Unternehmerisches Denken II

Marcel Widmer, dessen JobBlog ich sehr schätze hat das Thema unternehmerisches Denken aufgegriffen. Und was er schreibt, finde ich sehr spannend:

Mit den von Lietz genannten Punkten bin ich grundsätzlich einverstanden. Sie gehen mir aber noch zu wenig weit. Mir fehlen beispielsweise:

  1. (S)Eine Vision, (s)eine Mission kennen – und sich darauf ausrichten.
  2. Die richtigen Mitarbeiter um sich scharen.
  3. Unternehmerische Verantwortung auch für die Mitarbeitenden wahrnehmen.
  4. Den Mut haben, selbst unternehmerisches Risiko zu tragen.

Auch ich stimme Herrn Widmer grundsätzlich zu. Nur stelle ich mir die Frage, wo unternehmerisches Denken und wo eine unternehmerische Grundeinstellung zu sehen ist. Mancher mag das als Wortklauberei empfinden. Vielleicht könnte es aber auch sinnvoll sein, das Ganze mit etwas Trennschärfe zu sehen.
Ich bin überzeugt davon, dass wir dabei auch die Unternehmerrolle klären müssen. Ein Unternehmer kann unmöglich die eierlegende Wollmilchsau schlechthin sein.
In der Gründungssituation kommt er nicht darum herum. Er ist Entwicklungsleiter, Personalleiter, Marketingleiter, … usw. und er ist Unternehmer.
Aus meiner Sicht ist es die Aufgabe des Unternehmers sein Unternehmen zu konzipieren, in die Realität umzusetzen und beständig weiterzuentwickeln.
Die ersten beiden Aufgaben hat er nach den ersten 5 -7 Jahren erfüllt. Danach müßte er sich verstärkt der Weiterentwicklung seines Unternehmens widmen. Das geht leider häufig unter, weil er es versäumt, sich von Linienaufgaben zu trennen und sie an fähige Mitarbeiter zu delegieren.
Aber zurück zu den 4 Punkten vom JobBlog.

  • Ohne Vision (ein tragendes stahlendes Zielbild) und ohne Mission (welchen Auftrag habe ich?) kein Unternehmer 🙁
    Dieser Punkt (1) ist eine wichtige Voraussetzung und findet sich m.E. in der Positionierung wieder. Denn wenn ich selbst keine Position für mich entwickelt habe, fällt es mir auch schwer, eine solche im Markt einzunehmen. Schön, dass JobBlog das so klar formuliert 🙂
  • Die richtigen Mitarbeiter um sich zu scharen, ist eine Linienaufgabe. Solange es noch keinen Personalverantwortlichen gibt, macht das natürlich der Unternehmer. Ist es deshalb schon ein Aspekt unternehmerischen Denkens?
  • Unternehmerische Verantwortung für Mitabeiter tragen und den Mut für das unternehmerische Risiko zu tragen fällt für mich eindeutig in den Bereich der unternehmerischen Grundeinstellung.

Dabei habe ich folgende Hierarchie bei meinen Kunden beobachtet:

  1. Leidenschaft
  2. Unternehmerische Grundeinstellung
  3. Unternehmerisches Denken

Ohne Leidenschaft kommt kein Mensch zu einer ehrlichen unternehmerischen Grundeinstellung und ohne unternehmerische Grundeinstellung sind die Chancen gering, dass unternehmerisches Denken stattfindet.
Ich freue mich auf weitere Kommentare dazu!

13 Antworten
  1. Marcel Widmer
    Marcel Widmer says:

    Einfach fantastisch, wie sich in Weblogs über weite Distanzen interessante und erhellende „Diskussionen“ entwickeln können!

    Die Ergänzungen aufgrund meines Artikels im JobBlog gefallen mir sehr gut. Insbesondere die gegen Schluss Ihres Artikels erwähnte Hierarchie: Leidenschaft / Unternehmerische Grundeinstellung / Unternehmerisches Denken.

    Was mir jetzt noch etwas fehlt ist das unternehmerische Handeln. Ich vermute aber , dass das in Ihrer Typisierung im unternehmerischen Denken enthalten ist. Wäre dann „Unternehmerisches Denken und Handeln“ vielleicht die treffendere Bezeichnung?

    Vielen Dank für Ihre Sicht und Ihre Erklärungen!

