst.«

Es war einer solcher Momente, in denen es sich gelohnt hätte, bis zum Ende zuzuhören und sich erst dann sein Urteil zu bilden. Die Einstellung des Mannes ist genau richtig.

Das Netz der Erwartungen

Jede Erwartung verändert unseren Gestaltungsspielraum für Entscheidungen. Gibt es zu viele Erwartungen, wird der Entscheidungsprozess zum Rätsellösen.

Erwartungen haben für mich eine zweischneidige Bedeutung. Auf der einen Seite können sie uns zu Höchstleistungen anspornen. Wir lassen uns davon motivieren. Auf der anderen Seite gibt es oft so viele davon, dass so mancher nichts mehr entscheiden mag, weil er immer jemanden enttäuschen muss. Wir sitzen dann in der Erwartungsfalle. Denn auch wenn wir nichts tun, sind am Ende wieder einige Menschen enttäuscht.

Genau aus diesem Grund gefällt mir die Einstellung von Herrn Tiefenentspannt. Er nutzt einen positiven Aspekt der Erwartungen und lässt sich gleichzeitig auf keine unmöglichen Anforderungen ein.

Ein Teil des Problems ist die Vielzahl unterschiedlicher Personen, die berechtigt oder unberechtigt Erwartungen an uns haben.

Das fängt bei uns selbst an und hört mit Menschen auf, die wir gar nicht kennen. Ich habe zum Beispiel oft die unerfüllbare Erwartung an mich, keine Fehler zu machen. Gerade als Vortragsredner ist diese Erwartung wie der Wunsch, mit einer Dornenkrone durch die Straßen laufen zu wollen. Es wird immer schmerzhaft enden. Für die Schmerzen sorge ich selbst, wenn ich mich mal wieder ans Kreuz meiner Selbstkritik schlage.

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Ein neuer Job, mit dem Partner zusammenziehen oder sich selbstständig machen – wo immer Sie hinschauen, wartet das Unbekannte auf Sie. Wer jetzt einen kleinen Knoten in der Magengegend spürt, ist nicht allein. Das Unbekannte ist wie ein Überraschungsei: Spiel, Spaß, Spannung und Überraschung. Also Arbeit, neue Erfahrungen, Unsicherheit und es läuft immer anders als gedacht.

Ich bin auch gerne einmal skeptisch, wenn ich vor dem Unbekannten stehe. Die Einen nennen es lieber beim Namen: die Angst vor dem Unbekannten. Andere, ich auch, nennen es “Skepsis”. Für die nicht ganz so Graecophilen unter uns: Skepsis ist die Übersetzung für “Zweifel”. An wem zweifeln wir da wohl?

Ein Moment von vielen

Denken Sie kurz einmal darüber nach, wie Sie sich das letzte Mal gefühlt haben, als Sie vor dem Unbekannten standen. Drei Möglichkeiten: (1) Sie könnten schon gewusst haben, dass das nichts für Sie ist. Auf der einen Seite fühlen wir uns dann erleichtert, weil wir uns das Unbekannte ersparen werden. Auf der anderen Seite fühlen wir uns schlecht, weil wir diesen Weg nicht gehen können.

(2) Sie könnten aber auch hin und her überlegt haben. Sie waren zwar “skeptisch”, aber Sie wussten auch, dass im Unbekannten Ihre Zukunft liegt. Denn Entwicklung bedeutet ja nichts anderes, als einen neuen (unbekannten) Weg zu gehen.

(3) Sie könnten auch einfach neugierig gewesen sein. Vielleicht hat Ihnen das Herz gehämmert, aber gleichzeitig wollten Sie wissen, was hinter diesem neuen Weg auf sie wartet.

Möglicherweise denken Sie jetzt, dass es eine Typfrage ist, ob wir das Unbekannte lieben oder ihm mit “Skepsis” begegnen. Doch das wäre zu einfach. Zum Beispiel kenne ich wagemutige Unternehmer, die mit einem Lächeln auf dem Gesicht neue Märkte erobern. Gleichzeitig können sie sich aber nicht dazu entschließen, ihre längst ruinierte Ehe zu beenden oder die neue Partnerin bei sich einziehen zu lassen.

Dann gibt es denjenigen, der schon vor Jahren innerlich gekündigt hat. Er arbeitet immer noch im selben Job, während er in der gleichen Zeit neu geheiratet hat, eine Lifestyle OP hatte und zwei Fremdsprachen gelernt hat.

Ist das nicht merkwürdig? Was der eine gerne vermeidet, scheint der andere entschlossen anzugehen und umgekehrt.

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Clemens AdamIn der Schöpfungsgeschichte ist Adam der erste Mensch und er lässt sich von Eva mit einem Apfel verführen. Würde die Geschichte heute spielen, dann wäre Clemens Adam zwar nicht der Erste, aber so sicher wie die Hölle, würde er Eva den Apfel verkaufen. Die Schlange hätte keine Chance!

Aus dem Paradies würden die beiden trotzdem fliegen. Aber das ist in Ordnung, denn Clemens bedauert ganz sicher nichts. Es ist nicht so, als wäre alles perfekt in seinem Leben. Das sieht man schon von weitem. Denn Clemens hat Ideal-Maße, nur stimmen die nicht immer mit den Vorstellungen unserer anorexischen Werbeikonen überein.

