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Ich hatte es schon befürchtet, dass Stoiber seine Entscheidung doch schneller treffen würde, als es unser virtueller Stoiber in seinem mehrteiligen Beitrag in diesem Blog macht. 🙁
Ich hatte zu Beginn gesagt, dass ich hier keine Politik machen möchte. Daher setze ich den virtuellen Entscheidungsprozess für einen Tag aus.

Allerdings kann ich als Blogger auch einmal inkonsequent sein und muss hier doch einmal etwas los werden. Von der bayerischen SPD hätte ich eigentlich mehr erwartet. Sie möchte gerne über einen Volksentscheid eine Neuwahl erzwingen. Die Begründung: Die Dinge hätten sich durch die jüngsten Ereignisse grundlegend geändert und man müsse die Wähler fragen, ob sie das noch wollten. 😯

Was hat sich denn geändert? Sind über Nacht hunderttausende von Bayern arbeitslos geworden? Hat der Ministerpräsident Gelder veruntreut? Hat die Landesregierung die Verfassung abgeschafft?

Nein, nichts von alledem, sondern durch einen innerparteilichen Machtkampf ist allen klar geworden, dass sich etwas an der Führung verändern sollte.

OK! Dann wird der Ministerpräsident in Bayern wohl durch Direktwahl bestimmt? Nein? Dann verstehe ich jetzt nichts mehr. Die Bayern haben 2003 einen Landtag gewählt und dieser hat einen Ministerpräsidenten und seine Regierung gewählt.

Am Landtag hat sich nichts geändert und es deutet auch wenig darauf hin, dass es zu einem radikalen Politikwechsel kommen würde. Vielmehr passiert hier ähnliches, wie am 27. Mai 1998 in NRW als Wolfgang Clement Johannes Rau als Ministerpräsident ablöste. Jürgen Rüttgers (CDU) forderte damals keine Neuwahlen.

Ich will natürlich nicht vergessen, dass der Wunsch nach Neuwahlen auch von den anderen Oppositionsparteien im Landtag ausgeht. In den aktuellen Umfragen hat die CSU 45% bei ihren Wählern.

Ähnlich schlechte Werte gab es allerdings bereits 1993 im Rahmen der Amigo-Affäre. Da hat die SPD wohl etwas gelernt, denn in den darauffolgenden Wahlen hat der damals jüngere Stoiber wieder die absolute Mehrheit hergestellt. Das will man wohl verhindern und schnell noch die für die CSU ungünstige Stimmung nutzen. Ach ja, der Blick auf das Wahlergebnis von 2003 erklärt vermutlich die ehrenwerten Absichten der Opposition… 😛

Egal wie man zu der CSU oder zu jeder anderen Partei steht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Neuwahlen jeder Beliebigkeit anheim gegeben werden sollten. Jede Wahl kostet viel Geld und es spricht nicht für eine Demokratie, wenn der Souverän wieder ein neues Urteil sprechen muss, wenn es gerade einer politischen Gruppierung in den Kram passt. Wir kommen damit in ein Fahrwasser, dass wir nach 1945 zum Glück verlassen haben.

Ach so, damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen, meine politische Heimat ist eher liberal geprägt und ich bin kein Anhänger irgendeiner Partei in Deutschland :mrgreen:

© Klementiev - FOTOLIA

Teil 3 meiner Präkonstruktion, wie Edmund Stoiber sich zu der M-Frage entscheiden könnte.

Teil 1: Die Ausgangssituation
Teil 2: Entscheidungsklarheit für Stoiber

Heute geht es um mögliche Alternativen. Nach dem gestrigen Tag weiß unser virtueller Stoiber, was er wirklich will. Vielleicht ist er damit weiter als der reale Stoiber. Doch das ist Spekulation :-).

Wenn wir uns noch einmal seinen Entscheidungskompass ansehen, dann ist klar, dass für ihn drei Aspekte besonders im Fokus stehen. Das ist zum einen der Erhalt seines politischen Vermächtnis, seine Grundsatztreue und die Sicherung von Einfluss.

