Lost in Translation

“Sehr geehrter Herr Lietz,…
Sie fordern Entscheider auf, eine langfristige Vision zu haben und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen. Das habe ich versucht. Leider gelingt es mir nicht, meine Vision in Entscheidungen zu übersetzen. Denn es gibt ja meistens viele Wege, die Vision umzusetzen…”

So eine Email, die mich dieser Tage erreichte. Vielleicht betrifft das geschilderte Problem auch andere Leser. Daher hier eine verkürzte Fassung meiner Antwort.

Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Egal wie und ob wir entscheiden, unser Handeln wird immer eine Richtung nehmen. Eine Vision ist ein sehr langfristiges Zielbild mit einem Zeitrahmen von mindestens 10 Jahren. In individuellen Entscheidungen ist dieses Zielbild bereits sehr hilfreich, um als Wegweiser zu dienen. Allerdings führen viele Wege nach Rom. Daher reicht die Vision allein nicht aus. Für das Ergebnis spielt es zwar keine Rolle, wie wir dorthin gelangt sind. Aber zehn Jahre sind eine lange Zeit und wer dabei einen leidensreichen Weg geht, hat über lange Zeit nur eines: Großes, langanhaltendes Leid.

Liebe Dein Leben, liebe Deinen Weg

Die wenigsten würden das durchhalten und es ist auch nicht der Sinn der Sache. Wenn wir einen Weg einschlagen, dann sollten wir ihn über weite Strecken lieben können. Das eine oder andere Opfer werden wir bringen müssen, doch insgesamt sollten wir unser Leben lieben (können).

Mission und Werte

Damit haben wir eine Richtschnur für detailliertere Entscheidungen. Wir kennen unsere Werte und finden heraus, was unsere persönliche Mission (Auftrag vom Markt) ist, die wir erfüllen. Meine lautet beispielsweise: “Ich bin ein Befreier. Ich befreie mich und andere durch gute Entscheidungen …”. wir können unsere Mission auch als generelle Handlungsmaxime verstehen.

Ziele plastern den Weg zur Umsetzung der Vision

Aus unserer Vision, der Mission und unseren Werten können wir näherliegende Ziele ableiten. Ziele, die wir sowohl kurz- als auch langfristig gerne verfolgen und die langfristig für uns einen Sinn ergeben.

Ein Beispiel

Angenommen, wir sind heute noch in Lohn und Brot. Das ist in Krisenzeiten sehr viel wert. Allerdings haben Sie eine Geschäftsidee und Sie überlegen sich, wie Sie in zehn Jahren ein gut gehendes Unternehmen haben könnten. Zwischen unserer Person heute und dem Unternehmer morgen klafft ein gewaltiges Loch. Es fehlt an Erfahrungen und auch an Wissen und Können. Das ist uns klar. Solange wir aber an unserem Job festhalten, wird das nicht besser.

Gleichzeitig haben wir von anderen gehört, wie steinig der Weg als Gründer und Jungunternehmer sein kann. Warum sich also auf schwieriges Terrain begeben, wenn wir uns heute zumindest einigermaßen wohl mit unserem Job fühlen? Die Antwort ist klar: Wenn wir nichts unternehmen, werden wir uns irgendwann die Sinnfrage stellen und über verspasste Chancen nachdenken müssen.

Was also sind unsere Ziele kurz- und mittelfristig? Vielleicht merken wir, dass es uns erst einmal darum geht, unsere Ideen praktisch umzusetzen und nicht so sehr um einen schnellen finanziellen Erfolg. Ein kurzfristiges 1-Jahresziel könnte daher sein: Umsetzung der eigenen Idee als Machbarkeitsbeweis. Unser Mittelfristiges 3-5-Jahresziel könnte lauten: Mit Unterstützern und Mitstreitern ein eigenes Wirtschaftsunternehmen aufbauen, dass unseren Lebensunterhalt und den aller Beteiligten leistet. Das langfristige Ziel haben wir mit unserer Vision bereits im Blick.

Auch mit diesen Zielen sind die Wege noch nicht durch Pläne vorgezeichnet. Aber so einfach Lösungen, wie in der Freizeit den Machbarkeitsbeweis anstellen oder sich für den Machbarkeitsbeweis beurlauben zu lassen oder einfach einen Tag pro Woche weniger zu arbeiten, um die Machbarkeit nachzuweisen sind interessante Möglichkeiten.

Der Weg

Unsere Vision gibt uns die Richtung vor, die wir mit unserem Handeln einschlagen. Unsere Ziele dagegen pflastern den Weg zu unserer Vision und machen ihn begehbar.