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Griechischer Lauf

In wenigen Tagen könnte es passieren. Griechenland verlässt den Euroraum. Niemand wollte das und doch wird es passieren. Denn seit 2008 ist nichts besser geworden. Griechenland macht eine Depression durch, die  an die Weltwirtschaftskrise 1929 erinnert. Eine offizielle Arbeitslosenquote von 24 Prozent, 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit und als Tüpfelchen auf dem i, korrupte Eliten. Der Grexit wäre eine gute Entscheidung.

Die Milliarden der EZB und der Europäischen Hilfsprogramme kommen nicht bei den Menschen im Land an. Offen gesagt, ist das auch nicht das Ziel. Wäre Europa eine Laufgruppe, würden seine Mitglieder den Griechen an einer Schlinge um den Hals hinter sich her schleifen, weil er nicht mehr weiter kann.

Haben wir dieses Bild vor Augen, ist sofort klar, dass der bisherige Weg falsch ist. Denn der griechische Läufer hat sich vorher bereits verausgabt, weil er in der Fortgeschrittenengruppe nicht mithalten konnte. Er war zu stolz und hat bei der Anmeldung geschummelt. Als es nach dem Aufwärmen dann richtig losging, war er schnell außer Atem.

Das ist der Grund, warum es unterschiedliche Laufgruppen gibt. Die Anfänger sollen erst einmal fit genug werden, um das Tempo zumindest im Ansatz mitgehen zu können. In der Anmeldung stand auch, dass die Fortgeschrittenengruppe keine Rücksicht nimmt. Wer nicht mithalten kann, bleibt zurück.

Dummerweise gibt es aber Zuschauer und es sähe schlecht aus, wenn man den Griechen stehen lassen würde. Also schleifen ihn die anderen bis zur Besinnungslosigkeit hinter sich her.

Griechenlands Produktivität kann mit der des Euroraums nicht mithalten. Das hat nichts mit dem Fleiß der Griechen zu tun. Selbst modernste Werke haben in Griechenland einen Standortnachteil. Denn es geht auch um Infrastruktur, schlanke Verwaltungsprozesse und Rechtssicherheit. Wer auf eine schlichte Baugenehmigung Jahre warten muss und im Verlauf des Verfahrens zahlreiche “Hände salben” muss, dessen Produktivität ist allein deshalb schon im Keller.

Diese Aspekte der der Wettbewerbsfähigkeit, auf die der einzelne Unternehmer keinen Einfluss hat, gleichen sich normalerweise durch den Wechselkurs wieder aus. Wie gut das funktioniert, konnten wir in den 80er und 90er Jahren erleben, als die Konkurrenz aus Fernost Grundig und Co in die Pleite trieben. Ein Grund dafür war der günstige Wechselkurs für die asiatische Konkurrenz.

Kehrt Griechenland also wieder zur Drachme zurück, würde das Land profitieren. Kritiker wenden ein, dass sich auch die Importe aus Europa verteuern würden. Das stimmt nicht. Denn für die griechischen Unternehmen verändern sich die Weltmarktpreise nicht. Nur die eigenen Arbeitskosten sinken mit dem Umtauschwert der Drachme.

Anders steht es mit der griechischen Bevölkerung. Sie könnte sich weniger Importwaren leisten. Das können wir allerdings getrost gegenüber all die heute Arbeitslosen aufrechnen, die durch die gestiegene Konkurrenzfähigkeit des Landes wieder einen Job bekommen. Das gilt ganz besonders für die Tourismusbranche. Denn Urlaub in Griechenland wäre für alle anderen Europäer unschlagbar preiswert.

Warum also stemmen sich die Euroländer so vehement gegen den sog. Grexit?

  • Es wäre das erste Mal, dass ein Land aus dem Euroraum ausscheidet.
  • Es wäre ein Beweis dafür, dass die Größe des Euroraums nichts über seine Stabilität aussagt.
  • Bisher gab es in Europa nur eine Richtung: vorwärts. Die Vorstellung, dass ein Land sich die Mitgliedschaft erschwindelt und gar nicht die Voraussetzungen mitbringt, lag offensichtlich außerhalb jeder politischen Vorstellungskraft. Den Ausstritt Griechenlands werden viele als Rückschritt betrachten. Obwohl er das gar nicht ist. Schließlich wird nur etwas gerade gerückt, was gar nicht hätte passieren dürfen.

