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Dieser Beitrag ist Teil 3 von 3 in der Serie Entscheidungsklarheit

Wer genau weiß, was er will, kann sich mit “normalen” Lösungen nicht zufrieden geben. Er sucht Lösungen, die nicht nur seinen aktuellen Bedarf decken. Er sucht Lösungen, die auf eine besondere Art zukunftsfähig sind. Lösungen, die ihm den Weg in die Zukunft ebenen, die sich der Entscheider vorher ausgedacht hat.

Wasserglas 3 StückDamit entsteht natürlich eine neue Herausforderung. Nach einer erfahrungsbasierten Lösung müssen wir nicht lange suchen. Wir kennen sie aus der Vergangenheit. Anforderungen, die auf unserem individuellen Zukunftsbild basieren, verlangen nach neuen Lösungen. Ein Rätsel ist ja nur deshalb ein Rätsel, weil wir die Antwort noch nicht kennen. Zwischen unseren Anforderungen und möglichen Lösungen gibt es eine Lücke, die wir selbst mit systematischem Denken nicht stopfen können.

Bei einem Rätsel suchen wir nach der richtigen Idee. Irgendwann fällt  der Groschen, manchmal aber nicht. »Hast Du einen Tipp für mich?« Das fragen wir dann gerne.

Beispiel: Es fliegt nicht, hat aber zwei Flügel. Es kann nicht liegen, hat aber einen Rücken. Es kann nicht stehen, hat aber ein Bein. Es kann nicht gehen, kann aber laufen. Was ist das?

»Hast Du einen Tipp?«

»Jeder sollte sich hin und wieder daran fassen!«

»Jetzt weiß ich es! Es ist die Nase«

Eigentlich ist das merkwürdig. Denn der Tipp ist nichts anderes als eine weitere Einschränkung. Aber weil wir damit auch den Suchraum eingrenzen – was ist so nah, dass ich es anfassen kann? –, finden wir die Lösung schneller.

Anforderungen geben unserem Gehirn also Tipps, wo es suchen soll. Je klarer die Anforderungen gefasst sind, desto eher finden wir passende Lösungen. Probieren Sie einfach einmal aus, ob Sie Ihre Anforderungen noch genauer fassen können oder sogar verschärfen können.

Zum Beispiel anstatt nur darüber nachzudenken, wie Sie alle Termine mit drei Kunden und einem Lieferanten  an einem Nachmittag in Ihrer Firma unter einen Hut kriegen sollen, bauen Sie eine Zusatzanforderung ein. »Ich möchte zwischendrin auch noch einmal in Ruhe Kaffee trinken und ein Stück Kuchen genießen!« Was sich erst einmal verrückt anhört, führte aber dazu, dass der Unternehmer mit seinen drei Kunden zusammen ein angenehmes gemeinsames Kaffeekränzchen organisierte. Bei der Gelegenheit überzeugte der begeisterte Stammkunde die beiden Neukunden, doch gleich einen langfristigen Liefervertrag abzuschließen. Die Verschärfung der Anforderung hat den Unternehmer außerhalb seiner normalen Erfahrungen (der Vergangenheit) suchen lassen.

Falls dieser Tipp nicht funktioniert, könnte es einfach daran liegen, dass die Anforderungen thematisch sehr weit auseinanderliegen. Ich hatte einmal den Fall eines Unternehmers, dessen Geschäftsführer nicht nur ein Alkoholproblem hatte, sondern auch in die Kasse langte und gleichzeitig sein ältester Freund aus Jugendtagen war. Der Unternehmer steckte in einem Dilemma. Auf der einen Seite gefährdete sein Jugendfreund als Geschäftsführer das Unternehmen, auf der anderen Seite wollte der Unternehmer dem Alkoholkranken ein guter Freund sein. Was sollte er tun? Die Lösung war einfacher als gedacht.

Manchmal hilft es, einzelne Anforderungen auszublenden, die wir später getrennt betrachten. Fragen Sie sich, »welche eine Anforderung, müsste ich wegfallen lassen, um auf Anhieb auf eine Lösung zu kommen?« Das geht meistens ganz gut. Danach schauen wir uns  die ausgeklammerte Anforderung getrennt an. Wir suchen nach Lösungen, die nur diese eine Anforderung erfüllen. Oft ergibt sich dann plötzlich die eine oder andere Idee, wie alle Anforderungen mit einer einzigen Lösung unter einen Hut passen. Unser Gehirn arbeitet oft assoziativ. Das heißt, es sucht nach Ähnlichkeiten und bildet so neue Ideen.

