Geheimwaffe “Ranking”

RankaholicsIch war letzte Woche auf einem sehr spannenden Vortrag von Dr. Ralf Lengen. Der Titel: “Kundenbindung durch Newsletter”. Viel wichtiger war aber sein Ausflug in die Welt der Rankings. Ursprünglich hatte ich keine besonders hohen Erwartungen, denn ganz ehrlich, ich nehme Rankings à la “die 10 größten Managementfehler” oder die “500 reichsten Menschen der Welt” wahr, aber  da ist doch kein Nutzen dahinter, oder?

Weit gefehlt! Denn unsere Neugierde läßt uns nicht los, wir wollen wissen, wie die ersten Plätze eines Ranking besetzt sind. Entweder sagen wir uns dann, dass wir das auch ohne Ranking gewußt haben oder wir denken uns “was für ein Mist”.

Warum sind Rankings so spannend?

Rankings polarisieren. Entweder unsere Erwartungen werden erfüllt oder enttäuscht. Bei objektiv messbaren Zahlen sind die Dinge noch klar. Wer 500 Millionen Dollar mehr besitzt als der Kollege ist eben reicher. Warum auch nicht?

Wie sieht es dann aber mit einem Ranking aus, wie “die 10 besten Tapetenmuster”? Hier befinden wir uns weit jenseits eines allgemein gültigen Maßstabs und wir können trefflich darüber streiten.

Ich glaube, das macht die Faszination eines Rankings aus. Deshalb können wir an einer solchen Rangliste nicht einfach vorbeigehen und natürlich genau deshalb wollen wir gerne selbst einmal die Spitze einer Rangliste einnehmen. Wenn es keinen interessiert, wäre uns unsere Position dort auch herzlich egal. 😛

Geldmaschine Ranking

Wenn eine Zeitschrift über ein Ranking schreibt, dann wird sie das in der Regel auf ihrer wichtigsten Seite ankündigen, dem Titel. Denn die Redaktion weiß genau, es gibt genügend Leser, die ihre Zeitschrift einzig und allein aus diesem Grund kaufen. Warum macht das Nachrichtenmagazin Fokus ständig solche Rankings, von Universitäten bis zu Schönheits-OPs für ihr Haustier? Klare Antwort: Weil es sich verkauft!

Chancen für die Selbstvermarktung

Wer seinen Blog in der Publikumsgunst nach oben puschen will, kann mit einer Serie von Rankings wahrscheinlich wahre Wunder bewerkstelligen. Ihre Pressemitteilungen werden bisher immer ignoriert? Erstellen Sie ein Ranking und sogar die großen Massenpublikationen könnten sich plötzlich für Sie interessieren! Wenn Sie mehr mit der Geheimwaffe “Ranking” arbeiten wollen, finden Sie gute Hilfmittel und Ideen auf dem Portal von Herrn Dr. Lengen: Rankaholics.

Was hat das mit Entscheidungen zu tun?

Was haben Rankings jetzt mit Entscheidungen zu tun? Immer dann, wenn ein Entscheider nicht weiß, was er will, wird er sich gerne an ein externes Ranking wenden, um dort die vermeintlich beste Alternative zu finden. Wenn er dagegen genau weiß, was er möchte, dann erstellt er ein internes Ranking seiner Entscheidungsalternativen. Mit anderen Worten Entscheiden heißt immer auch ein Ranking erstellen. Aber tun sie sich den Gefallen und ignorieren Sie die externen Rankings, denn diese spiegeln den Bedarf des jeweiligen Autors wider, aber nicht Ihren eigenen. 🙂 Fragt sich nur, ob Sie das können. Denn die Versuchung, das eigene Ranking mit dem fremden zu vergleichen ist … nun ja, verdammt groß.  😉

10 Kommentare
  1. Cornelia
    Cornelia says:

    Hi Kai-Jürgen,

    mit einem Lächeln lese ich, was Du hier über Rankings geschrieben hast!
    Da musste ich mich einfach mal wieder bei Dir melden.. Du erinnerst Dich vielleicht an Ralph und mich von “waitingforjason.com” – wir haben uns in Frankfurt am BarCamp getroffen. Damals noch undercover unterwegs – haben wir inzwischen auch gelauncht.
    Das goldene Fließ jagen wir allerdings noch 😉

    Und guess what- es hat mit Rankings zu tun. Schau doch mal rein bei uns (www.woobby.com).

    Alles Gute
    Cornelia aka. Lizzy

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    @Karrierebibel Das kann Berufswegen auch nicht anders sein 😉

    @Cornelia Hey hallo, schön was von Dir zu hören. Ich hatte hin und wieder bei Waiting for Jason vorbei geschaut, aber Kolchis ist mit dann doch mit der Zeit aus dem Sinn gegangen 🙂 Gratulation, dass es jetzt Früchte getragen hat! Ich schaue mir Woobby gerne mal demnächst an.