Aber natürlich gibt es auch finanzielle Gründe. Denn keiner kann heute sagen, wie die Finanzmärkte damit umgehen werden. Außerdem stehen hunderte von Milliarden Euro auf Griechenlands Schuldenkonto. Die wären allerdings nicht weg. Denn anders also so mancher Kolumnist behauptet, könnte Griechenland sie nicht in Form seiner frisch gedruckten Drachmen zurückzahlen. Die Schulden notieren in Euro und können auch nur in Euro zurückgezahlt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt es zu einem vorübergehenden Zahlungsausfall. Doch den haben die Euroländer bei der Kreditvergabe bereits eingerechnet. Griechenland muss auch nach heutigen Regeln erst ab 2020 zahlen. Bis dahin wird sich das Land allerdings aus seiner derzeitigen Wirtschaftskrise herausgearbeitet haben.

Es mag sein, dass wir nicht wirklich wissen, was passiert, wenn der Grexit kommt. Dafür wissen wir zur Genüge, was passiert, wenn wir “alternativlos” weitermachen: Es wird schlimmer.

Ich glaube, dass der frische Wind, den Syriza in die griechische Politik gebracht hat, am Ende für Griechenland gut gewesen sein wird. Denn aufgrund der unvermeidlichen Zahlungsunfähigkeit werden sie genau die Teile ihrer Politik umsetzen, die gut für das Land sind: Korruptionsbekämpfung, Besteuerung der bisher ungeschorenen Eliten und Abbau der lähmenden Bürokratie.

Freuen wir uns also auf die Zukunft.

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Die Euronauten und das goldene Vlies

Euro Nachhilfekurs

Zwischen nackten Griechen und Friseuren

Durch den Konflikt zu den Sternen

imageWer dieser Tage in den Urlaub fährt, freut sich auf Sommer, Sonne, Meer oder Berge.

Die Euroturbulenzen sind allen­falls für Griechenland-Urlauber interessant, die sich um den bö­sen Euronazi sorgen, den so mancher Hellene in uns sieht.

Sei es drum. So geht ja nicht, dass wir für die Südländer unsere Steuermilliarden verpulvern. Wer über seinen Verhältnissen gelebt hat, muss nun einmal leiden. 😐

Währungsfrust und –freuden

Wer im Euroland reist, ist fein raus. Denn die Preise dort zeigen sich unbeeindruckt, ob der Euro fällt oder steigt. Anders diejenigen, die zum Beispiel in die Schweiz reisen. Vor kurzer Zeit konnte man dort noch rechnen, für einen Euro 1,4 Schweizer Franken zu bekommen. Doch der eidgenössische Swissy ist eine harte Währung. Der Euro dagegen fließt geschmeidig durch die Finger. 🙂

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clip_image001Wahrscheinlich lesen Sie derzeit viel über den Euro und sein mögliches Schicksal. Manche se­hen das Ganze eher ökonomisch, an­dere eher politisch.

Große Währungsräume werden immer Probleme haben. Das wusste man auch schon lange vor der Einführung des Euro. So gibt es ja auch in den USA große regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft.

Als wir noch die D-Mark hatten und die Griechen ihre Drachme, haben sich die Unterschiede zwischen den beiden Ländern in ihrem Wäh­rungsverhältnis niedergeschlagen. Um es auf den Punkt zu bringen, Urlaub in Griechenland war billig, weil der Wechselkurs günstig war.

Die schützende Hand

Unter dem Schutz des flexiblen Wechselkurses blieben Arbeitsplätze erhalten, selbst wenn ihre Produktivität mit der unseren nicht mithal­ten konnte.

Der Verschuldung des Griechischen Staates waren natürliche Gren­zen gesetzt. Da die Drachme ein Zuviel an Geldschöpfung mit einem Absturz quittierte und die Zinsen unbezahlbar wurden. Das Gleiche galt für alle anderen Euro­länder.

Die geballte Faust

Die Amerikaner hatten schon früh ihren gesamten Wirtschaftsraum mit einer gemeinsamen Währung verbunden. Wenn also Kalifornien eine höhere Produktivität hatte als z.B. Montana musste die Wirt­schaft einen anderen Weg nutzen, um diese Ungleichgewichte zu stemmen.

Die Lösung: alle nicht konkurrenzfähigen Arbeitsplätze in Montana gin­gen verloren. Für uns klingt das nicht nach einer Lösung, sondern nach einem Desaster. Denn Arbeitslose sind ja auch eine Art von Un­gleichgewicht.

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