Entscheidungen kennen nur eine Richtung

image »Ich wünschte ich hätte das nie ge­tan!«

Überfällt uns erst einmal die Entschei­dungsreue, sehnen wir den Moment zu­rück, an dem wir noch alle Schicksals­fäden in den Händen gehalten haben.

Mehr über die Reue und ihre Ursachen lesen Sie im Beitrag »Entscheider haben nichts zu bereuen«.

Dann möchten wir das Geschehene lie­bend gerne rückgängig machen. Doch auch wenn es manchmal so aussieht als könnten wir es. Entscheidungen lassen sich nicht rückgängig machen. Oder wie es Heraklit formulierte, wir steigen niemals in den selben Fluss.

Alles ist anders

Wir haben zum Beispiel Zeit verloren. Vielleicht sind neue Alternati­ven dazu gekommen, die auch die Reue ausgelöst haben.

Zum Beispiel möchte die Oma jetzt doch das Geld für unsere Firma zur Verfügung stellen. Hätten wir das nur vorher gewusst! Jetzt haben wir einen zwar inkompetenten aber kapitalkräftigen Partner rein­ge­nom­men, um die Finanzlücke zu schließen.

Wir haben vielleicht auch neue Erfahrungen gesammelt und wissen jetzt, wie es richtig geht.

»Hey! Das klingt doch nicht alles schlecht!«

Stimmt! Allerdings haben wir oft eher weniger als mehr Gestal­tungs­spiel­raum, wenn wir unsere Entscheidung nach einem Irrweg neu tref­fen.

Genau das ist es. Wir treffen eine neue Entscheidung. Es ist nicht die alte Entscheidungssituation, sondern eine völlig neue.

Drei Schlüsselelemente

Schauen wir uns dazu noch einmal die drei Schlüsselelemente er­folg­rei­cher Entscheidungen an:

  1. Entscheidungsklarheit schaffen – wir müssen genau wissen, was wir wirklich wollen.
  2. Attraktive Alternativen schaffen – passend zu unserem Bedarf und nicht vom Angebot an der Nase herumgeführt.
  3. Größtmögliche Unterstützung sichern – für Ziele begeistern sich mehr Menschen als für Maßnahmen.

Entscheidungsklarheit

Vielleicht glauben wir uns in einer vertrauten Entscheidung zu befinden. Daher gehen wir einfach davon aus, dass wir wissen, was wir wollen. Vielleicht glauben wir sogar, dass wir nach dem Irrweg über mehr Entscheidungsklarheit verfügen als zuvor.

Das mag stimmen und ich möchte ungern bei den Festivitäten der gesammelten Erkenntnis stören. Aber ist das wirklich das Einzige, was wir aus unserer offensichtlichen Fehlentscheidung gelernt haben? Mehr Klarheit für diese Entscheidungssituation? Möglicherweise neigen wir dazu. Dabei gäbe es noch mehr zu lernen.

Aber das stört jetzt. Schließlich müssen wir diese Entscheidung endlich treffen, nachdem wir glauben, jetzt Bescheid zu wissen.

Könnte es nicht sein, dass wir dazu neigen, ohne genügend Klarheit Entscheidungen zu treffen? Könnte es vielleicht sogar sein, dass wir in diesem Punkt an uns arbeiten müssen?

Attraktive Alternativen

Wenn fehlende Klarheit Teil unserer vergangenen Fehlentscheidung war, dann kennen wir auch todsicher nicht die richtigen attraktiven Alternativen. Denn das Eine bedingt das Andere. Ohne Ent­schei­dungs­klar­heit wüsste ich nicht einmal, dass eine Alternative gut zu meinem Bedarf passt, wenn sie direkt vor mir stünde.

Doch genau an diesem Punkt schludern wir dann gerne. Wir kennen die Entscheidungssituation und unsere Handlungsoptionen. Das zumindest glauben wir.

In unserem Beispiel ist der Unternehmer nicht glücklich darüber, dass er zusammen mit einem Partner gründen musste, weil ihm zunächst das Geld fehlte. Wenn er sich aber an der Zukunft orientiert, könnte die Lösung für ihn sogar heißen, mehr Partner als weniger zu haben.

Wählt er seine Partner nicht nach dem Geld sondern nach ihren Fähigkeiten aus, könnte er sein Ziel viel besser erreichen. Als Ein­mann-Theater ist es um ein Vielfaches schwerer erfolgreich zu sein.

Größtmögliche Unterstützung

Auch beim dritten Schlüsselelement erfolgreicher Entscheidungen müs­sen wir vermutlich noch einmal neu ansetzen: Sicherung größt­mögli­cher Unterstützung.

Unsere Umgebung ist vermutlich irritiert, dass wir zunächst »Hüh« und dann »Hott« rufen. Möglicherweise glauben wir auch nur, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, weil uns die Widerstände zu stark erscheinen.

Auch hier müssen wir also ganz neu anfangen.

Auf ein Neues!

Wer jetzt noch glaubt, eine Entscheidung rückgängig machen zu können, hat meinen vollen Respekt. Aber warum haben Sie bis hier gelesen, wenn Sie wichtige Informationen nicht verarbeiten wollen?

Vielleicht hilft diese Bild: Entscheidungen sind wie Kerzen, die wir entzünden. Wir können sie zwar wieder löschen. Aber die Kerze hat gebrannt und ist daher nicht mehr im gleichen Zustand wie vor dem Entzünden.

Wir anderen gehen jetzt noch einmal zurück ans Planungsbrett und treffen viele neue Entscheidungen. 🙂