Einsamer Wolf – verbissen und erfolglos

image Wenn Unternehmer scheitern. Dann hat das oft viele Gründe. Aber einige davon wirken sich stärker aus als andere. Sieht sich ein Unternehmer als “ein­sa­mer Wolf”, wird es kritisch. Denn dann fehlt ihm oft die rich­ti­ge Unterstützung.

Alle anderen sind dann “dumm” und “verstehen” einfach nicht, worum es geht. Wie in dem fol­ge­nden Gesprächsausschnitt.

»Warum hat es mit Ihrem Unternehmen denn nicht geklappt!«

»Das waren viele Faktoren. Aber der Hauptfaktor war wohl, dass sich alle gegen mich verschworen hatten.«

»Wie das?«

»Die Banken wollten mir nicht genügend Geld geben, die VC-Geber hatten völlig unrealistische Vorstellungen über das Erreichen des Break Even Points und die KfW kann man ja völlig abhaken.«

»Hat Sie das zum Aufgeben gezwungen?«

»Nein! Ich habe den Shoestring-Ansatz gewählt. Ich wollte mit kleinen Umsätzen und Gewinnen starten, um von da aus meinen ur­sprüng­li­chen Plan umsetzen. Das Unternehmen sollte sich selbst finanzieren.«

»Das heißt, sie konnten keine Mitarbeiter bezahlen?«

»Doch! Wir haben vereinbart, dass jeder gemäß seinem Beitrag einen Anteil am Unternehmen erhält. Dafür hatte ich 5 Prozent der Anteile bereit gestellt. Ich hatte also meine fünf (!) Programmierer«

»Erstaunlich. Allerdings 5 Prozent, das klingt nicht nach viel.«

»Na hören Sie mal! Wenn es etwas geworden wäre, dann könnte die­ses Unternehmen in zehn Jahren zig Millionen wert sein.«

»Aber die Mitarbeiter haben kein Geld für ihren Lebensunterhalt verdient?«

»Doch. Denn sie sollten sich arbeitslos melden und hätten so ihren Le­bens­un­ter­halt gehabt.«

»Das hört sich nicht legal an.«

»Mhm, das stimmt. Deshalb habe ich ja jetzt eine Klage wegen Sozi­al­be­trugs am Hals.«

»Wie das? Haben ihre Mitarbeiter nicht dicht gehalten?«

»Es gab ständig Streitereien, weil ihr Anteil angeblich zu klein be­mes­sen sei. Aber ich bin der Unternehmer und trage das Risiko. Das muss schließlich etwas wert sein.«

»Welches Risiko?«

»Ich konnte mich ja nicht selbst arbeitslos melden und wie Sie sehen habe ich jetzt kein Geld mehr und muss damit rechnen, verknackt zu werden.«

»Ich verstehe.«

»…«

Abgesprochener Widerstand

Wenn alle gegen uns sind und uns daran hindern, unsere Ziele und Entscheidungen umzusetzen. dann ist das bitter. Man fragt sich, wie so viele Menschen es schaffen, sich gegen uns abzusprechen?

Ich habe schon viele Menschen getroffen, die die Erfahrung gemacht haben, der Sandsack der Nation zu sein. Und jeder schien auf sie ein­prü­geln zu wollen.

Brutalstmögliche Eigenverantwortung

Ein gängiges Muster war bei den meisten, dass sie zwar eine Schuld bei sich sahen, das aber nicht wirklich ernst meinten.

Obiger Unternehmer sieht zwar ein, dass es falsch ist, sein Unter­neh­men auf Kosten der Staatskasse zu betreiben, aber eigentlich be­dau­ert er nur, dabei erwischt worden zu sein.

Dumm und borniert

Er sieht auch ein, dass es ihm nicht gelungen ist, Kapitalgeber für sein Abenteuer zu finden, aber er sucht die Verantwortung bei bornierten Bankern, die seine zukunftsweisende Idee nicht verstehen konnten.

Verständnis für Heuschrecken

Von anderen Gründern weiß ich allerdings, dass sich gute Konzepte fast von selbst durchsetzen. Allerdings gehört dazu auch das Ver­ständ­nis dafür, dass viel Risiko im Spiel ist und Kapitalgeber daher an einem Erfolg entsprechend beteiligt werden müssen.

Verständnis für Mitstreiter

Ähnliches gilt, wenn ich ein Beteiligungsmodell mit meinen Mitarbeitern aushandele. Für Brotkrümel will niemand seine eigene Sicherheit aufs Spiel setzen. Es kann zwar sein, dass wir erst einmal eine groß­ar­ti­ge Zukunft vorspielen und andere davon überzeugen. Aber die Schwierigkeiten der Anfangszeit können wir vor unseren Mitarbeitern nicht verbergen.

Damit werden die anfänglichen gutgläubigen Vereinbarungen schnell hinfällig.

Wer holt den Most?

Befinden wir uns also in einem ständigen Kampf gegen Hindernisse und Widerstände, sind nicht die anderen dafür verantwortlich. Wir sind es.

Wir sind sind diejenigen, die etwas bewegen wollen. Aber allein schaffen wir das nicht. Wir brauchen Unterstützung dafür. Haben wir sie nicht, gibt es nur einen einzigen, der dafür verantwortlich ist: wir selbst.

Unser Job

Führen wir uns nicht wie die Axt im Walde auf, gibt es für niemanden einen speziellen Grund, unseren Erfolg zu verhindern. Es mag zwar den einen oder anderen geben, den wir uns in der Vergangenheit zum Feind gemacht haben. Aber die spielen keine Rolle, wenn wir die Mehrheit der Menschen, auf die es ankommt für uns gewonnen haben.

Das ist unser Job und niemand kann ihn uns abnehmen.