Genuss ist Teil der Lösung

imageDer Herbst bringt jeden Ent­schei­der in neue Ge­wis­sens­nö­te. Gerade erst haben wir uns am Sommereis und gegrillten Würstchen satt gegessen, da drohen Zwiebelkuchen und Fe­der­weißen alle guten Vorsätze für einen schlanken Herbst zu­nich­te zu machen.

Glaubt man der Statistik, treffen die Deutschen schlechte Er­näh­rungs­ent­schei­dun­gen und nehmen im Vergleich zu anderen EU-Länder eine Führungsposition bei Adipositas (Fettleibigkeit) ein in der EU.

Essen heißt Entscheiden

Was wir essen ist jeweils eine Entscheidung, die wir für uns treffen. Die Konsequenzen nehmen wir allerdings nicht billigend in Kauf. Im Gegenteil: Wer Übergewicht hat, ist oft nicht glücklich darüber. Allerdings fehlt die Disziplin, anders zu handeln.

Mit einer Diät unterwerfen wir uns einem künstlichen Mangel, bis wir unser Zielgewicht erreicht haben oder wahlweise bis wir genug davon haben.

Gegen unseren Willen

Allerdings wollen nur ganz wenige Menschen gerne fett sein. Daher handeln wir offensichtlich gegen unsere Interessen, oder nicht?

Entscheidungsdilemma

Tatsächlich befinden wir uns meistens in einem Entscheidungsdilemma. Denn niemand möchte gerne auf Genuss verzichten. Nur fett wollen wir eben auch nicht sein.

Dabei ist Genuss ja durchaus eine Definitionssache. Wer z.B. einmal zehn Wochen auf Schokolade und andere Süßigkeiten verzichtet, kann es nach dieser Durststrecke kaum fassen, wie ekelhaft auch beste Schokolade schmecken kann. Die Geschmacknerven sind dann so entwöhnt, dass sie nicht die Geschmackskomposition zurückmelden, die wir schätzen und lieben gelernt haben, sondern einfach zuckriges Fett.

Konstruktionsfehler im Selbstbild

Diäten beinhalten für unsere Entscheidungen ohnehin den gleichen Konstruktionsfehler wie die Raucherentwöhnung. Wie oft hören wir den Satz “Ich habe mit dem Rauchen aufgehört!” Tapfere Menschen stemmen sich da gegen ihre Sucht und kämpfen um ihre Standhaftigkeit.

Ich persönlich habe noch nie geraucht. Mit der gleichen Logik wie der ehemalige Raucher müsste ich also sagen “Ich habe noch nicht geraucht”, wenn mir jemand eine Zigarette anbietet.

Tatsächlich sage ich aber, “nein Danke, ich bin Nichtraucher”, wenn mir jemand eine Zigarette anbietet.

Der Unterschied ist das Selbstverständnis. Wer mit dem Rauchen aufgehört hat, kann und wird vielleicht auch wieder anfangen. Ein Nichtraucher raucht nicht.

Wer eine Diät macht, isst gerade anders als er es möchte. Aber wenn sie vorbei ist, dann feiern wir das mit einer Extraportion Pommes. 😉

Niemand will sich einschränken

Jeder weiß, dass eine Diät nur etwas nutzt, wenn man sich danach weiterhin einschränkt. Ich wage eine vorsichtige Behauptung: Nahezu 100 Prozent der Befragten wollen kein Leben mit Einschränkungen führen, wenn sie dir Wahl haben.

Aber zurück zu unserem Dilemma. Denn natürlich können wir nicht auf Teufel komm raus genießen und gleichzeitig dünn bleiben. Daher versuchen wir uns den Genuss in Maßen zu verordnen und hoffen auf das Beste.

Ziel: Ein schönes Leben

Denn das Essen ist nicht die Handlung, die zum Ergebnis führt (schlanker Körper) sondern es ist in Wirklichkeit Teil des Zielbildes eines schönen Lebens. Zum schönen Leben gehört natürlich auch ein gesunder Körper, aber nur der Asket bezieht Vergnügen aus der Entsagung.

Viele andere bewerten den schlanken Körper als Zustandsbericht, der uns entweder erlaubt mehr zu genießen oder weniger, sollte sich der schlanke Körper unter dem Hüftgold verstecken. 😮

Das richtige Zukunftsbild

Wollen wir aus dem Dilemma ausbrechen, müssen wir uns von den einseitigen Bildern verabschieden. Schaffen wir dagegen ein ganzheitliches Bild von unserer Zukunft voller Lebensqualität, in der wir mit dem richtigen Maß an Genuss, Bewegung und Körper unser persönliches Ideal finden, können wir auch schon heute darauf hin leben.

Dann brauchen wir keine Diäten, sondern wir nähern uns dieser Zukunft durch unsere täglichen richtigen Entscheidungen. Ganz gelassen und entspannt und ohne schlechtes Gewissen.

4 Kommentare
  1. Freelancer
    Freelancer says:

    Die Vorstellung eines sich selbst herstellenden Gleichgewichtes ist nur zu schön, die Realität sieht dennoch anders aus. Durch welche Einflüsse auch immer – und gegen externe Einflüsse kann man sich manchmal nur schlecht wehren – gerät das persönliche Gleichgewicht (in Bezug auf egal was) immer wieder aus der Balance.

    Ich finde es wichtiger sich dieses Umstandes bewusst zu sein, als sich einer Utopie hinzugeben.

    Gruß

    Andreas

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    @Freelanzer: Selbstverantwortung ist manchmal schwer zu ertragen.

    Denn dazu müssten wir anerkennen, dass niemand anderes als wir selbst für unser Schicksal verantwortlich ist. Die Frage ist doch nur, ob Du selbst die Kontrolle über Dein Leben haben willst oder ob Du lieber anderen die Schuld an allem gibst.

    Bei Letzterem ist es eine Utopie und Du hast recht. Doch niemals war Recht haben so teuer, wie in diesem Fall.

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