Es kann nicht sein, was nicht sein darf

imageNicht wenige erfolgreiche Unter­nehmer pflegen von sich ein Selbstbild, das keine Schwächen zulässt. Das ist auch Teil ihres Erfolgs. Denn Selbstzweifel sind dem nicht förderlich. Allerdings können wir uns auch zugestehen, dass nicht alles spurlos an uns vorüber geht.

Momente, an denen das eigene Lebenswerk kurz vor dem Schei­tern steht, in denen vielleicht nichts so läuft, wie es laufen soll­te. Wenn es vielleicht nur noch eine Interpretation der Definition ist, ob der Unternehmer sich der Insolvenzverschleppung schuldig macht oder nicht. Solche Momente hinterlassen Spuren.

Erlebter Schmerz

Haben wir dann mit viel Finesse, Intelligenz und Sturheit unser Unternehmen gerettet, soll unser Leben normal weiter gehen.

Doch das tut es nicht. Denn die Situation ist natürlich traumatisch, wenn wir monatelang nicht schlafen konnten, der Stress unglaubliche Höhen erreicht. Keiner wird behaupten, dass die Arbeit in diesen Zeiten  Spaß gemacht hätte. Nein! Es ist täglich erlebter, kaum zu ertragender Schmerz!

Verankert

Intensive emotionale Erfahrungen brennen sich in uns ein und sie finden oft zufällige neurologische Anker, die ausgelöst werden, wenn unser Gesprächspartner das falsche Wort sagt oder wir an dem Fleck im Büro stehen, an dem wir oft sorgenvoll über die Zukunft nachgedacht hatten.

Kalter Nieselregen anstatt kalter Dusche

Können wir das nicht einfach abschütteln? Das hängt von der Intensität der Erfahrung ab. Natürlich ist auch die Erleichterung, wenn wir den Abgrund gerade noch vermieden haben eine intensive Emotion. Das wäre sie, wenn wie durch ein Wunder, ein neuer Investor einsteigt oder der in die Insolvenz gegangene Großkunde zur allgemeinen Überraschung seine Rechnungen doch noch begleicht.

Oft es es allerdings ganz anders. Die prekäre Situation schwächt sich über Monate oder gar Jahre langsam ab. Sukzessive weicht langsam der finanzielle Druck. Erleichterung? Wann sollten wir sie empfinden? Der Prozess ist zäh und wir lassen in seinem Verlauf noch viele Nerven.

Angegriffen und unverwundbar

Ist unser Lebenswerk gerettet, könnten wir optimistisch nach vorne schauen. Doch manch einer fühlt sich fortan gehemmt. Die Sache hat ihre Spuren hinterlassen. Nichts ist mehr so, wie vor der Krise. Wir haben Verletzungen davon getragen.

Gestehen wir uns das zu, können wir gezielt daran arbeiten, sie zu heilen. Allerdings klingt es natürlich schwach: “Wir haben Verletzungen erlitten”. Dabei sehen wir uns doch selbst als unverwüstlich an. Die anderen da draußen haben Verletzungen und nutzen sie als Ausrede, um nicht selbst Unternehmer sein zu können. Bei uns muss es etwas anderes sein.

Die richtige Ausrede

Vielleicht sorgt der Bandscheibenvorfall, den wir unter dem Eindruck der Krise hatten dafür, dass wir jetzt so schaumgebremst zu Werke gehen. Oder ein beliebiger anderer Grund, der besser zu unserem Weltbild passt, als von traumatischen Erfahrungen verfolgt zu wer­den.

Wem wollen wir etwas vormachen? Tatsächlich ist es allerdings oft so, dass unser Selbstbild der Erkenntnis im Wege steht. Doch wer möchte schon am daran rühren? Da muss der Schmerz schon so groß sein, dass uns nichts anderes mehr übrig bleibt.

Unsere Entscheidung

Das kann entweder Jahre dauern oder wir führen Tagebuch und registrieren bewusst während des Tages, was uns jeweils bewegt und wo wir gehemmt sind. Im Idealfall verkürzen wir den Erkenntnis­prozess damit auf wenige Wochen.

Wir entscheiden, wie wir es haben wollen.

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