Die derzeitige öffentliche Diskussion dreht sich um lediglich zwei Alternativen: Stoiber hält an allen Ämtern und Würden fest und kandidiert 2008 ein weiteres Mal für das Ministerpräsidentenamt oder er zieht sich aus der Politik zurück.

Das ganze ist natürlich eine Entscheidungsfalle. Gute Entscheidungen brauchen zumindest drei Alternativen. Von gestern kennen wir das Ziel der Entscheidung, das wohl auch einige Alternativen ermöglicht: Eine “ordentliche” politische Führung für die CSU und Bayern 🙂

Grundsätzlich hält unser virtueller Stoiber sich selbst für den besten Kandidaten. Allerdings ist Stoiber auch ein Fuchs und diesmal wäre er es, der sich aufzuzwingen versucht und nicht sein alter Feind Theo Waigel.

Daher darf die eigene Kandidatur nicht die einzige Alternative sein.

Bevor er aber über alternative Kandidaten nachdenkt, muss er für sich den zweiten Teil des Problems untersuchen: Was macht er, wenn er nicht mehr Ministerpräsident ist?

A. Seine ursprüngliche und etwas in die Jahre gekommene Idee, Kanzler zu werden würde ihm in der derzeitigen politischen Konstellation nicht gefallen. 🙂

B. Bruder Johannes hat es vorgemacht, er könnte Bundespräsident werden. Zwar hat BP Köhler noch einige Jahre im Amt aber Stoiber hat auch immer seine Geduld und Beharrlichkeit ausgezeichnet. Diese Alternative würde zumindest in die Ämterfolge passen.

C. Eine viel größere Herausforderung wäre es allerdings, die Münchner CSU zu einen und als Oberbürgermeisterkandidat den sehr beliebten SPD-Fürsten Christian Ude zu beerben. Die CSU in München hat schon so viele Führungskräfte der Partei verschlissen, dass jeder von einer Herkules-Tat sprechen würde, gelänge das Kunststück.

D. Die Probleme, die Siemens gerade mit versteckten Kassen, Korruption etc. hat, könnte Stoiber dazu bringen, eine Stiftung für das “saubere” Unternehmen zu gründen und dieser höchstselbst vorzusitzen. Gemessen an seiner Vita muss ihm das ganze Treiben der Unternehmen in München ein Dorn im Auge sein und ein Anliegen, hier für Ordnung zu sorgen.

E. Er könnte es seinem Parteivetter Mayer-Vorfelder nachmachen und das Vereinspräsidentenamt eines Fußballvereins z.B. bei den Löwen übernehmen. Die Bayern würden wohl eher an Franz festhalten 🙂

F. Er könnte ein Amt in der europäischen Kommission übernehmen, da wird demnächst eine Stelle frei 🙂

G. Er könnte auch das Amt des Parteivorsitzenden ausfüllen, ohne Ministerpräsident zu sein.

Als rein externer Betrachter, den wir mit unserem virtuellen Stoiber darstellen, bleibt uns hier und heute die Schöpfung weiterer beruflicher Alternativen verwehrt. Allerdings stehe ich dem realen Stoiber gerne zu Verfügung, ihn dabei zu unterstützen 🙂

Halten wir fest, seine Alternativen sind jetzt

  1. Nichts ändern, an allem festhalten
  2. Vollrücktritt und in Pension gehen
  3. Teilrücktritt, z.B. als Ministerpräsident, aber nicht als Parteivorsitzender
  4. Vollrücktritt mit neuer beruflicher Vision (A. – G.)

Vermutlich werden Sie diese Alternativen nicht besonders überraschen finden. Das geht mir ähnlich. Nur wäre es albern, einige der sehr kreative Möglichkeiten, die sonst in Zusammenarbeit mit dem Entscheider zustande kommen, hypothetisch zu besprechen. 🙂

Allerdings möchte ich Sie nicht daran hindern, durch Ihre Kommentare weitere Handlungsoptionen Stoibers aufzudecken. Ich werde diese im weiteren Entscheidungsprozess in die Analyse miteinschließen.

Morgen gehe ich der Frage nach, wie sich Stoiber für seine Handlungsalternativen die größtmögliche Unterstützung sichern kann.

