Kristallklar Entscheiden

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 in der Serie Entscheidungsklarheit

Teil I meiner Serie über Entscheidungsklarheit

Wasserglas»Liebling, bringst Du mir Taschentücher mit?« Ein einfacher Auftrag. Ich weiß genau, welche Taschentücher meine Frau kaufen würde. Ich kenne die Marke und es dürfen nur die einfachen Tücher ohne Schnickschnack sein. Später im Supermarkt brauche ich mir keine großen Gedanken zu machen.

Wenn wir ganz konkret wissen, was wir wollen, ist jede Entscheidung einfach. Daher glauben viele, dass ich mit dem Begriff Entscheidungsklarheit genau das meine: Wer ganz konkret weiß, was er will, ob es Taschentücher, Autos, ein Softwaresystem, ein Dienstleister oder der Lebenspartner ist, hat Entscheidungsklarheit. Das klingt plausibel und sie haben sogar fast recht damit.

Aber eben nur fast. Am Ende jeder Entscheidung steht das Konkrete, das Materielle. Das ist klar. In der Steinzeit jagten unsere Vorfahren kein Tier mit langen Beinen, Rüssel, viel Fett und zotteligem Fell. Sie jagten ein Mammut. Sie flohen vor keiner Kreatur mit großen Zähnen, übermenschlicher Kraft und ebenfalls zotteligem Fell, sie rannten schon, wenn ein Bär auch nur zu hören war.

Der Lösungscode

Unser Gehirn codiert diese Merkmale zu einem einfachen Bild mit einem Namen. Aus der Gehirnforschung wissen wir heute, dass so ein einzelnes konkretes Bild unsere Merkleistung vervielfachen kann. Denn wir können die Merkmale zum Beispiel eines Bären oder eines Mammuts leicht wieder decodieren. So wie ich es getan habe.

Konkret ist also gut. Solange wir wissen, was wir da eigentlich codiert haben. Doch das ist oft nicht der Fall.

Den Code verstehen

Stellen wir uns vor, wir wissen genau, was wir wollen. Zum Beispiel einen dieser schicken All-in-One-PCs mit Windows 8.1. Ich habe letztens eine Werbung gesehen und dachte mir, so etwas würde sich ganz gut auf meinem Schreibtisch machen.

Warum will ich den Rechner haben? Bin ich ehrlich, komme ich bei dieser Frage in Erklärungsnot. Aber Selbsterkenntnis wird überschätzt. Daher sage ich: »Weil dieser Rechner phantastisch aussieht und ich es mir verdient habe.« Am zweiten Argument gibt es nichts zu deuteln. Aber wer bekommt schon immer, was er verdient?

Das erste Argument zieht nicht. Wir merken, ich weiß nicht viel über das Gerät. Außer dass mir die Werbung einen Floh ins Ohr gesetzt hat. Tatsächlich schwingt auch in der Werbung für den Rechner eine Codierung mit. Wer diesen Rechner hat, vor dem teilt sich das Meer der Computerprobleme, er ist der Held für seine Ehefrau und hat mehr Freunde, als er mit Excel zählen kann.

Stellen wir uns vor, wir würden uns allen Ernstes diese Punkte als Anforderungen für einen neuen Rechner aufschreiben. Das ist reiner Blödsinn. Kein PC  – und sei er noch so schick – kann diesen Anforderungen gerecht werden. Die Phantasiewelt der Werbung macht’s möglich.

Jede ganz konkrete Lösung ist ein Code für unsere Anforderungen. Wenn wir wissen, wofür er steht, ist alles gut. Wenn wir den Code aber nicht mehr auflösen können, beginnen die Probleme.

Die richtige Frage

Machen Sie es sich zur Gewohnheit, vor jeder Entscheidung sehr bewusst die Warum-Frage zu stellen.

Anhänger von intuitiven Entscheidungen kriegen bei dieser Frage gerne hektische rote Flecken. Ich halte allerdings sehr viel von intuitiven Entscheidungen. Zahlreiche Versuche haben nachgewiesen, dass wir uns auf unsere Intuition verlassen können. Aber können wir uns immer sicher sein, dass die Intuition Mutter der Entscheidung ist und nicht die Werbung? Sehen wir es einfach als Test, ob tatsächlich Intuition und nicht die Werbung oder gar ein guter Verkäufer hinter dieser Entscheidung steht.Testen Sie immer, warum Sie eine konkrete Entscheidung treffen.

Jeder kann etwas ganz Konkretes wollen. Intelligente Entscheider sind dagegen jederzeit in der Lage, zu erklären, warum sie es wollen.

Hinter dem Warum stehen unsere Anforderungen, die wir an eine Lösung haben, bevor wir eine Entscheidung treffen. Daraus ergeben sich zwei sehr spannende Fragen. Zum einen: Wie entwickeln wir unserer persönlichen Anforderungen? Zum anderen: Wie kommen wir von unseren Anforderungen zu Lösungen? Mit anderen Worten: Wie können wir unsere Anforderungen in einfache Lösungen codieren?

Das erfahren Sie im nächsten Teil dieser Serie.

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