Schmalhans ist zu teuer

© M.W. - Fotolia.comSie Surfen gerne im Hochgeschwindigkeits-Internet? Sie duschen jeden morgen ausgiebig? An den letzten Stromausfall können Sie sich gar nicht mehr erinnern? Vielleicht gehört das bald der Vergangenheit an.

Die Steuerschätzungen für die Jahre bis 2013 zeichnen ein grimmiges Bild für die Politik. Wer in Zukunft Wohltaten verteilen will, muss Schulden aufnehmen. Sieben fette Jahre sind vorbei. Auch in dieser Zeit wurde ohne große Rücksicht auf Verluste gewirtschaftet. Das lässt in den sieben mageren Jahren geringe Spielräume.

Städte wie Trier und Wuppertal sind dermaßen verschuldet, dass selbst Schmalhans als Küchenmeister nicht in Frage kommt. Viele andere Städte sind nicht besser dran.

So gut wie heute wird es nie wieder sein …

Wir blicken heute auf eine Infrastruktur, die sicherlich nicht perfekt ist. Aber wir sollten genießen, was wir haben. So drohen ab 2010 Ausfälle im GPS-Satellitennetzwerk. Wer sich an den Komfort gewöhnt hat, von seinem Navigationssystem sicher zum Ziel geführt zu werden, wird es schmerzlich vermissen.

In England können wir heute schon beobachten, wie sich eine marode Wasserinfrastruktur auswirkt, Südafrika zeigt, was eine marode Energieinfrastruktur bewirkt. Ein immer verfügbares Internet? Das könnte in einigen Jahren ein Traum sein.

Das ist die Stunde der Kämmerer und Haushälter

Vielleicht meinen Sie, ich male das zu schwarz. Denn Politiker haben ja schon deshalb Geld ausgegeben, damit sie wieder gewählt wurden.

Das stimmt tatsächlich. Solange unser Bundestag auf dem Rücken einer brummenden Wirtschaft reiten konnte, glaubten wohl alle an das nie versiegende Füllhorn.

Doch auch die Bürger denken um und werden sparsamer. Zukünftig könnte ein neuer Politikertyp belohnt werden. Derjenige, der mit den geringeren Steuereinnahmen gut wirtschaftet, wird dann auch wieder gewählt. So wie das Verteilen von Wohltaten zu Exzessen geführt hat, könnte das auch beim Sparen enden.

Abwirtschaften könnte modern werden

Das Problem: Infrastruktur ist ein Investitionsgut. Wenn bei ihrer Erhaltung und Wartung gespart wird, dann macht sich das nicht gleich bemerkbar. Es ist wie bei einem Konto, von dessen Zinsen wir eigentlich leben wollen, aber wir entnehmen Jahr für Jahr mehr Geld als Zinsen erwirtschaftet werden. Irgendwann ist nichts mehr da und die Abbau beschleunigt sich gegen Ende, weil ja immer weniger Zinsen anfallen.

Nur wenige Politiker handeln auf der Grundlage einer langfristigen Vision. Daher ist die Versuchung groß, das Geld bei Infrastrukturinvestitionen einzusparen.

Der frühe Tod einer Konjunktur

Wo führt uns das hin? Das Wachstum wird irgendwann wieder anspringen. Der Aufschwung kommt dadurch zustande, dass die Bürger so lange Geld gespart und Einkäufe aufgeschoben haben, bis es nicht mehr anders geht. Diese ersten Käufe führen zu einem bescheidenen Wachstum. Das macht Mut und die Menschen konsumieren wieder mehr. Es gibt einen gewaltigen Nachholbedarf. Die Ersparnisse sind vorher entsprechend angewachsen. Daher ist genügend Geld da, um diesen Konsum zu befeuern.

Damit es jetzt zu Wachstum kommen kann, brauchen wir u.a. eine gute Infrastruktur. Fehlt es daran, führt der höhere Konsum eher zu Preissteigerungen, da die Produktion nicht schnell genug ausgeweitet werden kann. Das führt zu Inflation und das wiederum dazu, dass der Aufschwung nicht nachhaltig ist. Das nächste Konjunkturtal wartet schon.

Nachhaltigkeit – Ein Schloss ohne Schlüssel

Nachhaltigkeit – das ist ein Wort, das wir in den letzten Jahren vor allen Dingen von ökologisch orientierten Menschen gehört haben. Ernst genommen hat man sie erst, als es zu den ersten, heute kaum reversiblem Klimaveränderungen kam. Tatsächlich ist Nachhaltigkeit das einzige Prinzip, nach dem ein Gemeinwesen handeln sollte.

Es stellt sich nur die Frage, ob wir dazu in der Lage sind. Vielleicht sollten wir daher damit rechnen, dass wir heute den höchsten Standard an Infrastruktur haben, den unsere Generation erleben wird.

Entscheider sollten sich orientieren

Für Entscheider bedeutet das: Wer im Rahmen einer maroden Infrastruktur gute Services anbieten kann, wird auf viele Jahre gute Geschäfte machen. Wer dagegen auf eine perfekte Infrastruktur angewiesen ist, hat vermutlich schlechte Karten und sollte beizeiten nachhaltig umsteuern.