Einfach Entscheiden

image »Natürlich sind Sie ein guter Entscheider. Sie entscheiden nur über die falschen Dinge!«

»Aber ich habe mich in diese Lage gebracht. Und was war das mit der Richtung und dem Han­deln gleich? Ich habe mir nie Gedanken darü­ber ge­macht und die Quittung bekom­me ich jetzt!«

Von Hirnschäden einmal abgese­hen sind wir alle von Natur aus gute Entscheider. Die Aufgabe erfordert nicht einmal ein besonderes Denk­vermögen.

Ein Problem der richtigen Organisation

Tagtäglich treffen wir ca. 20.000 bewusste und unbewusste Entschei­dungen. Wären wir schlechte Entscheider gäbe es uns daher gar nicht mehr. Schlechte Entscheider würden keinen einzigen Tag überle­ben!

Wenn wir mit den Ergebnissen unserer perfekten Entscheidungen nicht zufrieden sind, dann liegt das entweder daran, dass wir unsere Entscheidungen nicht richtig organisiert haben oder zum emotional falschen Zeitpunkt entschieden haben. Und Letzteres ist auch ein Or­ganisationssproblem.

Wissen was wir wollen

Ein inzwischen insolventer Unternehmer vertraute mir beispielsweise an, dass er sich viel zu leicht beeinflussen ließe.

»Das liegt daran, dass Du nicht weißt, wo Du in Deiner Zukunft he­rauskommen willst

Wenn wir nicht wissen, was wir wollen, dann lassen wir uns das von anderen sagen und sind damit leicht beeinflussbar.

Weil wir das nicht sein wollen, entwickeln viele von uns eine grund­sätzliche Skepsis, was Vorschläge von anderen betrifft. Das löst lei­der nicht unser nächstes Organisationsproblem.

Wir entscheiden meist über die falschen Dinge. Per Definitionem ent­scheiden wir uns zwischen verschiedenen Alternativen.

Bekommen was wir wollen

»Wie sind Sie denn zu diesen Alternativen gekommen?« Diese Frage löst bei vielen erst einmal Befremden aus. Denn nicht wenige von uns nehmen eine Entscheidung erst bewusst wahr, wenn wir vor unseren Wahlalternativen stehen.

Das reduziert den Entscheider zum Opfer. Denn weil er ja nicht weiß, was er will, konzentriert er sich auf die Alternativen, die ihm vorliegen.

Aktuell zum Beispiel überschlagen sich bei vielen Fachkräften die Angebote der Headhunter. Für welche Alternative sollen wir uns entscheiden? Welcher Job ist für uns der beste?

Die Frage lässt sich relativ einfach beantworten, wenn wir wissen, wo wir in ein paar Jahren persönlich stehen wollen. Für alle anderen ist diese Entscheidung dagegen kaum zu bewältigen.

Wie das? Jedes Jobangebot führt uns in eine andere mögliche Zukunft. Wir müssten bei jeder von ihnen genau durchdenken, wo uns das über alle Lebensaspekte hinweg hinführt.

Bewusst ist das kaum möglich, weil eine solche Aufgabe sehr komplex ist. Unser Unterbewusstsein sorgt allerdings nur für relative Aussagen. Wir haben bei der einen Alternative ein schlechteres Gefühl als bei der anderen. Und schon ist eine Entscheidung getroffen.

Vom Opfer zum Gestalter

Anders dagegen sieht diese Aufgabe aus, wenn wir sehr genau wissen, wie unsere Zukunft aussehen soll. Wir prüfen nur noch ab, ob unsere Handlungsalternative und dorthin führen kann oder nicht.

Für diese Aufgabe müssen wir unsere Urteilsfähigkeit trainieren. Das geht einfacher, wenn wir nicht bei jeder Entscheidung komplexe Szenarien vergleichen müssen, sondern lediglich die Vereinbarkeit der verschiedenen Alternativen mit EINER Zukunft.

Ein häufiges Ergebnis: Die meisten Alternativen, passen nicht zu unserem Zukunftsbild. Wir müssen selbst für geeignete Alternativen sorgen.

So sind wir dann nicht länger Opfer einer Entscheidung sondern Gestalter unserer Zukunft.

Das klingt toll, aber im Grunde ist es nur Teil der Organisation unserer Entscheidungen. Wir wissen was wir wollen und wir verschaffen uns Alternativen, die uns das versprechen.

Umfeld aktivieren

Und das bringt uns zum dritten Teil unserer Organisationsleistung. Wir müssen uns die Unterstützung unserer Umgebung sichern. Allein bewegen wir heute keinen Blumentopf mehr.

Das Problem: Wir fragen unsere Umgebung oft nach den falschen Din­gen.

Wir fragen sie zum Beispiel, uns einem wichtigen Kontakt vorzustel­len. Das ist zwar legitim, führt den Anderen allerdings in eine proble­matische Entscheidung. Stellt er uns dem Kontakt vor, könnten wir es am Ende verbocken. Wir haben dabei nichts zu verlieren, der Ge­fragte schon. Das Ergebnis unserer Anfrage ist damit vorprogram­miert.

Anders sieht es dagegen aus, wenn wir zunächst nicht nach einer Ein­zelmaßnahme fragen, sondern den Anderen für unser Ziel begeistern.

Die meisten Menschen wissen ja nicht, wo sie selbst in einigen Jahren stehen wollen. Daher lassen sie sich leicht für ein spannendes Ziel begeistern. Auf diese Weise müssen wir vielleicht nicht einmal fragen, ob wir den Kontakt vorgestellt bekommen, weil unser Mitstreiter von selbst darauf kommt.

Haben wir eine klare Vorstellung davon, wie unsere Zukunft aussehen soll, können wir das nicht für uns behalten. Wir erzählen es automa­tisch weiter und stecken so unsere Umgebung mit unserer Begeiste­rung an. Unsere Umgebung unterstützt uns daher fast von selbst.

Die Sache hat allerdings einen Haken. Wir können unsere Umwelt nur dann mit unserer Vision inspirieren, wenn wir eine haben. Das ist die Grundvoraussetzung.

Viele erfolgreiche Unternehmer haben keinen Hochschulabschluss. Manche können noch nicht einmal richtig schreiben. Trotzdem kann je­der von ihnen diese einfach Organisationsaufgabe bewältigen.

Ich glaube sogar, dass wir das oft aus den Augen verlieren, weil viele von uns geradezu verbildet sind. So zu entscheiden ist zu einfach. Denn es klingt ja eigentlich banal: »Du musst wissen was Du willst und dafür sorgen, dass Du es bekommst

Solange wir unsere Entscheidungen so einfach organisieren, werden wir auch Erfolg damit haben. Dann entscheiden wir über die richtigen Dinge und freuen uns am Ende über die richtigen Ergebnisse.