Entscheider am Pranger

Entlassungen nehmen wir immer dann vor, wenn wir uns verkalkuliert haben. Entweder indem wir unpassende Mitarbeiter eingestellt haben, die wir jetzt entlassen müssen oder indem wir mit einem besseren Geschäft gerechnet haben, als es jetzt der Fall ist.

Dr Jekyll und Mr. Hyde

Beschönigen können wir das nicht. Interessant wird es, wenn wir uns die Entscheidungsauslöser betrachten. Da haben wir die chancenorientierten Entscheider und die problemorientierten Entscheider.

Der Chancenorientierte handelt wie damals Deutsche Bank Chef Ackermann, der bei saftiger Gewinnlage tausende Mitarbeiter frei setzte. Der Problemorientierte handelt eher so wie wir das von den klassischen Pleitekandidaten kennen. Wenn es schon fast zu spät ist, muss man sich unter Tränen von seinen Mitarbeitern trennen.

Gut gemeint

Die haben von dem Pathos nur nicht viel, weil die Entlassungen meisten in eine konjunkturell ungünstige Situation fallen.

Meine Beobachtung

In der Regel sind das ja die zwei Seiten einer Medaille. Ein chancenorientierter Entscheider, der frühzeitig einstellt, weil er mit einem guten Geschäft rechnet, wird auch frühzeitig wieder Mitarbeiter freisetzen, damit er für die kommende schlechtere Zeit gerüstet ist. Ein eher problemgetriebener Entscheider wird sehr spät Mitarbeiter einstellen und erst bei drohenden Verlusten mit Entlassungen reagieren.

Abziehbilder

Das widerspricht natürlich der allgemeinen Vorstellung der Risikoökonomie. Danach handelt der erste risikofreudig, indem er sich bereits früh nach Mitarbeitern umsieht. Die gleich Risikofreude müsste ihn aber bei sich eintrübender Konjunktur erst einmal an den Mitarbeitern festhalten lassen. Beurteilen Sie selbst, ob es etwas mit pro aktiv (chancenorientiert) und reaktiv (problemorientiert) handelnden Entscheidern zu tun hat oder mit den Abziehbildern aus der ökonomischen Theorie. 🙂