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Manchmal schaue ich einem seltenen Moment der Selbstdistanz auf mich selbst. Was ich sehe, gefällt mir nicht immer. Zum Beispiel lese zu viele Nachrichten. Vor Jahren habe ich mich einfach dafür interessiert, was in der Welt passiert. Doch heute beschäftige ich mich mit dem letzten Blickwinkel, den ein bedeutungsloser Journalist aus seinem verschwitzen Büro darauf wirft, um seinen Lebensunterhalt zu rechtfertigen.

Welchen Nutzen habe ich davon? Keinen! Im Gegenteil: Zum Beispiel “wundere” ich mich, wer all den Schreiberlingen gesagt hat, dass sie plötzlich Ahnung von Volkswirtschaft hätten. Linke Ideologie und Ökonomie haben sich noch nie miteinander verstanden, selbst wenn der Idealismus noch so groß ist. Aber ich drifte ab.

Warum mache ich etwas, was mir nichts bringt? Wie bei allen Dingen kommt es auf das richtige Maß an. Anfangs reichte es mir, meine Neugierde zu befriedigen. Doch was ist, wenn die Neugierde befriedigt ist? Dann sollten die Nachrichten uninteressant sein. Doch jetzt wird es ungesund. Denn das gute Gefühl, informiert zu sein, muss sich doch verstärken lassen, oder? Also lese ich noch mehr über die Griechenlandkrise oder über die Entwicklungen in der Ukraine. Dabei weiß ich doch schon das Wesentliche. Egal! Jetzt weiß ich mehr. Aber ich werde nicht belohnt. Es fühlt sich nicht besser an. Stattdessen beschleicht mich das ungute Gefühl, meine Zeit verschwendet zu haben. Vielleicht brauche ich noch mehr Nachrichten?

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Griechischer Lauf

In wenigen Tagen könnte es passieren. Griechenland verlässt den Euroraum. Niemand wollte das und doch wird es passieren. Denn seit 2008 ist nichts besser geworden. Griechenland macht eine Depression durch, die  an die Weltwirtschaftskrise 1929 erinnert. Eine offizielle Arbeitslosenquote von 24 Prozent, 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit und als Tüpfelchen auf dem i, korrupte Eliten. Der Grexit wäre eine gute Entscheidung.

Die Milliarden der EZB und der Europäischen Hilfsprogramme kommen nicht bei den Menschen im Land an. Offen gesagt, ist das auch nicht das Ziel. Wäre Europa eine Laufgruppe, würden seine Mitglieder den Griechen an einer Schlinge um den Hals hinter sich her schleifen, weil er nicht mehr weiter kann.

Haben wir dieses Bild vor Augen, ist sofort klar, dass der bisherige Weg falsch ist. Denn der griechische Läufer hat sich vorher bereits verausgabt, weil er in der Fortgeschrittenengruppe nicht mithalten konnte. Er war zu stolz und hat bei der Anmeldung geschummelt. Als es nach dem Aufwärmen dann richtig losging, war er schnell außer Atem.

Das ist der Grund, warum es unterschiedliche Laufgruppen gibt. Die Anfänger sollen erst einmal fit genug werden, um das Tempo zumindest im Ansatz mitgehen zu können. In der Anmeldung stand auch, dass die Fortgeschrittenengruppe keine Rücksicht nimmt. Wer nicht mithalten kann, bleibt zurück.

Dummerweise gibt es aber Zuschauer und es sähe schlecht aus, wenn man den Griechen stehen lassen würde. Also schleifen ihn die anderen bis zur Besinnungslosigkeit hinter sich her.

Griechenlands Produktivität kann mit der des Euroraums nicht mithalten. Das hat nichts mit dem Fleiß der Griechen zu tun. Selbst modernste Werke haben in Griechenland einen Standortnachteil. Denn es geht auch um Infrastruktur, schlanke Verwaltungsprozesse und Rechtssicherheit. Wer auf eine schlichte Baugenehmigung Jahre warten muss und im Verlauf des Verfahrens zahlreiche “Hände salben” muss, dessen Produktivität ist allein deshalb schon im Keller.