    In der Hoffnung auf mehr …

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Ja, so wird das Blogschreiben richtig lebendig 🙂

    Das Denken geht dem Handeln voraus. Insofern ist die dargestellte Hierarchie m. E. um einen weiteren Punkt zu ergänzen:

    1. Leidenschaft
    2. Unternehmerische Grundeinstellung
    3. Unternehmerisches Denken
    4. Unternehmerisches Handeln

    Natürlich könnte es auch in einem Punkt zusammengezogen werden. Allerdings hätte ich dann leichte Probleme mit meiner Positionierung (Spezialist für unternehmerisches Denken), denn bei der Umsetzung sind meine Kunden die Spezialisten 🙂
    Ich freue mich auf eine Fortsetzung der Diskussion…

  3. Rainer Helmes
    Rainer Helmes says:

    Fredmund Malik beschreibt in seinem Buch „Führen, Leisten, Leben“ das Berufsbild „Manager“. Ich möchte Ihren Diskussionsfaden aufnehmen und weiterspinnen mit der Frage:

    Wo hört die „Unternehmerische Grundeinstellung“ auf, und wo beginnt „Unternehmerisches Denken“?

    Reinhard K. Sprenger: „Unternehmer gehen über Grenzen ins Unbekannte, Manager implementieren das Bekannte.“

    Lässt sich ein Berufsbild „Unternehmer“ entwickeln und definieren?

    M.E. geht das nicht. Die „unternehmerische Denke“ gehört zu den individuellen und unveränderbaren Persönlichkeitsmerkmalen eines Menschen. Jeder Mensch ist einzigartig, sein Denkmuster lässt sich z.B. mit dem Herrmann Dominanz Instrument analysieren und darstellen.

    Was wir lernen können, sind die Methoden, die wir als Unternehmer für eine effektive Arbeit benötigen, das sind z.B. Methoden des Zeitmanagements, der Organisation, der Kommunikation, ….

  4. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Ehrlich gesagt, halte ich das für eine akademische Frage. Die meisten echten Unternehmer sehen es als Berufung an, Unternehmer zu sein und bestimmt nicht als Berufsbild.
    Alle diese Methoden die Sie hier aufgeführt haben, sind Management-Techniken, also nicht unternehmerspezifisch. Das braucht jeder, der eine erfolgreiche Karriere machen möchte.
    Der Unternehmer unterscheidet sich dadurch, dass er gestalten kann und will. Je besser er in den 7 Grundfertigkeiten (siehe Was ist unternehmerisches Denken?) ist, desto erfolgreicher kommt er mit seinem Unternehmen voran.
    Mag sein, dass sich manche Menschen mit ihren Denkstrukturen im Wege stehen, dann empfehle ich einen Mentaltrainer, wie Graham Rogers.
    Ein Hinweis: Ihr Bemerkung zu Instrumenten, die Sie als Coach vermarkten ist hart an der Grenze. Das geht sicher auch subtiler 🙂

  5. Rainer Helmes
    Rainer Helmes says:

    Herr Lietz: kann es sein, dass wir uns missverstanden haben?

    Persönlicher Dialog ist nicht einfach. Schriftlich kommunizieren ist noch schwieriger, weil man sein Gegenüber nicht sieht und somit auch nicht an den Reaktionen absehen kann, wie die eigene Botschaft ankommt.

    Danke für Ihr Feedback zu meinem Beitrag! Vielleicht ist das der Anfang einer guten Diskussion. Das Thema bietet sehr viele interessante Anknüpfungspunkte.

    Ihren Hinweis „Ihre Bemerkung zu Instrumenten, die Sie als Coach vermarkten ist hart an der Grenze. Das geht sicher auch subtiler“ verstehe ich überhaupt nicht???? Ich habe meinen Beitrag mehrmals gelesen, ich weiß nicht auf welche Passage Sie anspielen.

    Welche „Instrumente“ meinen Sie?

    Ihren Aussagen zu den Management-Methoden stimme ich zu. Ich habe ein paar Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) aufgeführt, die das Unternehmer-Leben einfacher machen und die auch Nicht-Unternehmern helfen – wie Sie richtig ergänzen. Das ist doch kein Widerspruch, oder?

    Die Analyse und Darstellung der persönlichen Denkstile – z.B. mit dem von mir genannten Herrmann Dominanz Instrument – soll Menschen helfen, ihre Stärken zu erkennen und richtig einzusetzen, damit sie sich mit ihren Denkstrukturen nicht im Wege stehen. (Damit will ich nichts gegen Graham Rogers sagen, nur ist das ein ganz anderes Thema).

