Stoppt den Networking-Quatsch!

Immer wieder treffen wir auf Menschen, die gerne mit uns zusammenarbeiten wollen oder zumindest ein gewisses Interesse an noch nicht ganz konkreten Projekten zeigen. Mit anderen haben wir bereits eine Geschichte. Aber egal wie, immer wieder stellt sich die Frage, wer in unserem Netzwerk sein sollte und wer nicht. Diese Entscheidung wird unser Leben auf Dauer verändern oder eben auch nicht.

Bevor wir hier tiefer gehen, möchte ich vorausschicken, dass keine noch so gute Strategie gibt, um Enttäuschungen vorzubeugen. Aber das liegt in der Natur der Sache. Schließlich liegt es an uns, ob wir uns täuschen oder nicht. 🙂

Aber zurück zu der Entscheidung, mit wem wir unser Netzwerk gestalten. Wie bei allen Entscheidungen, die wir treffen, kommt es auf unsere Zielsetzung an.

Wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Welchen Menschen würden Sie da kennen? Mit wessen Hilfe sind Sie dort hin gekommen? Was tun Sie für Kontakte, bzw. haben für Kontakte etwas getan?

Für heute heißt das: Würde dieser Mensch auch in zehn Jahren noch in unser Kontaktnetzwerk passen oder eher nicht? Dabei müssen wir natürlich auch berücksichtigen, dass Menschen sich weiterentwickeln.

Aber zum Beispiel hatte ich in meinem Netzwerk eine Unternehmerin, die ihrem Erfolg alles unterordnete. Sie mißbrauchte den Namen ihres Verbandes, um Versicherungen zu verkaufen, intrigierte hinter den Rücken anderer, erzählte wechselseitig Geschichten über andere, um deren Reputation zu zerstören. Kurz: Sie kennt keine Werte. Ich habe diesen Kontakt gekappt, weil ich mit solchen Leuten nicht arbeiten will.

Die bewusste Unternehmerin wurde im Laufe der Zeit immer schamloser. Daher konnte ich mir sicher sein, dass sie sich in zehn Jahren kaum von der Saula zur Paula entwickelt hätte. 😛

Ein anderer Punkt ist für mich das Prinzip der Beiderseitigkeit. Ich helfe gerne mal dem einen oder anderen Unternehmer, ohne dass er ein Kunde ist und stelle ihm dann einen meiner Highroller-Kunden vor, wenn es passt. Dann gibt es solche, die sich eines Tages revanchieren werden und das nicht nur mit einem Link auf einen Internet-Artikel, sondern zum Beispiel mit einer Empfehlung an ein großes Unternehmen oder die Möglichkeit, als Speaker an einer großen Veranstaltung teilzunehmen.

Andere lassen sich empfehlen, enttäuschen meinen Kontakt auf voller Linie, weil sie gedankenlos sind und revanchieren sich nie. Heiße Kartoffeln haben bei mir einen besseren Status. 🙂

Wenn wir netzwerken, dann müssen wir keine Freunde sein. Ich bin nett und der Kontakt ist es auch – wunderbar! Mehr ist nicht notwendig. Geschäfte sind nie persönlich. Wer das aber nicht versteht und persönlich wird – Rechthaberei gehört auch dazu -, um den mache ich in der Regel einen großen Bogen.

So wollte ein Vertriebsmensch vor einiger Zeit mein Coaching bei großen Unternehmen anbieten. Ich war von einem Freund vorgewarnt worden, aber wollte auch nicht vorschnell ein Urteil fällen. Dieser Verkäufer bringt alle halbe Jahre eine nett gemachte Broschüre mir allerlei Coaches und Trainern heraus, die er an Personlentwickler schickt.

Finanziert wird das von den beworbenen Dienstleistern. Weil ich die Broschüre nicht als sonderlich sinnvoll ansah, lehnte ich ab. Darauf meinte er, ich könne es mir ja beim nächsten Mal noch einmal überlegen. Als es dann soweit war und ich aus dem gleichen Grund wieder ablehnte, wurde er leicht ausfällig, eben persönlich. Ich habe dann unmissverständlich klar gemacht, dass ich nichts mehr mit ihm zu schaffen haben wollte.