Diese Aspekte der der Wettbewerbsfähigkeit, auf die der einzelne Unternehmer keinen Einfluss hat, gleichen sich normalerweise durch den Wechselkurs wieder aus. Wie gut das funktioniert, konnten wir in den 80er und 90er Jahren erleben, als die Konkurrenz aus Fernost Grundig und Co in die Pleite trieben. Ein Grund dafür war der günstige Wechselkurs für die asiatische Konkurrenz.

Kehrt Griechenland also wieder zur Drachme zurück, würde das Land profitieren. Kritiker wenden ein, dass sich auch die Importe aus Europa verteuern würden. Das stimmt nicht. Denn für die griechischen Unternehmen verändern sich die Weltmarktpreise nicht. Nur die eigenen Arbeitskosten sinken mit dem Umtauschwert der Drachme.

Anders steht es mit der griechischen Bevölkerung. Sie könnte sich weniger Importwaren leisten. Das können wir allerdings getrost gegenüber all die heute Arbeitslosen aufrechnen, die durch die gestiegene Konkurrenzfähigkeit des Landes wieder einen Job bekommen. Das gilt ganz besonders für die Tourismusbranche. Denn Urlaub in Griechenland wäre für alle anderen Europäer unschlagbar preiswert.

Warum also stemmen sich die Euroländer so vehement gegen den sog. Grexit?

  • Es wäre das erste Mal, dass ein Land aus dem Euroraum ausscheidet.
  • Es wäre ein Beweis dafür, dass die Größe des Euroraums nichts über seine Stabilität aussagt.
  • Bisher gab es in Europa nur eine Richtung: vorwärts. Die Vorstellung, dass ein Land sich die Mitgliedschaft erschwindelt und gar nicht die Voraussetzungen mitbringt, lag offensichtlich außerhalb jeder politischen Vorstellungskraft. Den Ausstritt Griechenlands werden viele als Rückschritt betrachten. Obwohl er das gar nicht ist. Schließlich wird nur etwas gerade gerückt, was gar nicht hätte passieren dürfen.

Aber natürlich gibt es auch finanzielle Gründe. Denn keiner kann heute sagen, wie die Finanzmärkte damit umgehen werden. Außerdem stehen hunderte von Milliarden Euro auf Griechenlands Schuldenkonto. Die wären allerdings nicht weg. Denn anders also so mancher Kolumnist behauptet, könnte Griechenland sie nicht in Form seiner frisch gedruckten Drachmen zurückzahlen. Die Schulden notieren in Euro und können auch nur in Euro zurückgezahlt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt es zu einem vorübergehenden Zahlungsausfall. Doch den haben die Euroländer bei der Kreditvergabe bereits eingerechnet. Griechenland muss auch nach heutigen Regeln erst ab 2020 zahlen. Bis dahin wird sich das Land allerdings aus seiner derzeitigen Wirtschaftskrise herausgearbeitet haben.

Es mag sein, dass wir nicht wirklich wissen, was passiert, wenn der Grexit kommt. Dafür wissen wir zur Genüge, was passiert, wenn wir “alternativlos” weitermachen: Es wird schlimmer.

Ich glaube, dass der frische Wind, den Syriza in die griechische Politik gebracht hat, am Ende für Griechenland gut gewesen sein wird. Denn aufgrund der unvermeidlichen Zahlungsunfähigkeit werden sie genau die Teile ihrer Politik umsetzen, die gut für das Land sind: Korruptionsbekämpfung, Besteuerung der bisher ungeschorenen Eliten und Abbau der lähmenden Bürokratie.

Freuen wir uns also auf die Zukunft.

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Die Euronauten und das goldene Vlies

Euro Nachhilfekurs

Zwischen nackten Griechen und Friseuren

Durch den Konflikt zu den Sternen

remote control

remote control

Unser Fernseher erteilt uns jeden Tag eine Lektion in Sachen Entscheidungen. Am Fernsehprogramm liegt es nicht.