  3. Thomas H. Lemke
    Thomas H. Lemke says:

    Die Anziehungskraft von Rankings wirkt – auch bei mir. Schön finde ich den Hinweis auf den Wert externer Rankings für eigene Entscheidungen im letzten Absatz. Ich selbst nutze gelegentlich von Rankings mit ausführlicher Erklärung oder Produktbeschreibung die Hintergrundinformationen und stelle dann die Reihenfolge nach meinem eigenen Bedarf zusammen.

  4. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    So macht das aus meiner Sicht auch Sinn. Ich muss nur beachten, dass Infos zu Kriterien, die in dem Ranking nicht berücksichtigt sind dort auch nicht erwähnt werden. Mit anderen Worten es bleibt auch dabei eigene Arbeit übrig. 🙂

  5. Ralf Lengen
    Ralf Lengen says:

    Genau, in Sachen “externer Rankings” bin ich ebenfalls der Meinung von Thomas H. Lenke und nicht auf Seiten des Entscheider-Coaches (ansonsten sehr treffender Artikel!). Besonders dann, wenn es sich um ein Gebiet handelt, worin man sich selbst nicht auskennt oder nicht so gut wie eben ein Experte, der ein solches Ranking erstellt.

    Wenn Reich-Ranicki z.B. ein Ranking der besten Romane deutscher Sprache erstellt, dann kann mich das durchaus in der Entscheidung beeinflussen, welchen Roman ich als nächstes kaufe / lese. Es nimmt mir nämlich die Arbeit ab zu recherchieren, welche Romane gut sind. Ich verlasse mich auf das Urteil eines Kenners.

  6. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Na ja, das müssen Sie natürlich sagen 😉
    Aus meiner Sicht hat dieses Argument allerdings einen Schönheitsfehler.
    Woher will ich denn wissen, ob ich genau den gleichen Maßstab anlege, wie Herr MRR?

    Schlimmer noch, es kann sein, dass ich dann die Nummer 1 lese und es entsetzlich öde finde. Aber da Herr MRR nun einmal der Literaturkritiker Nr. 1 ist, habe ich wohl etwas falsch gemacht. 🙁

    Besser ist es da doch zu einem Buchhändler zu gehen und ihm von den eigenen Vorlieben zu erzählen und dieser Experte empfiehlt dann die zu mir passende Lektüre.

  7. Ralf Lengen
    Ralf Lengen says:

    Okay, aber falls der Experte Kriterien für sein Ranking anlegt, die auch ich teile, dann wäre das Ihrer Meinung nach doch eine gute Entscheidungsgrundlage, oder?

    Aber evtl. weiß ich gar nicht, welche Kriterien für das Ranking eines Romans überhaupt gelten. Kann ich mich dann auf dieses Ranking für meine Entscheidung verlassen?

  8. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Wenn er die gleichen Kriterien anlegt, ist die Wahrscheinlichkeit sicher gegeben, dass ich mit seinem Ranking auch etwas anfangen kann. Allerdings bleibt immer noch die individuelle Bewertung, was alles erfüllt sein muss, damit ein bestimmtes Kriterium eine hohe Punktzahl abräumt.

    Tatsächlich ist es eine der schwersten Aufgaben eines Entscheiders, seine eigenen Kriterien zu entwickeln. Dies fällt umso schwerer, wenn er in dem entsprechenden Bereich noch über keine Erfahrungen verfügt. Dann ist es sinnvoll, sich mit einem Experten (z.B. dem Buchhändler) zusammenzusetzen und mit ihm zusammen die individuellen Kriterien zu erarbeiten.

    Der Experte kann mir mit seiner Erfahrung helfen, für mich selbst zu bestimmen, was mir wichtig ist.

    Nur weil ich nicht weiß, welche Kriterien grundsätzlich anzulegen sind, heißt das ja noch lange nicht, dass ich keinen (mir noch unbekannten) individuellen Bedarf hätte. 🙂

  9. Ingolf Kreuzer
    Ingolf Kreuzer says:

    Rankings verfehlen leider auch bei mir eine gewisse Wirkung nicht. Ich versuche mich bewusst davon unabhängig zu machen, schaffe das aber auch nicht immer. Die Verlockung des Vergleiches ist einfach zu groß. Rückwirkend betracht war das Ergebnis meines Handelns dann meist besonders gut, wenn ich besonders unabhängig war. Der Vergleich tötet auch viele Ideen, Dinge anders zu machen. Genau darin kann aber letztlich der Erfolg begründet liegen.

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