Die Lücken zwischen unseren Anforderungen und Lösungen können wir also durch gute Ideen schließen. Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich gefordert, dass wir das Warum hinter unserer Entscheidung, also unsere Anforderungen genau kennen sollten. Jetzt ist auch klar, was uns das bringt: zukunftsfähige Lösungen.

Bei vielen erfolgreichen Entscheidern fragen wir uns, wie sie auf ihre genialen Lösungen gekommen sind. Jetzt wissen wir, wie wenig Glück und wie viel Selbsterkenntnis dahinter steckt. Je genauer wir wissen, was wir wollen, umso schneller entwickeln wir die passenden Lösungen dafür.

Es liegt in unseren eigenen Händen, ob wir später für unsere Entscheidungen bewundert werden oder mit wie vielen Lösungen wir uns einfach nur zufrieden geben und wie viele wir in unserem eigenen Interesse neu erschaffen. Mit zukunftsfähigen Lösungen erreichen wir mehr, weil die alten Probleme erledigt sind und sich uns nicht immer wieder in den Weg stellen. Ganz zu schweigen davon, dass wir mehr Sinn und Erfüllung im Alltag erleben.

 

 

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 in der Serie Entscheidungsklarheit

Teil I meiner Serie über Entscheidungsklarheit

Wasserglas»Liebling, bringst Du mir Taschentücher mit?« Ein einfacher Auftrag. Ich weiß genau, welche Taschentücher meine Frau kaufen würde. Ich kenne die Marke und es dürfen nur die einfachen Tücher ohne Schnickschnack sein. Später im Supermarkt brauche ich mir keine großen Gedanken zu machen.

Wenn wir ganz konkret wissen, was wir wollen, ist jede Entscheidung einfach. Daher glauben viele, dass ich mit dem Begriff Entscheidungsklarheit genau das meine: Wer ganz konkret weiß, was er will, ob es Taschentücher, Autos, ein Softwaresystem, ein Dienstleister oder der Lebenspartner ist, hat Entscheidungsklarheit. Das klingt plausibel und sie haben sogar fast recht damit.

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Wort zum Sonntag Kennen Sie das auch? Irgendetwas weicht von der Norm ab. Vielleicht macht das Auto ein Geräusch, das es nicht machen sollte. Oder der PC öffnet nach dem Hochfahren immer ein Dialogfenster, mit der Aufforde­rung etwas zu bestätigen. Doch egal wie oft sie es bestätigen, beim er­neuten Start kommt das Fenster wie­der hoch.

Das Geräusch tritt vielleicht nur in wenigen Situationen auf und wir müs­sen das Fenster nur einmal am Tag wegklicken. Trotzdem stört es uns.

Das nehmen wir hin

Die meisten von uns arrangieren sich mit diesen kleinen Fehlern, obwohl es vermutlich eine Lösung gibt.

Manchmal haben wir das Glück, dass ein Profi unser kleines Problem zu sehen bekommt. Dann heißt es vielleicht: »Ihr Antriebsriemen ist morsch und müsste dringend ausgewechselt werden. Reißt er, ist ihr Motor hinüber. Das wird dann richtig teuer«.

Oder zu unserem Computerproblem: »Ein Trojaner versucht ihren Virenscanner zu deinstallieren. Ich würde dringend etwas tun, sonst könnte sich ihr Bankkonto verselbständigen

Wir sind tolerant

Sich mit Fehlern zu arrangieren kann schwere Konsequenzen nach sich ziehen.

Schön! Das war also das Wort zum Freitag. Aber was will ich damit sagen?

Denken wir doch einmal darüber nach. Unser Auto ist ein Wertgegen­stand, in unserer Computer ist Bankschalter, Einkaufszentrum und manchmal Ablageort unserer intimsten Geheimnisse.

Wenn wir Symptomen in diesen Bereichen keine Aufmerksamkeit schenken, werden wir es dann bei anderen Symptomen tun, die z.B. unsere Fähigkeit als Entscheider einschränken?