“Streaming hat mein Leben verändert!” So der begeisterte Kommentar eines Freundes, der sich sein Fernsehprogramm selbst zusammenstellt. Doch das kann ungeahnte Probleme schaffen.

Wie gut kommen Sie mit der Fernbedienung Ihres Fernsehers zurecht? Auf so eine Frage weiß man nicht, was man antworten soll. Auf diesem schwarzen Plastikbalken befinden sich so viele Tasten. Es ist ein Wunder, dass die Menschheit überhaupt fern sieht.

Wir haben Glück. Denn die Natur hat uns mit einer großartigen Gabe ausgestattet. Wir können das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Innerhalb kürzester Zeit lernen wir, wie sich der Fernseher ein- und ausschalten lässt, wie wir die Sender wechseln und die Lautstärke verändern. Danach wird es mau. Die meisten anderen Tasten sind tabu, weil man nicht so recht weiß, was sich dahinter verbirgt. Mir geht es manchmal so, dass ich aus versehen etwas drücke und dann so im Unbekannten festhänge, dass ich nur wieder herauskomme, indem ich den TV ausschalte. Auf optionale Funktionen können wir gut verzichten.

Unser Umgang mit der Fernbedienung ist unserem Leben gar nicht unähnlich. Wir vereinfachen alles auf das Wesentliche. Das ist nützlich für schnelle Entscheidungen. Wir blenden alle nicht wichtigen Handlungsalternativen aus. Wie bei der Fernbedienung verzichten wir auf überflüssige Optionen.

Mein aktueller Fernseher hat allerdings einige Funktionen, die das 13 Jahre alte Gerät zuvor nicht kannte. Ich könnte daran meine E-Mails lesen, ich könnte skypen, ins Internet gehen, mir meine Musiksammlung von meinem Hausserver anhören und vieles andere mehr. Für all das gibt es viele neue Tasten. Die meisten davon meide ich.

Unser Fernseher steht im Wohnzimmer. Da kommen Veränderungen nur mit neuer Technik ins Haus. Unser Leben dagegen bringt uns ständig in neue Situationen. Jedes Mal hätten wir unendlich viele Handlungsalternativen. Doch wir sehen sie nicht.

Wir sehen nur den Ein- und Ausschalter, die Senderwahl und die Lautstärke. Es funktioniert. Wir kommen zurecht. Aber genügt das? Wie sehen Sie das? Genügt es Ihnen, nur zurecht zu kommen oder wird es nicht vielleicht Zeit, einen genauen Blick auf die vielen Optionen zu werfen, die wir in der Vergangenheit nicht gesehen haben?

Es könnte Ihr Leben verändern!

Puzzleteil

Puzzleteil

Philipp Lahm sagte einmal sinngemäß: Er ist lieber der Gestalter seines Lebens, als sich von der Entscheidung einholen zu lassen. Damit begründete er seinen Ausstieg aus der Nationalmannschaft nach der gewonnenen Fußballweltmeisterschaft.

Als ich diesen Satz das erste Mal las, schämte ich mich. Ich kenne den Bayernspieler nicht persönlich. Dennoch hätte ich ihm diesen Satz nicht zugetraut. Wir sehen einen Menschen in der Öffentlichkeit, kennen seinen Beruf und schon haben wir eine Meinung über ihn. Hier bin ich also meinem Vorurteil aufgesessen.

Lahms Erkenntnis deckt sich mit meinen Beobachtungen. Manche Entscheider scheinen an einem großen Puzzle zu arbeiten. Sie können ihre Entscheidungen nicht schnell genug treffen, um ihr Bild nach und nach zusammenzusetzen. Das sind die Gestalter, die Philipp Lahm vermutlich meint.

Andere Entscheider werden dagegen immer wieder von Entscheidungen eingeholt. Unter  Druck und Zwang treffen sie dann eine Wahl, mit der niemand zufrieden wäre. Sie ist den widrigen Bedingungen geschuldet, die sie selbst geschaffen oder zumindest zugelassen haben.

