Manager: Arm und Willenlos?

hemdtaschenmanager

Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Daher braucht ein Entscheider eine Vision. Das weiß doch jedes Kind! 🙂 Wie sieht das aber bei einem Ma­nager aus, der in einem großen Unterneh­men Karriere macht?

Welche Freiheiten hat ein Manager?

Sein Einfluss auf die Mission (was ist mein Auftrag) und die Vision seines Arbeitgebers ist gering. Wenn ihm die Vision des Unternehmes nicht passt, ist er also zur Sinnlosigkeit verdammt. Denn jede Entscheidung, die er richtigerweise an der Unternehmens-Vision orientiert, könnte ihm gegen den Strich gehen.

Ich bedaure das sagen zu müssen, aber die wenigsten Unternehmen verfügen über eine Vision, die dem Entscheider eine Richtung geben würde. Hier zum Beispiel die Vision von Siemens und hier die Vision von der Siemens Tochterfirma PTD.

Bei einer Vision geht es ja nicht darum, ein Streberdokument zu verfassen, sondern sie soll den Menschen mitnehmen, ihn sowohl vom Verstand als auch emotional begeistern. Dazu muss jeder Mitarbeiter in der Lage sein, die Vision auch in eigenen Worten wiederzugeben. Im Falle der Siemens AG sind die Worte zu schwach und zu wenig konkret im Falle der Firmen-Tochter würde ich eher einen Knoten in der Zunge bekommen, als die mit der Mission vermixte Vision wieder geben zu können. 😮

Die Vision ist viel mehr als ein Ziel

Aber zurück zu unserem Manager. Wenn die Vision seines Unternehmens ihren Namen verdient, sollte er sich damit identifizieren können. Sonst ist er am falschen Platz.  Wenn dagegen nur BlaBla im Firmenprospekt steht, hat er weitgehende Freiheiten. 🙂

Freiheit für was?

Die Vision eines Menschen sollte sich nicht nur auf sein Berufleben beziehen. Sonst würde ich sagen: “Setzen Sie sich Einzelziele und fertig!” Nein, eine Vision soll das Bild von unserem Leben in einer mindestens fünf Jahre entfernten Zukunft zeichnen. Besser sind aus meiner Sicht sogar zehn Jahre.

Der Kern unserer Vision ist unsere Persönlichkeit. Wer sind wir in fünf oder zehn Jahren? Was können wir? Welche Fähigkeiten und Qualifikationen haben wir uns erarbeitet? Welche Kontakte haben wir uns geschaffen? Wie ist unser Selbstbild? Wie sehen uns andere? Welche Rollen nehmen wir war? Zum Beispiel Manager, Familienoberhaupt, Parteispezi  😛 , usw. Wie leben wir unsere Werte? Relativ unwichtig sind dagegen unsere Lebensumstände. Denn Sie folgen in der Regel der Entwicklung unserer Person.

Unternehmen haben auch eine Art Persönlichkeit und eine Wertesystem Daher können wir eine Unternehmervision nach den gleichen Prinzipien aufbauen. Manager machen sich mehr Gedanken über ihre Stellung, wie sie mit ihren Mitarbeitern zusam­men­ar­bei­ten, wie sie zum Erfolg ihres Arbeitgebers beitragen, und und und.

Eine echte Führungskraft

Da eine Vision ganzheitlich ist, kann auch der Abteilungsleiter in einem Weltkonzern noch seine Vision leben.  Auch er hat somit die Chance, sinnvoll zu entscheiden. Wenn er es richtig anstellt, kann er die Unternehmens-Vision für seine Mitarbeiter so übersetzen, dass sie alle etwas davon haben.

Führungskräfte, die sich dagegen als Opfer ihrer Vorgesetzten sehen und ihre Mitarbeiter das sehen lassen, schaden den Unternehmen dagegen massiv. Wo sollte da die Vision herkommen? Mein Tipp: Manager sind “man ager”, also dem Kindesalter entwachsene Menschen, sonst würde es Kidager heißen! 😉

Ich habe diesen Artikel ursprünglich am 10 April 2008 veröffentlicht. Ein Link hatte sich inzwischen geändert. Der Mangel an Verständnis, was eine Vision für die eigenen Mitarbeiter leisten muss dagegen nicht.

4 Kommentare
  1. heiko schwardtmann
    heiko schwardtmann says:

    Ein toller Artikel bzgl. Visionen. Ich persönlich denke, dass nur wenige Unternehmen und auch Personen den Wert erkannt haben, den eine echte, fesselnde Vision haben kann.

    Zusätzlich sollte ein Abteilungsleiter nicht nur in der Lage sein eine Unternehmesvision für seine Mitarbeiter zu übersetzen, sondern vielleicht für seine Abteilung eine eigene Vision entwickeln. Diese ist einerseits spezifisch auf die Gruppe ausgerichtet, andererseits unterstützt sie in ihren Auswirkungen natürlich die Gesamtvision des Unternehmens.

    Stephen Covey hat in seinem Welt-Bestseller “Die 7 Wege zur Effektivität” gute Erklärungen, Ausführungen und Beispiele zum Thema Visionen.

    Herzlichst, Ihr Heiko Schwardtmann

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Ja, Steven Covey ist nett. 🙂
    Es stellt sich natürlich die Frage, mit welchem Hintergrund die Manager in Unternehmen ihre Entscheidungen treffen, wenn es gar keine Vision gibt?

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  1. […] Visionen sind geklaut. Aus dem Entscheiderblog von Kai-Jürgen Lietz. Danke! Das gilt alles auch für die […]

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