Es ist bestimmt nicht so wichtig

Vielleicht fühlen wir uns manchmal unschlüssig oder wir ärgern uns re­gelmäßig das Falsche getan zu haben.

Aber tun wir etwas dagegen? Oder machen wir es wie mit dem Com­puter und klicken im Fenster “Geschenk der Griechen möchte Daten an einen externen Server übertragen. Wollen Sie das zulassen?” einfach auf OK?

image »Was ist Ihr Ziel. Was wollen Sie mit dem Streit erreichen?«

»Hallo! Mein Kompagnon hat damit angefangen! Er ist die un­treue Tomate. Er hat eine zweite Firma gegründet und lässt mich hier hängen.«

»Ich weiß! Zum Streiten braucht es zumindest zwei entschlos­se­ne Parteien. Stimmen Sie mir zu?«

»Ja! …?«

»Ok! Sie sind also auch entschlossen. Zu was sind Sie denn entschlossen, jenseits der Verletzung, die Ihnen Ihr Kompagnon bei­gebracht hat. Was wollen Sie erreichen?«

»Er soll sich bei mir entschuldigen, seine Fehler einsehen und wieder voll in unserer gemeinsamen Firma mitarbeiten

»Ok! Versuchen wir das einmal neutral zu sehen. Wir haben jetzt Klarheit über Ihr Ziel. Als Entscheider brauchen Sie jetzt attraktive Entscheidungsalternativen. Was könnten Sie tun, um Ihr Ziel zu er­rei­chen?«

»Dem Hundesohn kräftig in den Hintern treten?«

(Lacht) »Gut! Gehen wir es von der Seite an. In welche Zukunft führt sie der “kräftige Tritt in den Hintern”?«

(Grinst) »Ich werde mich richtig gut fühlen

»Und danach?«

(Seufzt) » … stehe ich wahrscheinlich ohne Partner da

»Kommen wir Ihrem Ziel damit näher?«

» … «

Streit ist wichtig

Jeder von uns wird hin und wieder in einen Streit hineingezogen. Das lässt sich nicht vermeiden. Zudem ist Streit auch ein effektives Instrument, um unserer Umgebung ein deutlich sichtbares Stopp­sig­nal zu setzen. Und manchmal braucht es auch ein reinigendes Ge­wit­ter, damit danach alles besser wird.

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“Ich kann an meiner Situation nichts ändern. Mir fehlt das Geld und die Kraft dazu, es ist so deprimierend!” So Peter Ginster*, ein Vertriebler ohne Perspektive

Viele Menschen denken sich in einen Zustand der Hilflosigkeit und können Ihre Probleme dann nicht lösen.

Im Hintern Ihres Problems finden Sie kein Manna

Dabei zäumt der oben Zitierte das Pferd von Hinten auf. Angenommen wir finden uns in einer sehr unbefriedigenden Situation wieder. Dann sollten wir uns keinesfalls Gedanken über das “Wie” machen, bevor wir das “Was” kennen. Das “Wie” wäre hier zum Beispiel die Kündigung des eigenen Jobs, obwohl der Ginster hoch verschuldet ist.

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Wir in Deutschland arbeiten seit über einem Jahrhundert an unserem Sozialstaat mit seinen Versicherungen und Hilfestellungen. Wenngleich es uns gelungen ist, Armut wie in Südafrika zu besiegen, so muss unser System doch für einige Bevölkerungsgruppen über Jahrzehnte Transfers leisten.

Umverteilung nennt es sich, aber im Grunde werden damit nur die Verhältnisse zementiert, ohne etwas an deren Ursache zu verändern.

Die Ursache für Ungleichheit

Die Ursache in Südafrika für die Ungleichheit der Menschen ist heute nicht mehr die Hautfarbe, sondern ganz eindeutig der dramatische Unterschied im Bereich der Bildung. Wer weder Lesen noch Schreiben kann, wird niemals so viel verdienen können, wie z.B. ein Herzchirurg.

Obwohl Südafrika gute Lehrer und Schulen hat, ist der Analphabetismus weit verbreitet. Gerade Kinder aus ärmeren Schichten schaffen es selten bis zum Schulabschluss. Beides ist nicht mehr nur eine Hypothek des Apartheit Regimes.