Wenn wir ein Puzzle zusammensetzen, wollen wir damit aus vielen kleinen Einzelteilen ein großes Bild erschaffen: Das Bild, das wir uns zuvor von der Zukunft gemacht haben.

Welcher Entscheider wollen wir sein? Diese Frage beantworten wir entweder mit einem großen Zukunftsbild oder mit dem Mangel eines solchen. Es ist unsere Entscheidung.

 

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 in der Serie Entscheidungsklarheit

Teil I meiner Serie über Entscheidungsklarheit

Wasserglas»Liebling, bringst Du mir Taschentücher mit?« Ein einfacher Auftrag. Ich weiß genau, welche Taschentücher meine Frau kaufen würde. Ich kenne die Marke und es dürfen nur die einfachen Tücher ohne Schnickschnack sein. Später im Supermarkt brauche ich mir keine großen Gedanken zu machen.

Wenn wir ganz konkret wissen, was wir wollen, ist jede Entscheidung einfach. Daher glauben viele, dass ich mit dem Begriff Entscheidungsklarheit genau das meine: Wer ganz konkret weiß, was er will, ob es Taschentücher, Autos, ein Softwaresystem, ein Dienstleister oder der Lebenspartner ist, hat Entscheidungsklarheit. Das klingt plausibel und sie haben sogar fast recht damit.

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Alte runzelige Frau mit HochsteckfrisurEntscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Das ist alles, was wir über Entscheidungen wissen müssen. Der Rest ist Logik und gesunder Menschenverstand.

Die Alte im Zug

“Kai, Du hast einen Wunsch frei. Was wünscht Du Dir?

Eine merkwürdige Situation. Ich sitze im ICE nach München. In Nürnberg muss diese umwerfend aussehende alte Dame mit ihrer 30 cm Hochsteckfrisur eingestiegen sein. Trotz ihrer Million Falten sah sie einfach großartig aus. Das ist es wohl, was Charisma ausmacht.

Ich hatte gar nicht gemerkt, wie sie sich neben mich gesetzt hatte. Aber Sie kannte meinen Namen und stellte mir diese Frage. “Was wünscht Du Dir?”

Das ist eine gute Frage! Wie jeder andere auch, könnte ich mir einen feuerroten Ferrari, eine Weltreise, eine Million Euro wünschen oder was man sonst so haben will.

Was ist der Haken?” Es kann ja nicht sein, dass ich einen Wunsch erfüllt bekomme, ohne dass eine Gegenleistung erwartet würde.

 

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KrötenwanderungNormalerweise möchten wir Menschen auf die Finger klopfen. Wenn sie von etwas begeistert, ohne großes Nachdenken entscheiden. Denn unsere Begeisterung lässt uns selten die Kehrseiten unserer Faszination erkennen. Schon ohne Begeisterung ignorieren die meisten Menschen negative Informationen.

Doch um diesen Fall geht es heute nicht. Stattdessen möchte ich unser Auge darauf lenken, wie sehr uns das Entscheiden begeistern sollte.

Noch sehen das viele ganz anders: »Was soll daran schon begeistern? Ich muss bei meinen Entscheidungen so viele Kröten schlucken, dass Naturschützer mich als offiziellen Krötenwanderweg ausgewiesen haben!«

Die Entscheidung kann nichts für unsere Fehler

Das klingt nicht unbedingt begeisternd. Es soll allerdings auch Menschen geben, die ihre Katze in der Waschmaschine gewaschen und anschließend in der Mikrowelle getrocknet haben. Oder wie IT-Servicetechniker sagen: »Der Fehler sitzt in der Regel vor dem dem Gerät.«

Das begeistert

Im Moment der Entscheidung bekommen wir das, was wir schon die ganze Zeit wollten. So läuft es im Idealfall. Ich finde, das ist ein Grund für Begeisterung.

Stellen wir uns ein kleines Kind vor, wenn ein lang gehegten Wunsch erfüllt wird. Das ist Begeisterung! Diese Art der Begeisterung könnten wir auch empfinden.

