Gewissensentscheidung

Ein Leser meines aktuellen Buches “Die Entscheider-Bibel” schreibt mir: “… Eine Frage blieb mir jedoch bei der Lektüre noch offen: Ich höre häufig von Gewissensentscheidungen. Darüber habe ich jetzt nichts gelesen – oder habe ich da etwas überlesen?”

Fotolia_10285498_S_Maßstab Gewissensentscheidungen führen uns in der Regel in ein Dilemma. Vielleicht sind Sie ihrem persönlichen Traum, an dessen Verwirklichung Sie schon viele Jahre arbeiten sehr nahe gekommen. Denn Ihr Chef ist in einen Bestechungsskandal verwirklicht. Der Mehrheitsgesellschafter hat Sie wissen lassen, dass Sie die logische Nachfolge sind. Durch Zufall finden Sie einen Beweis, dass Ihr Chef weder von der Bestechung wissen konnte, geschweige denn daran beteiligt war.

Auf der einen Seite ist das DIE Chance. Sie müssen lediglich warten und den Beweis erst dann “finden”, wenn Sie bereits den Platz Ihres Chefs eingenommen haben. Er würde Ihnen sogar dankbar sein, dass Sie seinen Namen reinwaschen. Gleichzeitig hätten Sie die Traumposition, auf die Sie seit Jahren scharf sind.

Auf der anderen Seite könnten Sie verhindern, dass der Name Ihres Chefs überhaupt belastet wird. Etwas bleibt ja immer hängen und seine Karriere findet damit vermutlich ein unrühmliches Ende.

Ein Konflikt von Werten in einer Dilemma-Situation

Solche Situation nennen viele eine “Gewissensentscheidung”. Ich nenne es einen Wertekonflikt. Denn es hängt vom Entscheider ab, ob sich später sein “Gewissen” meldet oder ob er damit ruhig schlafen kann. Wenn meine Werte mir klar signalisieren “das kannst Du nicht tun”, dann gehöre ich zu der ersten Gruppe. Sagt mir meine Erziehung “das solltest Du nicht tun”, dann gehöre ich zur zweiten Gruppe.

Das Gewissen hat kein Preisschild

Der Ökonom würde sagen, dass es schlichtweg eine Frage des Preises ist. Was bin ich bereit zu zahlen, um meinen Traum verwirklicht zu sehen?

Aus meinen Coachings weiß ich allerdings, dass unsere wichtigen Werte kein Preisschild haben. Wer sich gegen sie entscheidet, leidet meist für den Rest seines Lebens, wie an einer niemals heilenden Wunde.

Das Gewissen lässt sich nicht aufwiegen

Denn solche Fehler sind nicht wieder gut zu machen. Genauso wenig, wie unsere Werte ein Preisschild haben, liegen sie auf einer Waage. Wir sind uns dann zwar bewusst, dass wir vielleicht Opfer bringen, um “Gutes” zu tun, aber die Belastung durch unseren “Fehler” bleibt.

Gute Nachtruhe durch gute Entscheidungen

Wenn Sie tatsächlich in einer Gewissensentscheidung stecken, sollten Sie überlegen, ob Sie nicht Ihre Gestaltungsspielräume erweitern können, um im Rahmen Ihrer Werte zu handeln. Ansonsten ist die Antwort relativ klar. Versetzen Sie sich nur in Ihre Vision von der Zukunft, in der Sie alles schon erreicht haben, worauf Sie hinarbeiten. Können Sie sich wirklich daran erfreuen, wenn gleichzeitig ein Gefühl der Schuld an Ihnen nagt?

Sie merken schon, es geht hier um Entscheidungsklarheit. Also: Was will ich wirklich? Erst nachdem das geklärt ist, sollten wir alles daran setzen Alternativen zu finden, die uns vor dem Dilemma bewahren.

Gewissen gegen Gewissen: Es gibt nur Verlierer

Natürlich gäbe es zu dem Thema Gewissensentscheidung noch viel mehr zu sagen. Allerdings geht das nicht auf einem allgemeingültigen Niveau. Ans Eingemachte geht es z.B. dann, wenn wir zwischen zwei Alternativen entscheiden, die beide unser Gewissen belasten werden.

Wen retten wir aus dem brennenden Autowrack? Unsere Ehefrau oder unser gemeinsames Kind? Eine klassische Lose-Lose-Situation. Natürlich würde die Ehefrau auch wollen, dass wir das Kind retten. Aber was ist das für ein Leben, ohne die große Liebe?

Hinzu kommt, dass in dieser Situation die Zeit zum Nachdenken fehlt. Kommt es dann zu einem fatalen Ende, wird sich der Entscheider bis zum Lebensende fragen, ob es die richtige Entscheidung war.

Für solche Situationen gibt es kein Rezept und wer anderes behauptet, muss das mit seinem Gewissen ausmachen.