Dies produziert einen Unterschied zwischen Arm und Reich, den kein Sozialsystem dieser Erde abfangen könnte.

Das Feigenblatt

Wie bei uns auch, gibt es natürlich auch Abendschulen, in denen Erwachsene sich fortbilden können. Doch genauso wie bei uns auch, nehmen ehemalige Bildungsversager diese Angebote nur selten wahr.

Bildung in unserer Kultur funktioniert meistens nach einem ganz klaren Lebensplan. Am Anfang des Lebens gehen alle zur Schule, in die Lehre oder zur Universität. Danach arbeiten wir und verdienen Geld. Ja nach Unternehmen bekommen wir dazu noch arbeitsspezifische Fortbildungen, aber viel mehr Bildung kommt nicht dazu.

Das Wissen in der Welt verdoppelt sich alle 5 Jahre

Wenn wir davon ausgehen, dass sich das Wissen in der Welt alle 5 Jahre verdoppelt, ist dieser Zeitplan für den Bildungserwerb nicht mehr zeitgemäß.

Einmal gescheitert, arm bis zum Lebensende

In Südafrika zementiert diese Lebensplanung die massive Ungleichheit. Wer es aufgrund seines armen Elternhauses nicht geschafft hat, die Schule zuende zu führen, hat für den Rest seines Leben verloren. Hier in Deutschland geschieht das Gleiche nur auf höherem Niveau. Dazu kommt aber noch, dass die Risiken für eine unverhoffte Armut mit dem Alter steigen.

Denn Menschen, die heute ihren Job verlieren, werden nicht nur wegen ihres Alters diskriminiert, sondern auch, weil der Rest der Welt sie vom Wissen oft genug überholt hat.

Das falsche System

Während das passiert, diskutieren unsere Politiker darüber, wie schlecht die Qualität unserer Schulen ist. Wer hier allerdings optimieren will, investiert in ein zum Scheitern verurteiltes System.

Besser ist lebenslanges Lernen

Denn was wir brauchen ist tatsächlich ein lebenslanges Lernen. Quasi eine lebenslange Schulplicht. Damit gäbe es auch keine Schulabgänger mehr. Wer etwas als Jugendlicher nicht  gelernt hat, wird es dann eben als junger Mann oder noch später im Leben lernen. Wichtig ist nur, dass die Chancen dazu nicht aufhören.

Wer erfolgreich im Bildungssystem ist und einen Universitätsabschluss erwirbt, wird in regelmäßigen Abständen über Online-Kurse sein Wissen auf den neuesten Stand bringen und dies nachweisen.

Sollte er dann aus welchen Gründen auch immer seine Arbeitsstelle verlieren, ist sein Wissen auf einem topaktuellen Niveau, nicht nur in den Bereichen, die für seine bisherige Tätigkeit wichtig waren.

Kosten und Rendite

Ein solches System des kontinuierlichen Lernens wird sehr viel Geld kosten. Das ist richtig. Allerdings kosten unsere Sozialsysteme heute schon so viel, dass wir uns das auf die Dauer ohnehin nicht leisten können.

Lebenslanges Lernen würde die Sozialsysteme so nachhaltig entlasten, dass sich das neue Bildungssystem von selbst finanziert und darüber hinaus.

Denn unser Kapital und Rohstoff sind die Köpfe unserer Menschen. Wenn wir ihr Potential auch endlich einmal ausreizen würden, dann gäbe es ein Wachstum, wie wir es seit dem Wirtschaftswunder nicht mehr erlebt haben.

Müssen wir denn handeln?

Können wir es uns wirklich erlauben, auf all die Menschen zu verzichten, die heute keinen Bildungsabschluss schaffen? Können wir es uns auch weiterhin erlauben, dass unsere Leistungsträger mit der Zeit ihr Leistungsvermögen verlieren, weil ein Teil ihres Wissens veraltet?

Ich denke nicht. Irgendwann müssen wir ohnehin unser Bildungssystem umstellen. Warum machen wir es nicht, solange wir damit noch gegenüber anderen Volkswirtschaften einen Vorteil erzielen können?

Was denken Sie?