Machen Sie sich mal frei!

© Anja Roesnick - Fotolia.comFranz Herbst* (Name geändert) hat sich entschieden, seinen Handwerksbetrieb still zu legen. Stattdessen konzentriert er sich vollständig darauf, für seine Kunden die Qualität der Arbeit anderer Handwerker zu überprüfen. Er macht das bereits seit Jahren erfolgreich und ist vor allen Dingen mit Freude dabei. Aber irgendwie kann er sich nicht von seiner Werkstatt trennen. Er zahlt jeden Monat Miete dafür und seine Werkzeuge liegen nutzlos herum. Sie ist der letzte Teil seiner früheren Existenz als Handwerker.

Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Manchmal treffen wir eine Entscheidung, mit der wir eine neue Richtung einschlagen. Oft verlassen wir damit das Gewohnte und müssen uns neuen Herausforderungen stellen.

Wenn wir allerdings am Alten festhalten, wirkt es wie Ballast und raubt uns Energie. Entscheidungen verlangen Entschiedenheit bei der Umsetzung und das heißt dann Abschied nehmen von all den Dingen, die in dieser neuen Richtung nichts zu suchen haben. Der eine nennt das dann schmerzhaft, der andere versteht es als Freiheit.

Wie sehen Sie das?

2 Kommentare
  1. Ewald Dietrich
    Ewald Dietrich says:

    WILL Herr Herbst sich von seiner Werkstatt trennen?
    (Ich kenne viel teurere und nutzlosere Hobbies.)
    Falls ja: Was ist ihm daran so wichtig,
    dass er in Wirklichkeit doch nicht will?
    (Sonst hätte er sich schon getrennt.)
    Dieses Wichtige wertzuschätzen könnte zum Verabschieden führen
    – oder zu etwas ganz anderem.
    Denkt Herr Herbst an eine Organisationsaufstellung?

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Sie stellen die richtigen Fragen!

    Herr Herbst hat für sich erkannt, dass er den Wandel gestalten muss, aber kann von dem wichtigsten Anker nicht lassen, der ihn früher geerdet, hat, seine Werkstatt.

    Wenn ihn früher jemand fragte, was er macht, brauchte er nur sein Handwerk zu nennen und jedem war dann alles klar. Heute ist das anders. Er muss den Menschen erklären, warum seine Leistung wichtig ist und warum er sein Geld wert ist.

    Seine Werkstatt hat also sehr viel mit Identität zu tun, die er noch für sich suchen muss. Gleichzeitig dürfte gerade dieser “Luxus” der größte Stolperstein auf dem Weg zu der neuen beruflichen Identität sein. Denn wer soll ihm das abnehmen, wenn er sich selbst täglich demonstriert, dass er es selbst nicht kann? 😯 So ist er eben ein Handwerker (mit Werkstatt), der die Qualität seiner Kollegen kontrolliert. 🙂

    Zur Organisationsaufstellung: Er würde es grundweg ablehnen, da er sich ungern auf Experimente einlässt und da man den Nutzen dieser Methodik erfahren muss, bleibt da keine Chance. 🙁

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