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© IstockphotoVor einiger Zeit bin ich mit meinem guten Freund Graham Rogers zusammen gesessen. Graham ist Mentaltrainer aber eben auch ein glänzender Verkäufer. Mich interessierte, warum viele Kunden erst dann zu mir kommen, wenn sie existentiell bedroht sind. Entscheidungserfolg ist doch für beinahe jeden Menschen wichtig.

Graham: “Kai, Dein Thema erreicht die Leute nicht emotional! Klar, besser Entscheiden bedeutet größeren Erfolg, aber das bewegt mich nicht. Die Menschen wollen wissen, was ihnen das Ganze persönlich bringt. Mehr Geld, mehr Erfolg – das ist nur die Oberfläche. Wenn Du Menschen erreichen willst, dann musst Du mehr bieten. Du musst emotional in die Tiefe gehen.”

Seitdem habe ich mir immer wieder Gedanken darüber gemacht, was denn der emotionale Touch meiner Leistung ist. Was biete ich den Menschen an? Sicherheit? Freiheit? Ein gutes Leben?

Die Frage ist deshalb nicht so einfach, weil gute Entscheidungen für jeden etwas anderes bedeuten können. Natürlich ist Geld und Erfolg für alle Menschen erstrebenswert, aber letztlich nur Mittel zum Zweck. Das Gleiche gilt für Sicherheit und Freiheit.

Was also gibt es mir als Menschen, wenn ich ein guter Entscheider bin?

Oder mal nach dem Misserfolg von Entscheidungen gefragt: Was ist denn das Ergebnis, wenn ich kein Geld, keinen Erfolg, keine Sicherheit und Freiheit habe? Dann ist zumindest die Mehrzahl der Menschen nicht glücklich.

Aha! Könnte es sein, dass die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen glücklich macht?

Angenommen, ich weiß, was ich will. Ich sehe einen Sinn in dem, was ich tue und entwickle voller Leidenschaft phantastische neue Handlungsalternativen. Mit meinen Entscheidungen fühle ich mich sicher auf der Strasse der Gewinner. Bei ihrer Umsetzung werde ich von vielen Menschen direkt unterstützt. Ich mache auch Fehler und lerne daraus. Beinahe täglich werde ich durch die glänzenden Ergebnisse meiner früheren Entscheidungen bestärkt. Ich lebe also meinen Traum. Wie könnte ich da nicht glücklich sein?

Ich denke, das Rätsel ist gelöst. Entscheidungserfolg macht glücklich!

Warum bin ich nur nicht schon früher darauf gekommen?

Es ist wie mit vielem im Leben. Der Normalzustand ist nicht weiter erwähnenswert. Ich bin ein glücklicher Entscheider und wenn der eine oder andere Kunde mir einige Zeit nach unserem Coaching erzählt hat, wie gut es ihm jetzt geht und wie glücklich er ist, dann hat mich das gefreut. Trotzdem ist mir bisher entgangen, dass diese einfache Weisheit auch die Antwort auf Grahams Frage ist. 🙂

© Jean-charles Caslot - FOTOLIA

Viele von uns leben in einem Zustand zwischen Glück und Unglück. Es gibt Höhe- und genauso auch Tiefpunkte, aber die meiste Zeit verbringen sie dazwischen.

So geht es auch Christian Roman (Name geändert). Für ihn stand es nie zur Diskussion, was er einmal werden will. Er ist Bäcker und hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Bis vor kurzem funktionierte er mehr als dass er lebte. Wenn etwas schief ging, wie ein Defekt an seinem Backofen, ärgerte er sich und wenn mal etwas Positives, wie eine Steuerrückzahlung kam, dann hat er sich bestimmt auch fünf Minuten gefreut. 🙂 Doch insgesamt lebte er wie betäubt vor sich hin.

Das änderte sich von einem Tag auf den anderen.

“Ich bin so froh, dass es Sie gibt”, meinte die runzelige alte Großmutter, die bestimmt schon bei seinem inzwischen verstorbenen Vater eingekauft hatte. “Für uns ältere Menschen ist es in die Stadt immer eine halbe Weltreise und Ihre Bäckerei ist das einzige Geschäft, das sich hier gehalten hat.”

“Na, Frau Schlegel, Sie leben doch nicht nur vom Brot, hoffe ich”, antwortete Roman.

“Nein, darum geht es auch gar nicht, die Bäckerei ist der Treffpunkt für die Älteren, um sich auszutauschen. Wir haben ja sonst nichts hier.”

Tatsächlich gab es eine bestimmte Zeit am Vormittag, wo besonders viele alte Menschen die Bäckerei besuchten. Oft standen sie nach dem Einkauf noch ewig vor dem Schaufenster und unterhielten sich. Bis zu diesem Zeitpunkt war sich Bäcker Roman nicht bewusst, warum er das alles machte. Ihm fehlte der Sinn im Leben.

Mit einem Mal wird ihm bewusst, was seine Aufgabe ist. Er bot zwar Brötchen usw. an, aber in Wirklichkeit gibt er den vielen alten Menschen in seinem Viertel einen Treffpunkt, ohne den sie vereinsamen würden.

Zum ersten Mal in seinem Leben wusste er, was seine Mission (sein Auftrag, der Sinn in seiner Arbeit) war.

Was würde er mit der neuen Erkenntnis tun?

Es kam nicht wirklich darauf an, wie toll die Qualität seiner Brötchen und Brote war. Denn seinen senioren Kundinnen und Kunden geht der Geschmackssinn dafür ab. Wer allerdings nicht mehr lange stehen kann, für den ist eine Bäckerei nicht der bequemste Treffpunkt.

Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelt Bäcker R. ein ganz neues Geschäftskonzept.

Für die Bäcker gibt es heute die ultimative Gretchenfrage. Sollen Sie selbst den Teig anrühren und alles in der eigenen Backstube backen oder die Teigrohlinge einer Großbäckerei im Verkaufsraum aufbacken?

Normalerweise beginnt der Tag eines Bäckers mitten in der Nacht, weil die Kunden ihre Frühstücksbrötchen schon sehr früh haben wollen. Mit den Rohlingen kann der Bäcker mindestens bis fünf Uhr im Bett bleiben. Nur wodurch unterscheidet er sich dann vom Angebot im Supermarkt? Obwohl er die Annehmlichkeit gerne wahr genommen hätte, konnte Roman das lange Zeit nicht mit seiner Ehre als Bäcker vereinbaren. Doch Bäcker zu sein, war jetzt nicht mehr seine Hauptaufgabe.

Christian Roman hatte eine bessere Verwendung für seine Backstube gefunden. Er wandelte sie in ein Seniorencafé um, das äußerst gut besucht ist. Die Sache mit den Teigrohlingen stört niemanden. Viel wichtiger aber: Der Bäcker ist mit vollem Einsatz dabei. Er hat eine Richtung für sich gefunden und alle Entscheidungen gehen ihm leicht von der Hand. Denn er weiß jetzt, was er will.
Dabei verfolgt er längst eine größere Vision. Er ist fest davon überzeugt, dass es noch andere Standorte gibt, wo das Konzept aufgehen könnte. Er wird in naher Zukunft seinen Seniorentreff auch in anderen Städten anbieten.

Ein Mann, der seine persönliche Mission und seine Vision entdeckt hat, ist eben nicht aufzuhalten 🙂