Das Wesen der Verschwendung

In Zeiten der Wirtschaftskrise müssen die Unternehmen sparen. Das zumindest hören wir alle immer wieder. Das ist interessant. Denn schließlich bedeutet es nichts anderes, als dass die gleichen Unternehmern vorher Geld verschwendet haben.

Als Schwabe habe ich ein einfaches Bild davon, was Verschwendung ist. Immer dann, wenn ich mich für eine Alternative entscheide, die nicht zu meinem Bedarf passt, verschwende ich Arbeit, Zeit, Nerven und Geld.

Zu groß

iStock_000005767775SmallZum Beispiel braucht ein Buchhändler einen neuen Mitarbeiter für seine Kinderbuchabteilung. Die Wirtschaftskrise macht es möglich, dass ein Bewerber uns mit seinem Altgriechisch beeindruckt. Er kann die Ilyas von Homer rezitieren und spricht darüber hinaus Russisch, Französisch, Italienisch, Polnisch und Englisch.

Wow! Das braucht zwar keiner in der Kinderbuch-Abteilung, aber schaden wird es auch nicht. Und wer weiß? Vielleicht fällt dem Buchhändler später noch einmal ein, wofür es gut ist?

Die Qualifikation des Bewerbers mag zwar beeindrucken, aber damit ist er überqualifiziert. Die Vermutung liegt also nahe, dass wir für  etwas zahlen, was wir gar nicht brauchen.

Zu klein

iStock_000002826153SmallNatürlich gibt es auch Bewerber, die bereit sind, für einen sehr niedrigen Lohn zu arbeiten. Das schont das Budget, oder? Dummerweise hat derjenige gar keine Ahnung von Kinderbüchern. 😮

Nun ja, zumindest haben wir dann einen Mitarbeiter mehr, auch wenn unsere kleinsten Kunden von ihm nicht sonderlich gut beraten werden.

Alles beides zusammen

Na gut! Bei Verschwendung dimensionieren wir unsere Lösungen also entweder zu groß oder zu klein, oder? Man mag es nicht glauben, aber tatsächlich finden wir bei den meisten Verschwendern sogar beide Aspekte in einer Lösung!

Wie soll das gehen?

Zum Beispiel könnte der Multiphilologe in Bezug auf Kinderbücher ahnungslos sein.

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Das macht ja auch nichts. Schließlich werden wir dadurch mit seinen sprachlichen Fähigkeiten entschädigt.

Dumm nur, dass ein Teil unsers Bedarfs ungedeckt bleibt. Wir werden uns dem Problem also bald wieder widmen müssen. Dabei besteht dann wieder die Gefahr einer weiteren Verschwendung. 😯

Der Hammer

Unternehmen, die heute sparen haben dieses Bild allerdings nicht vor Augen. Sie begrenzen einfach ihre Ausgaben durch enge Budgets. Es gehört kein Genie dazu, um zu erkennen, dass dies zu weiterer ungewollter Verschwendung führt.

Was denken Sie?

1 Antwort
  1. Karl
    Karl says:

    Aus Bewerbersicht wäre es nur zu begrüßen, würden Unternehmen in ihren Stellenausschreibungen die genauen Anforderungen an die Stelle definieren. Dies scheint aber oft bewußt nicht gewünscht. Entwerder in der Hoffnung, es könnte ja doch die eierlegende Wollmilchsau eine neue Anstellung gebrauchen, oder weil die Personalabteilung Langeweile hat. Der in Ihrem Beispiel erwähnte polyglotte Altphilologe hätte vielleicht in so einem Unternehmen eine Chance, könnte er doch neben seiner Pförtnertätigkeit noch die Geschäftspost übersetzen. In anderen Unternehmen, z.B. einem Maschinenbauer, hätte er im Innendienst der Exportabteilung keine Chance, fehlt ihm doch der akademische Abschluß als Maschinenbauingenieur. Es weiß zwar keiner genau, warum ein Exportsachbearbeiter das zu exportierende Produkt auch konstruieren und bauen können muß, aber so ist das eben heutzutage. Das ist für mich derzeit die echte Verschwendung von Humanressourcen. Vor lauter Kostenangst wird die Branchenzugehörigkeit zu einem Fetisch oder Totem hochstilisiert, daß man glauben könnte, die Zünfte wären wieder da.
    Es kann auch sein, daß Ihr Beispiel hinkt. Ein Verkäufer allgemein und ein Kinderbuchverkäufer im Speziellen sollte gut verkaufen können. (Übrigens kaufen die meisten Kinderbücher immer noch Erwachsene.) Und wenn sich kein gelernter Buchhändler findet, wäre ein Versuch mit einem anderen Bewerber, der eventuell gut im Verkauf ist, immerhin nicht verkehrt. Unabhängig davon, ob der Bewerber Sprachen studiert hat oder bereit ist, für den tarifvertraglich zugelassenen Mindestlohn zu arbeiten. Das geht natürlich nur, solange die Gewerkschaften nicht auch noch die Probezeit abschaffen konnten.

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