Keine Vision? So entscheiden Sie trotzdem

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Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Das lesen wir in diesem Blog immer wieder. Der Umkehrschluss: Ich muss wissen wo ich hin will, wenn ich eine gute Entscheidung treffen will.

Vorgestern hatte ich einen Anrufer, dem seine Vision noch fehlt. Er weiß nicht, wo er in zehn Jahren stehen wird. Gleichzeitig muss er bis Ende der Woche über ein neues Jobangebot entscheiden.

“Für die eigene Vision habe ich jetzt nicht genügend Zeit. Was mache ich jetzt? Haben Sie einen Tipp, wie jemand ohne Vision entscheiden sollte?”

Gestaltungsspielräume

Wir haben in diesem Fall einige Möglichkeiten unsere Entscheidung zu treffen. Dabei sollten wir allerdings auf eines achten: wer noch keine Vision hat, wird in der Zukunft große Gestaltungsspielräume brauchen, sobald er weiß, wo er herauskommen möchte.

Gestaltungsspielräume öffnen sich uns durch Kontakte, Geld, Rechte, Einfluss, fertige Konzepte, frühzeitig erledigte Arbeiten, etc.

Mein Anrufer weiß, dass er mittelfristig seine bisherige Karriere als Angestellter nicht weiterverfolgen möchte. Was er genau machen möchte, ist ihm noch nicht klar, aber es wird wohl in der Selbständigkeit münden.

Das Jobangebot gibt ihm die Möglichkeit, seinen Arbeitsvertrag so auszuhandeln, dass er einer Nebentätigkeit nachgehen darf und die Option hat, mit der Zeit seine Arbeitsstunden zu reduzieren, wenn er mehr und mehr Kunden für sein eigenes Geschäft akquiriert. Er schafft sich damit Gestaltungsspielräume, die er heute nicht hat.

Intuition

Wie könnten wir noch entscheiden, wenn uns eine Vision fehlt? Manche Menschen vertrauen diesem Fall einfach auf ihre Intuition. Das kann riskant sein. Insbesondere, wenn wir nicht wissen, was wir wirklich wollen. Und unser Unterbewusstsein die Situation noch nicht kennt. Aber es ist zumindest ein Weg, zu einer Entscheidung zu gelangen.

Vorbilder

Andere Entscheider werden sich an ihrem großen Vorbild orientieren. Wie würde z.B. Jack Welch entscheiden?

Wir wählen uns unsere Vorbilder nicht willkürlich. Im Gegenteil. Wir fühlen uns von ihrem Lebensweg und von dem was sie erreicht haben angesprochen.

In unseren Vorbildern finden wir auch immer einen Hinweis auf unsere eigene spätere Vision. Natürlich will keiner der Klon seines Vorbildes sein und die Vorstellung die wir von ihm haben ist ohnehin idealisiert, aber als Orientierungshilfe in einer schwierigen Entscheidungssituation taugen Vorbilder allemal.

Werte

Wir könnten uns an unseren Werten orientieren. Sollten wir uns unserer Werte bewusst sein, ist das eine ganz hervorragende Entscheidungshilfe. Denn wir leiten alles Weitere, wie unsere Mission (unser Auftrag vom Markt) und unsere Vision von unseren Werten ab.

Schwer wird es allerdings dann, wenn sich unseren Werte schlecht auf die Alternativen anwenden lassen. Die verfügbaren Informationen über einen neuen Job geben das zum Beispiel oft nicht her. Angenommen, wir legen sehr viel Wert auf Harmonie im Team. Der neue Arbeitgeber wird sein Unternehmen selten als zerstrittenen Haufen beschreiben. Das finden wir erst heraus, wenn es schon zu spät ist.

Situation

Die Vision ermöglicht uns einen Blick in die Zukunft. Wenn wir ihn nicht haben, können wir natürlich auch versuchen, situativ zu entscheiden. Wenn die derzeitige Situation für uns unerträglich ist, wird jede Veränderung gut sein. Das klingt fatalistisch und ist es auch, aber es steckt ein Körnchen Wahrheit darin. Oft stellen wir dann zwar fest, dass wir unsere Probleme mit uns nehmen, aber das ist dann meistens auch schon ein Fortschritt.

Umfeld

Vielen Menschen ist ihr Umfeld und das was es sagt sehr wichtig. Wir orientieren unsere Entscheidungen also an Familie, Freunden und Bekannten. Das hat dann zwar nicht viel mit dem eigenen freien Willen zu tun, aber einerseits ist es irgendwo auch konsequent. Wir wählen uns  unser Umfeld (Familie ist da speziell) oft selbst. Andererseits zementiert das unsere Abhängigkeit, wenn wir unser Umfeld nicht bewusst gewählt haben.

Wirtschaftlich

Viele entscheiden nach wirtschaftlichen Kriterien. Das Kalkül dahinter: Auch wenn ich nicht weiß, was ich will, mehr Geld ist immer besser als weniger Geld. Sie beweisen damit, dass viele Menschen ein Preisschild haben.

Übrigens kann eine wirtschaftlich orientierte Entscheidung auch bedeuten, Gestaltungsspielräume aufzugeben. Wenn wir unser Geld in eine Immobilie investieren, weil die Rendite sagenhaft ist, fehlt es uns möglicherweise, wenn sich unsere Einnahmesituation wegen einer Wirtschafts- und Finanzkrise verschlechtert. Aber letzteres ist schon sehr unwahrscheinlich. 😉

Zusammenfassung

Fassen wir noch einmal zusammen. Ohne Vision wird die Qualität unserer Entscheidungen gering bleiben, weil wir kein sinnerfülltes Leben führen. Aber wir können verschiedene Orientierungshilfen in Anspruch nehmen.

  1. Gestaltungsspielräume
  2. Intuition
  3. Vorbilder
  4. Werte
  5. Situation
  6. Umfeld
  7. Wirtschaftlich

Für mich erscheinen alle diese Möglichkeiten schal, wenn ich bedenke, wie leicht wir unsere eigene ganzheitliche Vision entwickeln können. All diese Verrenkungen sind dann nicht notwendig, wenn wir “the real thing” haben.

Was denken Sie?

1 Antwort
  1. Ralf Hiltmann
    Ralf Hiltmann says:

    Ich habe das große Glück (na ja, nicht nur . ich lebe absichtlich hier), in der Rhön zu leben – man nennt die Rhön auch “Das Land der Offenen Fernen” – das kommt daher, dass die meisten Bergkuppen unbewaldet sind und man einen weiten Blick ins Land mit eine roftmals 360°-Perspektive hat.

    Auf so einem Hügel zu stehen und den Blick in die Ferne schweifen lassen … den Geist still werden lassen … und an all die schon gemeisterten Herausforderungen im Leben denken …. die Meilensteine, die gestemmt, Ziele, die erreicht wurden … und dabei darauf achten, ob sich ein Muster herauskristallisiert an immerwiederkehrenden Situationen + Ereignissen … und so dem Roten Faden auf die Spur kommen, an dem entlang das eigene Leben ausgerichtet werden will.

    Das Ganze dann noch mit den eigenen Fähigkeiten und Talenten verbinden und der Absicht, nicht nur dem eigenen Wohlbefinden zu dienen, sondern seine Vision in den Dienst an einer größeren Sache zu stellen: so könnte was draus werden, mit dem eigenen absichtsvoll gelebten Leben 🙂

    Schöne Grüße
    Ralf

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