SanduhrWie wir in meinem gestrigen Beitrag gesehen haben, ist Stoiber in keiner leichten Situation. In meinem Blog versuche ich ohne Parteipolitik und ohne Insiderinformation nach zu gestalten, wie er sich entscheiden könnte.

Wir beschäftigen uns heute mit der Frage, wie Stoiber Entscheidungsklarheit gewinnen kann.

Auf welcher beruflichen Mission befindet sich Stoiber? Also welchen persönlichen Auftrag hat er in seinem Leben aus den ihm zu Verfügung stehenden Talenten und Fähigkeiten abgeleitet. Unter Franz-Josef Strauß war er der unermüdliche Arbeiter, der diesem treu gedient hat. Sein Pflichtgefühl und Arbeitseinsatz war seinen Landsleuten so untypisch, dass er als der bayerische Preuße tituliert wurde. Jemand also, der nicht ganz zur leichten bayerischen Lebensart gehört. Hart arbeiten war nicht das Einzige, was ihn bewegt hat. Als 1993 der damalige Ministerpräsident Max Streibl die CSU in die Amigo-Affäre geführt hatte, war er derjenige mit der weißen Weste, der wieder für Ordnung und vor allen Dingen für ein neues Vertrauen sorgte. Man kann annehmen, dass es seine berufliche Mission war, den bayerischen Laden zu säubern und sauber zu halten.

Seine berufliche Vision, also sein Langfristziel ist sicherlich nicht so selbstlos :-). Denn auch wenn Stoiber zunächst eher eine Beamtenmentalität in die bayerische Staatskanzlei brachte, so war er immer auch sehr ehrgeizig. Es kann ihm nicht einfach gefallen sein, Streibl zu dienen, der es häufig nicht so genau nahm. 😮 Ich denke, seine Vision war es, bayerischer Ministerpräsident zu werden und in seinem Sinne für Ordnung zu sorgen. Vermutlich ist seine heutige Vision nicht so klar. Denn Ministerpräsident ist er seit 13 Jahren und das mit der Ordnung fällt zunehmend schwer, da die Machtposition wohl detailblind macht und die Realität eine ganz eigene wird.

Das Ziel seiner Entscheidung: Eine “ordentliche” politische Führung für die CSU und Bayern

Entscheidungsauslöser: CSU-Basis und Stoibers Feinde machen Front gegen eine erneute Kandidatur

Problemlösende Frage: Wie kann ich als strahlender Sieger aus dieser Situation hervorgehen und meinen Einfluss erhalten?

Bei der Zielformulierung sollte Stoiber nicht dem inneren Druck nachgeben. Denn innerlich schreit natürlich alles in ihm, die für ihn schreckliche Situation einfach nur zu beenden. Mit dem Ende fehlt es allerdings an der Richtung für seine Entscheidung.

Wenn Stoiber in seinem Entscheidungsprozess die Kontrolle behalten will, muss er wissen, welche Konsequenzen sich aus seiner Entscheidung ergeben sollen.

  • Sein politisches Vermächtnis bleibt erhalten- Stoiber ist 64 Jahre alt. Er hat seiner Partei große Erfolge ermöglicht und er hat sie vor der Amigo-Affäre bewahrt.
  • Seine Politik wird fortgesetzt und die ehemaligen “Amigos” bleiben draußen. 🙂
  • Er ist einflussreich
  • Sein Ruf darf nicht beschädigt werden
  • Er hat eine anspruchsvolle Aufgabe und kann sich darin erfolgreich behaupten
  • Er bestimmt selbst seinen Ausstieg aus der Politik
  • Er bleibt seinen Grundsätzen treu.

Diese Konsequenzen stellen seinen Bedarf dar. Daraus leiten wir seine Entscheidungskriterien ab und gewichten diese über einen paarweisen Vergleich der Kriterien A bis E:

Gewichtungsmatrix

Damit ist sein Entscheidungskompass fest gelegt und er weiß, worauf es ihm ankommt. Einen Mangel hat meine Überlegung natürlich 🙂 Ob Stoiber von denselben Motiven geleitet wird, wie in der Vergangenheit oder einfach von dem Gedanken “die nehmen mir das nicht weg”, kann ich leider nicht beurteilen. Im letzten Fall würde sein Entscheidungsverhalten erheblich destruktiver sein. Allerdings enthält sein Entscheidungskompass auch nicht mehr das Wohl der CSU. Denn das wird bei den Querelen der jüngsten Zeit nicht unbedingt in seinem Fokus stehen 🙂

Morgen mache ich mir Gedanken über seine potentiell attraktiven Alternativen, die er zur Verfügung hat.

