Fehler by Design

SpiegelBevor Sie weiter lesen, danken Sie bitte kurz nach. Was waren Ihre letzten drei Fehler? Wissen Sie noch, welche Ziele Sie damit verfolgt haben? Was haben Sie daraus gelernt?

Ich bin noch keinem Menschen Menschen begegnet, der von sich behauptet hätte, dass er gerne Fehler machen würde. Eigentlich möchten wir alles immer richtig machen und wenn möglich, soll alles immer perfekt ablaufen.

Aus der Lernkurve geflogen

Allerdings ist uns auch klar, dass wir ohne Wissen und ohne Fähigkei­ten geboren wurden. Wir werden also auf dem Weg zu einer Meister­schaft in was auch immer einige Fehler in Kauf nehmen. Denn wir ler­nen meistens durch unsere Fehler.

“Ja, aber was soll ich daraus lernen, wenn ich einen wichtigen Teil meiner Rede vergesse und damit meine Chancen ungenutzt lasse? Selbst wenn ich mich noch besser vorbereite, kann das immer wieder passieren.” So ein Führungskräfte-Trainer, der oft in eigener Sache vor großem Publikum spricht.

Gute Vorbereitung

Manchmal sind wir nicht die beste Ausgabe unserer Selbst. Wir versagen in dem einen Augenblick, wenn es wirklich darauf an­kommt.

Zum einen schreit diese Situation natürlich nach Mentaltraining. Wer eine Spitzenleistung von sich erwartet, sollte sie auch im richtigen Moment abrufen können. Genau, wie Leistungssportler das mittels Mentaltraining tun.

Risiken eingehen

Zum anderen machen nur Redner mit einem festen Skript die Erfah­rung, dass Sie etwas vergessen. Freie Redner bauen ihre Reden dagegen auf wie unsereins seine Gespräche.

Wenn wir einen anderen Menschen von unserer Meinung überzeugen wollen, dann bauen wir unsere Argumente Schritt für Schritt logisch auf. Wir vergessen nichts, weil es nichts zu vergessen gibt.

Der Unterschied ist natürlich Erfahrung. Freie Redner fallen nicht vom Himmel. Es ist das Ergebnis vieler Einsätze und von vielen Fehlern.

Denn wer ohne Skript spricht kann total versagen. Ein festes Skript gibt Sicherheit. Wer frei reden will, muss dieser Sicherheit auf der Lernkurve Leb wohl sagen.

Das kann ich doch nur machen, wenn es um nichts geht!” Das ist natürlich ein berechtigter Einwand. Doch tatsächlich geht es immer um etwas. Wir müssen uns davon befreien, das es nur eine begrenzte Anzahl von Chancen gibt.

Die einzig sinnvolle Frage

Richard Branson hat einmal gesagt: If you screw up, screw up big! – Wenn Du Mist baust, dann baue einen großen Misthaufen, damit es sich lohnt. Dann lernt man mehr.

Ich habe auch auf meinem Weg hierher das eine oder andere Mal einen großen Misthaufen gebaut.

Das nagt zunächst an der Selbstachtung, weil wir ja gerne selbst­kritisch sind. Aber was sind die Fakten? Wir haben in einer Situation nicht das Ergebnis erreicht, das wir erreichen wollten. Was können wir tun, um es beim nächsten Mal besser zu machen? Das ist die einzige sinnvolle Frage, die wir uns in dem Moment stellen können.

Und ein paar sinnfreie Fragen

Stattdessen fragen wir uns oft lieber: “Wie konnte ich nur so blöd sein? Warum musste ich versagen?” Auch auf diese Fragen finden wir natürlich die richtigen Antworten. Doch sie bringen uns kein Stück weiter. Im Gegenteil, sie lähmen uns für die Zukunft.

In jeder Entscheidung stecken auch Fehler. Das ist unvermeidlich. Wenn wir gut sind, dann lernen wir daraus. Wenn nicht, dann machen wir uns selbst zum Deppen.

Was ist Ihnen lieber?

Kommen wir zu meinen Fragen vom Anfang zurück. Wem es schwer fällt, drei Fehler der jüngsten Vergangenheit zu benennen, sitzt wahrscheinlich gerne auf seinen Händen. Lassen Sie sich nicht von Ihrer Angst vor Fehlern lähmen. Sie können nur dann Erfolg haben, wenn Sie Fehler machen! Denn Sie können nur erfolgreich HANDELN.

Wer Schwierigkeiten hatte, das Ziel zu benennen, das er zum Zeitpunkt seines Fehlers verfolgte, dürfte wenig aus seinem Fehlern gelernt haben. Denn Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Die Richtung oder das Ziel ist also der Maßstab. Woher wollen wir also wissen, dass wir einen Fehler gemacht haben, wenn wir das Ziel nicht kennen?

Wir tendieren stattdessen dazu, die Situation zum Maßstab zu machen. So mag es für die Situation falsch sein, gegenüber dem Kunden Partei für einen Kollegen zu ergreifen. Aber für die langfrist­ige Zusammenarbeit mit dem Kollegen ist es richtig.

Die dritte Frage “Was haben Sie daraus gelernt?” hängt davon ab, ob wir unser Ziel kannten. Falls nicht, haben wir vermutlich einen falschen Schluss gezogen, wie “ich halte zukünftig meinen Mund!” Schlüsse also, die uns in Zukunft behindern.

Aber vielleicht war es ja auch ein Fehler, diesen Artikel zu lesen? 😉

3 Kommentare
  1. Ramin
    Ramin says:

    Noch dazu kommt, dass ja manchmal das, was wir heute als “Fehler” wahrnehmen nach ein paar Monaten wie eine glückliche Schicksalsfügung aussehen kann.
    Ich vermeide Fehler lieber und erreiche mein Ziel auf die “richtige” Weise. Aber wenn ich den richtigen Weg nicht kenne, und Fehler mir dabei helfen können ans Ziel zu kommen, dann mach ich gerne auch Fehler 🙂

  2. Tanja Handl
    Tanja Handl says:

    Ein t oller Text, der Mut macht für eine positive Fehlerkultur. Insofern kann die Antwort auf die letzte Frage nur eines sein: Ein klares Nein.

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