Schritt für Schritt in die Zukunft

Natürlich ist diese Sicht sehr vereinfacht. In der Regel erarbeiten wir mit unseren Entscheidungen immer nur kleine Teile von dem, was wir ultimativ gerne erreichen wollen. Es wäre wahrscheinlich einfacher, wenn wir unsere Zukunft mit einer einzigen Entscheidung direkt vor die Haustür geliefert bekämen. Aber als ich beim letzten Mal nachgesehen habe, hatte keines der großen Versandhäuser – auch nicht Amazon – die Zukunft im Angebot.

Daher realisieren wir sie uns Stückchen für Stückchen mit unseren Entscheidungen. Doch wenn wir nur einen Funken Vorstellungskraft besitzen, müsste uns diese Idee bei jeder Entscheidung begeistern: »Ich bekomme das, was ich will!«

Und was ist mit den Kröten?

So wie in die Waschmaschine keine Katze, sondern Wäsche gehört, so müssen wir unsere Entscheidungen mit dem richtigen Informationen beliefern.

Wenn heute ein Fee käme und uns anbieten würde, alles zu erfüllen, was wir wirklich wollen, hätten über 80 Prozent der Menschen ein Problem. Denn die meisten von uns haben keine klare Vorstellung davon, wie sie ihre Zukunft aussehen lassen wollen.

Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Wenn wir nicht wissen, was wir wollen, landet die Katze doch wieder in der Waschmaschine. Nicht nur Katzen lehnen das ab.

Was haben wir 2023 erreicht?

Und daher lautet mein Rat des Tages: Finden wir heraus, was wir wirklich wollen. Dann dürfen wir bei unseren Entscheidungen auch begeistert sein.

Wie sehen unsere Ziele für das Jahr 2023 (kein Schreibfehler) aus? Was wollen wir alles erreicht und umgesetzt haben?

Vision Flagge»Wer weiß, wo er in zehn Jahren stehen will?« Das frage ich gerne die Zuschauer in meinen Vorträgen. Nur wenige Hände gehen dann nach oben und nicht jeder davon könnte mir wirklich Auskunft über seine persönliche Vision geben. Tatsächlich hat trotzdem jeder eine Vision, aber sie hat meist wenig mit dem eigenen Wollen zu tun.

Fragen wir uns jetzt doch einmal selbst, wo wir herauskommen, wenn wir genau so weiter machen wie bisher. Ich weiß, das könnte frustrierend sein.

Die versteckte Vision

Denn wir wissen ziemlich genau, wo uns unsere aktuelle Lebensweise hinbringen wird. Aber wir denken lieber nicht daran. Das ist unsere versteckte Vision.

Natürlich wird sich keiner hinstellen und stolz verkünden, wohin wir das Schiff unseres Lebens hinsteuern. Ganz im Gegenteil. Der Mensch verfügt über die Möglichkeit, sich beinahe alles schön zu reden. Wenn Reden nicht reicht, dann trinken wir uns das Leben schön. Bier, Wein und Schnaps verbreiten wieder gute Laune!

Die Alternative

Wir können allerdings auch anders damit umgehen. Wie wäre es, wenn wir mit unserem Blick in die Zukunft etwas Besseres anfangen? Die Zukunft sieht vielleicht nicht gut aus, wenn wir so weiter machen wie bisher. Aber Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Wir könnten ja auch andere Entscheidungen treffen.

Was hält uns davon ab? Viele kleine situative Momente. Jeder von uns trifft rund 20.000 Entscheidungen pro Tag. Das sind 730.000 Entscheidungen pro Jahr und in zehn Jahren treffen wir 7.300.000 Entscheidungen. Und jedes Mal haben wir die Wahl, uns den Moment leichter zu machen oder unsere Welt ein klein bisschen besser zu machen. Wenn es uns gelänge, ein paar Mal mehr pro Tag im Sinne der Langfristigkeit zu entscheiden, dann verändert das unseren Kurs.