Clemens der Zauberer

Ja, Clemens hat zwei, drei Kilo zu viel an Bord und dazu steht er. Seltsamerweise fällt das den meisten Menschen gar nicht mehr auf, sobald sie mit Clemens ins Gespräch kommen. Denn Clemens versteht es, Menschen zu verzaubern.

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Vision Flagge»Wer weiß, wo er in zehn Jahren stehen will?« Das frage ich gerne die Zuschauer in meinen Vorträgen. Nur wenige Hände gehen dann nach oben und nicht jeder davon könnte mir wirklich Auskunft über seine persönliche Vision geben. Tatsächlich hat trotzdem jeder eine Vision, aber sie hat meist wenig mit dem eigenen Wollen zu tun.

Fragen wir uns jetzt doch einmal selbst, wo wir herauskommen, wenn wir genau so weiter machen wie bisher. Ich weiß, das könnte frustrierend sein.

Die versteckte Vision

Denn wir wissen ziemlich genau, wo uns unsere aktuelle Lebensweise hinbringen wird. Aber wir denken lieber nicht daran. Das ist unsere versteckte Vision.

Natürlich wird sich keiner hinstellen und stolz verkünden, wohin wir das Schiff unseres Lebens hinsteuern. Ganz im Gegenteil. Der Mensch verfügt über die Möglichkeit, sich beinahe alles schön zu reden. Wenn Reden nicht reicht, dann trinken wir uns das Leben schön. Bier, Wein und Schnaps verbreiten wieder gute Laune!

Die Alternative

Wir können allerdings auch anders damit umgehen. Wie wäre es, wenn wir mit unserem Blick in die Zukunft etwas Besseres anfangen? Die Zukunft sieht vielleicht nicht gut aus, wenn wir so weiter machen wie bisher. Aber Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Wir könnten ja auch andere Entscheidungen treffen.

Was hält uns davon ab? Viele kleine situative Momente. Jeder von uns trifft rund 20.000 Entscheidungen pro Tag. Das sind 730.000 Entscheidungen pro Jahr und in zehn Jahren treffen wir 7.300.000 Entscheidungen. Und jedes Mal haben wir die Wahl, uns den Moment leichter zu machen oder unsere Welt ein klein bisschen besser zu machen. Wenn es uns gelänge, ein paar Mal mehr pro Tag im Sinne der Langfristigkeit zu entscheiden, dann verändert das unseren Kurs.

Nehmen wir uns unsere versteckte Vision vor und überlegen, was sich alles verändern müsste, damit wir darauf stolz wären: Wo müssten wir beruflich stehen? Wie müsste unsere Partnerschaft aussehen? Wie unsere Gesundheit und Fitness, unsere Freundschaften, unser soziales Leben?

Denn Entscheidungen geben unseren Leben eine Richtung. Wenn wir eine andere Vision vor uns sehen als die bisher schamhaft versteckte, treffen wir auch andere Entscheidungen.

Ob wir das wollen, ist unsere eigene Entscheidung.

Christopher DornerMenschen wie Christopher Dorner handeln aus Hilflosigkeit. Sie wollen Gerechtigkeit und schaffen doch nur Schmerz. Ihr Problem: Sie denken nicht über ihre Situation hinaus und erliegen dem Tunnelblick. Dabei haben sie ganz andere Möglichkeiten, wenn sie langfristig denken und entscheiden.

Als Christopher Dorner seinen Ein-Mann-Krieg mit Los Angeles und seiner Polizei begann, war die Welt schockiert. Ein ehemaliger Polizist und Navy Seal richtet seine ehemaligen Kollegen und bedrohte viele weitere mit dem Tod. Ein paar Tage später ist der Spuk vorbei. Dorner ist tot, in einer Ferienhütte verbrannt, als Polizeikräfte ihn aus dem Verkehr ziehen wollen. Die spätere Autopsie ergibt, dass er sich selbst erschossen hat.

Am 1. Februar 2013 erhält der TV-Sender CNN ein Manifest. In dem droht der Ex-Polizist und Ex Navy Seal  Christopher Dorner dem LAPD und seinen ehemaligen Kollegen mit einer unkonventionellen und asymmetrischen Kriegsführung.

Am 3. Februar 2013 wird Monica Quan zusammen mit ihrem Lebensgefährten in der Stadt Irvine getötet. Monica Quan ist die Tochter des ehemaligen LAPD Captains Randal Quan. Nach dem Anschlag stellt das LAPD rund 50 Beamte und ihre Familien unter Personenschutz.

Am 7. Februar 2013 kommt es zu einer Schießerei mit der Polizei in Los Angeles, bei der ein Beamter ums Leben kommt.

Von diesem Zeitpunkt an ist Dorner auf der Flucht. Tagelang berichten die Medien über den Fall. Das LAPD setzt schließlich eine Belohnung von 1 Million Dollar aus, um den Ex-Polizisten zu erwischen.

Am 12. Februar 2013 ist es schließlich so weit. Dorner wird in einer Waldhütte gestellt und erschießt sich während eines Feuergefechts mit Spezialeinheiten der Polizei.

In Los Angeles spricht man gerne davon, dass Dorner verrückt geworden ist. Doch auch ein Verrückter braucht einen Grund, um zu handeln. Allerdings mag dieser Grund für uns nicht immer nachvollziehbar sein.

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