Frustrierte Entscheider und Besserwisser

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“Was haben Sie jetzt schon wieder gemacht!” Rudolph Gerke* zuckt hinter seinem Schreibtisch zusammen. Sein Chef hatte ihm die Aufgabe übertragen, über den neuen Sitzmöbel-Lieferanten der Imbisskette zu entscheiden. Offensichtlich war der Unternehmenslenker nicht ganz zufrieden damit.

“Wenn ich eine solche Scheiße gebaut hätte, dann gäbe es diesen Laden gar nicht mehr”, detailliert Franz Grobe* seine Kritik.

Der Grund

Nachdem sein Chef sich abgeregt hat, erfährt Gerke auch den wahren Grund für die leise Kritik: Gerke nimmt grundsätzlich niemals den preiswertesten Anbieter, weil der sich schon allein aufgrund des Preises weniger Mühe geben würde.

Da helfen auch Argumente, wie festgelegte Spezifikationen, Qualitätsvereinbarungen oder ISO Zertifizierung nichts. Grobe hatte selbst einmal einen Zulieferbetrieb und dort seinen Mitarbeitern eingeimpft, sich bei zu niedrigen Verkaufspreisen “nicht zu sehr ins Zeug zu legen”, weil man sich das für die “wertvollen Kunden” aufsparen wolle. 😮

Ein kleiner Unterschied

So skurril diese Episode klingt, sie macht doch eines ganz deutlich. Verschiedene Menschen entscheiden unterschiedlich, weil sie andere Erfahrungen, Werte und Ziele haben. Wenn wir eine Entscheidung an andere delegieren, müssen wir damit rechnen, dass sie anders entscheiden, als wir das tun.

Vorsichtsmaßnahmen

Der Andere wird sich vielleicht bemühen, in unserem Sinne zu entscheiden. Doch das kann er nur, wenn wir ihm vorher mitteilen, was wir genau wollen.

Wir sorgen also dafür, dass unser Vertreter Entscheidungsklarheit über unsere Präferenzen hat.

Du weißt was ich will

Dafür eignet sich ein abgespeckter Entscheidungskompass ganz gut:

  1. Ziel
  2. Entscheidungsauslöser – warum muss diese Entscheidung jetzt getroffen werden?
  3. Inspirierende Frage hinter dem Entscheidungsproblem: “Wie erreichen wir, dass …”
  4. Gewünschte Ergebnisse
  5. Status-Quo Ergebnisse – Entscheidungen verändern immer etwas. Die Status-Quo Ergebnisse legen fest, was sich nicht verändern sollte.
  6. Unerwünschte Ergebnisse – Was wollen wir unbedingt vermeiden?
  7. Auschlusskriterien – Jeder Alternative, die in diese Bedingungen erfüllt, hat bei uns keinen Platz

Zusätzlich vermitteln wir noch, was unsere besonderen Herzpunkte bei dieser Entscheidung sind. Damit müsste eigentlich alles glatt gehen.

Schuld und Toleranz

An dieser Stelle ist Toleranz gefragt. Denn wenn wir einem anderen die Entscheidung überlassen, schenken wir ihm auch das Vertrauen, die Dinge richtig zu machen.

Wenn er dann nicht in unserem Sinne entscheidet, ist das nicht seine Schuld, sondern unsere. Denn wir müssen sicher stellen, das die richten Menschen mit den richtigen Aufgaben betraut werden.

Das Recht zur Kritik

Hin und wieder kritisieren Kollegen meine Entscheidungen. Zum Beispiel, wem ich die Sternstunde für Unternehmer anbiete.

Ich sehe das sehr gelassen. Denn natürlich hätten sie anders entschieden, weil sie andere Menschen sind. Diese Kritik sagt nichts über mein Handeln, aber sehr viel über die Verfassung der Kritiker aus.

Ich denke, Sie sollten sich erlauben, das genauso zu sehen. Niemand kann Sie für Ihre Entscheidungen kritisieren, außer sie verstoßen gegen Ihre eigenen Interessen. Wenn er es doch tut, ist es allein sein Problem. 🙂