Nehmen wir uns unsere versteckte Vision vor und überlegen, was sich alles verändern müsste, damit wir darauf stolz wären: Wo müssten wir beruflich stehen? Wie müsste unsere Partnerschaft aussehen? Wie unsere Gesundheit und Fitness, unsere Freundschaften, unser soziales Leben?

Denn Entscheidungen geben unseren Leben eine Richtung. Wenn wir eine andere Vision vor uns sehen als die bisher schamhaft versteckte, treffen wir auch andere Entscheidungen.

Ob wir das wollen, ist unsere eigene Entscheidung.

Christopher DornerMenschen wie Christopher Dorner handeln aus Hilflosigkeit. Sie wollen Gerechtigkeit und schaffen doch nur Schmerz. Ihr Problem: Sie denken nicht über ihre Situation hinaus und erliegen dem Tunnelblick. Dabei haben sie ganz andere Möglichkeiten, wenn sie langfristig denken und entscheiden.

Als Christopher Dorner seinen Ein-Mann-Krieg mit Los Angeles und seiner Polizei begann, war die Welt schockiert. Ein ehemaliger Polizist und Navy Seal richtet seine ehemaligen Kollegen und bedrohte viele weitere mit dem Tod. Ein paar Tage später ist der Spuk vorbei. Dorner ist tot, in einer Ferienhütte verbrannt, als Polizeikräfte ihn aus dem Verkehr ziehen wollen. Die spätere Autopsie ergibt, dass er sich selbst erschossen hat.

Am 1. Februar 2013 erhält der TV-Sender CNN ein Manifest. In dem droht der Ex-Polizist und Ex Navy Seal  Christopher Dorner dem LAPD und seinen ehemaligen Kollegen mit einer unkonventionellen und asymmetrischen Kriegsführung.

Am 3. Februar 2013 wird Monica Quan zusammen mit ihrem Lebensgefährten in der Stadt Irvine getötet. Monica Quan ist die Tochter des ehemaligen LAPD Captains Randal Quan. Nach dem Anschlag stellt das LAPD rund 50 Beamte und ihre Familien unter Personenschutz.

Am 7. Februar 2013 kommt es zu einer Schießerei mit der Polizei in Los Angeles, bei der ein Beamter ums Leben kommt.

Von diesem Zeitpunkt an ist Dorner auf der Flucht. Tagelang berichten die Medien über den Fall. Das LAPD setzt schließlich eine Belohnung von 1 Million Dollar aus, um den Ex-Polizisten zu erwischen.

Am 12. Februar 2013 ist es schließlich so weit. Dorner wird in einer Waldhütte gestellt und erschießt sich während eines Feuergefechts mit Spezialeinheiten der Polizei.

In Los Angeles spricht man gerne davon, dass Dorner verrückt geworden ist. Doch auch ein Verrückter braucht einen Grund, um zu handeln. Allerdings mag dieser Grund für uns nicht immer nachvollziehbar sein.

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Es gibt Momente, die möchten wir einfach zurückdrehen, bevor sie passiert sind. Denn ohne große Ankündigung steht plötzlich und unerwartet unser Schicksal auf dem Spiel.

So geht es jetzt vielleicht einem Polizisten in München. Heute früh zeigt die BILD das Foto einer jungen Frau mit gebrochener Nase und blauem Auge. Das Ergebnis eines Nachmittags im Polizeigewahrsam. So jedenfalls verkauft das Boulevard-Blatt die Nachricht.

Was war passiert? Die Junge Frau ruft bei einem Streit mit ihrem Freund die Polizei. Die Beamten nehmen beide mit aufs Revier. Dort gerät die 22-Jährige (nennen wir sie Viktoria) auch mit den Beamten aneinander. Der Streit eskaliert so weit, dass die Polizisten sie in eine Zelle verfrachten und auf einer Bank fixieren wollen. Dabei spuckt sie die Beamten an und tritt um sich.

Was dann passiert ist noch strittig. Das Ergebnis allerdings nicht. Einer der Polizisten (nennen wir ihn Wachtmeister Faust) schlägt Viktoria mit der Faust ins Gesicht. Als Leser bin ich erst einmal schockiert!

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