Natürlich könnte ich meine Vorbehalte für mich behalten und so evtl. Chancen in der Zukunft offen halten, also Gestaltungsspielräume erhalten. Aber der Preis, den ich dafür zahlen müsste, wer größer, als den meisten bewusst ist.

Menschen in meinem Netzwerk sprechen mich immer wieder darauf an, was für interessante und vor allen Dingen herausragende Personen sie innerhalb meines Netzwerkes z.B. innerhalb meines Referentenkreises (Sternstunde für Unternehmer) anträfen. Nun ich empfinde das genauso. Ich sehe mich da als ein Menschensammler und ich suche sehr bewusst nach besonderen Exemplaren. Zum Glück versaut nicht ein fauler Apfel den ganzen Korb. Aber er sorgt dafür, dass sich die wertvollen Kontakte weniger wohl in meinem Netzwerk fühlen. Daher raus damit.

Vielleicht habe ich deshalb auch keine 1.000++ Kontakte bei XING. Aber ganz ehrlich, wer wollte sich auch alle diese Namen merken. 🙂

Fazit: Suchen Sie sich Ihre Kontakte bewusst und entscheiden Sie nach kurzer Zeit, ob diese Person in zehn Jahren noch gut genug für Ihr Netzwerk ist oder nicht. Danach sollten Sie handeln. 🙂

6 Kommentare
  1. Lars Kistenträger
    Lars Kistenträger says:

    Geschäfte sind nie persönlich.

    Ach, das wusste ich noch nicht. Bis jetzt dachte ich, Geschäft basiert auf Vertrauen und Werten, und das ist doch eine recht persönliche Angelegenheit.

    Der Entscheidercoach Lietz hat anders entschieden. Xingianer hört sein Reden.

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Geschäft basiert vielleicht auf Vertrauen, aber eher selten auf Werten, sondern auf dem Austausch von Leistungen. Was Sie meinen, ist Charakter. 🙂

    Der Entscheidercoach Lietz hat anders entschieden. Xingianer hört sein Reden.

    Kein Grund gleich persönlich zu werden. 😉

  3. Thilo
    Thilo says:

    Auf mich wirkt der Beitrag von Entscheidercoach Lietz sehr erfrischend und wohltuend. Eben weil er Argumente gegen den Vernetzungswahn ins Feld führt, den viele als Allheilmittel predigen.

    Mit was für Sprüchen wird man bei Xing auch angehauen: “Wollen wir kontakten? Man weiß nie, wofür es gut sein kann” und so weiter. Vor diesem Hintergrund freue ich mich, dass jemand eine Art “Simplify” propagiert.

    By the way fühle ich mich durch den Beitrag nicht angegriffen, auch wenn ich Xingianer bin … 😉

  4. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Ich bin auch in XING und weiß es als Werkzeug zu schätzen. Denn natürlich schaue ich mir an, mit wem ich einen Kontakt herstelle. Eine der interessantesten Quellen ist dabei das Kontaktverzeichnis. 🙂
    Netzwerken ist wichtig, aber es kommt auf die richtigen Kontakte an.
    Qualität schlägt Quantität um Längen. 🙂

  5. Rudolph
    Rudolph says:

    Ich bin sehr überzeugt von Business Networks (wenn auch konkret mehr von your-mesh), aber ich kann das schon nachvollziehen. Das Problem liegt eben bei genau den Leuten, die wahllos kontaktieren, ohne zu hinterfragen, ob es sinnvoll ist. Was im privaten kein Problem ist, sorgt hier für eine Verwässerung, die das Konzept in der Tat sinnlos werden lässt. Qualität zählt hier mehr als alles andere.

  6. Dirk Hammer
    Dirk Hammer says:

    Ich sehe es ähnlich. Wichtiger ist die Qualität eines Geschäftskontaktes! Was nützen mir tausende Kontakte in einer Community, die ich dann doch nicht nutze. Weniger ist manchmal einfach mehr! Leider scheint es aber in einigen Netzwerken zum Sport zu werden Masse zu sammeln.

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