Update:

Ganz offensichtlich nähert Stoiber sich langsam einer Entscheidung, die durchaus seinem hypothetischen Entscheidungskompass entspricht.

…Stoiber trat nach Teilnehmerangaben zugleich dem Eindruck entgegen, dass er an seinem Stuhl klebe. Er habe zugesagt, eine gemeinsame Lösung anzustreben. Er müsse nicht erneut kandidieren, wolle dies aber tun...

via Faz-Net

© moonrun - FOTOLIA

Lieber Leser, Parteipolitik hat in diesem Blog nichts zu suchen. Ich finde jedoch, dass der bajuwarische Ministerpräsident und Parteivorsitzende der CSU vor einer hochinteressanten Entscheidung steht. So interessant, dass ich mir überlegt habe, wie er seine Entscheidung gestalten könnte.

Die Ausgangslage: Nach der gewonnenen (?) Bundestagswahl hat Stoiber in den Augen seiner Öffentlichkeit einen kleinen Schlingerkurs hingelegt, bis er herausgefunden hatte, dass er sich als bayerischer Ministerpräsident doch am wohlsten fühlt.

In Bayern hatte man derweil schon anders gedacht und wollte bereits einen neuen Ministerpräsidenten willkommen heißen. Doch weit gefehlt, der neue war der alte Ministerpräsident. Der hatte sich zwar nicht verändert, aber seine Zauderhaftigkeit beim Entscheiden führte zu einem massiven Ansehensverlust. Ganz unter uns: Das sollte einem zu denken geben und demnächst vielleicht frühzeitig mit Hilfe eines Coachs klären, wie die Entscheidung aussehen soll 🙂

Der Führer eines Landes soll wohl zumindest als entscheidungsstark gelten.

Nun ist Herr Stoiber bereits 13 Jahre im Amt und möchte 2008 noch einmal dafür kandidieren. Nur die Parteibasis und die Wähler wissen nicht, ob sie das wirklich unterstützen wollen. So jedenfalls die jüngsten Umfragen. Danach würden ihn nur noch 45% der Wähler haben wollen. Wir erinnern uns, wir sind in Bayern und da kommt ein Sinken unter die 50%-Marke einer Marginalisierung der Partei gleich. 😛

Eine Landrätin aus Fürth hat sich ein Herz gefasst und Herrn Stoiber öffentlich aufgefordert, es doch 2008 einem anderen zu überlassen. Diese Forderung würde natürlich ein wenig idealistischer klingen, hätte nicht der jetzt ehemalige Büroleiter Herrn Stoibers zeitweilig das Privatleben der Landrätin ausforschen lassen, um schmutzige Wäsche an Licht zu fördern. Man fasst es kaum, aber einige Leute mögen so etwas nicht. So ist Frau Dr. Pauli in die Offensive gegangen. Der Büroleiter musste gehen und vielleicht auch der Ministerpräsident.

Denn mehr und mehr alte und neue Feinde Stoibers schlagen sich auf die Seite derer, die keinen Stoibersieg in 2008 sehen wollen oder an diesen nicht mehr glauben können. Natürlich bedingt das eine das andere, aber das sei hier nur Nebensache.

Herr Stoiber steht jetzt also vor der Frage, wie er mit der ganzen Situation umgehen soll. Wie soll er sich entscheiden?

Meine treuen Leser wissen, für eine gute Entscheidung sind genau drei Fragen zu klären:

  1. Wie erziele ich für mich Entscheidungsklarheit
  2. Wie schaffe ich attraktive Entscheidungsalternativen
  3. Wie sichere ich mir die größtmögliche Unterstützung für die Umsetzung der Entscheidung?

Genau diese Fragen werde ich exemplarisch und leider ohne Beteiligung des Entscheiders 🙂 zu klären versuchen.

Dazu jedoch Morgen mehr!