Sinn und Unsinn von Best-Practice

image Als Entscheider stehen wir oft vor unbekannten Herausforderungen. Dann bietet es sich an, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Unternehmensberater wissen zwar nicht alles, haben aber schon Vieles gesehen. Daher stehen Beratungen hoch im Kurs.

Kerben in der Bank und beste Übung

Der universelle Rat auf die meisten Probleme heißt Best-Practice und Benchmarking. Wer im Vergleich mit anderen Unternehmen schlecht abschneidet, sollte Best-Practice Lösungen einsetzen. So das Mantra der Branche.

Eine Best-Practice Lösung ist eine Sammlung von Prinzipien und Prozessen. Zum Beispiel wie ein Kunde von Vertrieb und Marketing umsorgt werden soll. In der IT-Branche würde so etwas als Standard-Software bezeichnet und wir wären uns sofort darüber im Klaren, dass das nicht für jeden etwas ist.

Gruß von Henry Ford: Model T

Doch der Benchmark sagt unseren Unternehmern etwas anderes. Wenn wir dort schlecht abschneiden, sind wir ein Kandidat für den allumfassenden Standard glücklich machender Services aus der Best-Practice Kiste.

Benchmarking (hat) seinen Ursprung in der Holzbearbeitung. Ein Schreiner bzw. Tischler hat früher eine Markierung (mark) an seiner Werkbank (bench) angebracht. Mit diesem Maß stellte er sicher, dass z. B. beim Herstellen von Stuhlbeinen alle Beine gleich lang wurden. Dazu legte er einfach ein Stück Holz bündig an der Markierung an und schnitt es an der Kante der Werkbank ab

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Dabei ist der Benchmark natürlich eine Mogelkiste. Wir vergleichen hier zwar mehrere Unternehmen miteinander und einige schneiden besser ab als andere.

Aber damit ist nur ausgesagt, dass einige Unternehmen die Kriterien nicht so gut erfüllen wie andere .

Nut selten überprüfen wir so Gebenchmarkten, ob wir diese Kriterien überhaupt erfüllen wollen.

So ein Berater ist schließlich mit allen Wassern gewaschen und er wird uns doch nichts Unnötiges empfehlen, nur um ein Geschäft zu machen, oder?

Ein kleiner Test

Machen wir einen Test aufs Exempel. Stellen wir doch unsere eigenen Kriterien auf, die wir mit unserem Unternehmen erfüllen wollen. Wie schneiden wir dabei ab?

Natürlich stehen wir im Wettbewerb mit anderen Anbietern. Aber selten kommt ein Sportler übers Mittelmaß hinaus, wenn er sich immer nur mit anderen vergleicht.

Das eigene Kerbholz

Der beste Vergleich sind immer wir selbst. Fallen wir gegenüber unseren vergangenen Leistungen ab. Dann ist klar, dass etwas schief läuft. Werden wir dagegen immer besser, ist der einzige Maßstab unser letzer Messpunkt.

Mit anderen Worten: Es gibt keine Grenze nach oben und wir werden uns auch nie zufrieden zurücklehnen, nur weil wir im Benchmark gerade vor der Konkurrenz liegen. 😯

Sinnlose Entscheidung

Was hat das Ganze mit Entscheidungen zu tun? Ein Benchmark ist ein Entscheidungsverfahren, in dem andere die Regeln vorgeben.

Dessen Entscheidungskriterien bilden nicht unser eigenes Ziel ab, sondern ein Mittelmaß, das unserem Unternehmen seine Existenzberechtigung nimmt.

Überlegen wir doch einmal. Was würde passieren, wenn alle Unternehmen auf die gleiche Weise funktionieren würden?

Welche Existenzberechtigung hätte das einzelne Unternehmen dann noch?

Keine! Denn der Markt fragt immer nach dem Mehrwert. Und der ist in diesem Fall nicht existent.

Erfolgsbenchmark

Wirklich erfolgreiche Unternehmen haben ihre eigenen Prozesse und wissen genau, warum sie etwas tun. Aus einer größeren Perspektive sind solche Unternehmen so individuell, wie wir Menschen es sind.

Für alle anderen gibt es Benchmarks und Best-Practice.

1 Antwort

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