  6. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Ich bin ein großer Freund von Steven Covey. Er sagte einmal: „Begin with the end in mind“. Das ist ein toller Tipp!
    Ich glaube auch, dass hier ein Missverständnis besteht.
    Als ich den Anfang für diese Diskussion mit meinem Artikel „Was ist unternehmerisches Denken“ gelegt habe. Habe ich Ihnen und anderen Lesern ein Erklärungsmodell dargestellt. Modelle zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Wirklichkeit vereinfachen und natürlich verflachen. Dies hat den Sinn, Komplexität so weit zu reduzieren, um darüber sprechen zu können. Zwangsläufig kann es verschiedene Modelle ein und derselben Wirklichkeit geben, je nach dem über welche Aspekte Sie sprechen möchten.
    Als JobBlog in die Diskussion einstieg hat er mein Erklärungsmodell für sich anerkannt:

    Mit den von Lietz genannten Punkten bin ich grundsätzlich einverstanden. Sie gehen mir aber noch zu wenig weit. Mir fehlen beispielsweise: 1. (S)Eine Vision, (s)eine Mission kennen – und sich darauf ausrichten.
    2. Die richtigen Mitarbeiter um sich scharen.
    3. Unternehmerische Verantwortung auch für die Mitarbeitenden wahrnehmen.
    4. Den Mut haben, selbst unternehmerisches Risiko zu tragen.

    Es fehlten im also Aspekte im Modell, die er für wichtig hält. Auf dieser Basis führe ich gerne eine Diskussion. Weil sie verwertbare Ergebnisse produziert.
    Ihr Beitrag hier hat ein völlig anderes Erklärungsmodell. Wobei Sie es vermieden haben, dieses darzustellen. Sondern Sie werfen Fragen auf, die mit dem besprochenen Modell nichts zu tun haben.

    Und hier kommt wieder Steven Covey:„Begin with the end in mind“. Die Folge ist unausweichlich eine Grundsatzdiskussion.
    Nur warum? Ich weiß, dass ich über ein Modell spreche. Daher wird es nicht jeden Bereich des Lebens erklären können (sonst wäre es kein Modell). Wir können uns doch auch einfach darauf einigen, dass wir unterschiedliche Erklärungsmodelle in unserer Arbeit verwenden und uns die Arbeit sparen, aneinander vorbei zu reden 🙂

  7. Rainer Helmes
    Rainer Helmes says:

    Ich habe bewusst Fragen aufgeworfen und keine Antworten gegeben, um eine Diskussion in Gang zu bringen. Eine Diskussion macht m.E. immer dann Sinn, wenn alle Beteiligten für sich einen Nutzen ziehen können. (Jeder wird diesen Nutzen für sich anders definieren).

    Weblogs verstehe ich als ein Angebot und als Aufforderung zu einer offenen Diskussion.

    Sie haben Recht, wenn ich ein spezielles Projekt starte, muss ich immer auch das Ziel kennen. Mein Lieblingszitat hierzu ist: „Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind ein günstiger“ (Seneca).

    In Bezug auf „offene“ Diskussionen sehe ich das anders: hier stelle ich Fragen, höre aktiv zu und lasse mich von anderen Meinungen inspirieren … ich will mich weiterentwickeln und auch „neue unbekannte Welten“ entdecken …

    „I have a dream“: die Faszination von Weblogs besteht für mich darin, „verteilte*“ Diskussionen zu führen, mit Leuten, die ich anders nie kennenlernen würde.

    Ach so, ich denke nicht, dass wir unterschiedliche Erklärungsmodelle in unserer Arbeit verwenden. Bei meinen Projekten sorge ich dafür, dass meine Kunden ihre Ziele erreichen. (Ziele, die die Kunden sich selbst setzen). Erklärungsmodelle interessieren meine Kunden weniger.

    Eine Diskussion, so wie Sie sie aufgeworfen haben, und wie ich sie dann aufgegriffen habe, interessiert mich in erster Linie als „Privatperson“ (wobei ich als Selbständiger Privates und Berufliches nicht immer trennen kann, aber das kennen Sie sicher auch aus eigener Erfahrung?).

    *) Anmerkung: mit „verteilt“ meine ich, dass die Diskussion von verschiedenen Gruppen auf verschiedenen Plattformen (Weblogs) geführt und (auch in verschiedene Richtungen) weiterentwickelt wird.

  8. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Jeder Mensch hat seine eigene Wirklichkeit. Das ist sein Erklärungsmodell. Ich bin hier bewußt auf die Metaebene gegangen, weil Sie sich fragten, ob es ein Mißverständnis gibt. Dies wollte ich Ihnen bestätigen.
    Es mag sein, dass Sie gerne Diskussion um der Diskussion Willen führen. Ich führe Diskussionen gerne mit einem Ziel. Auch ich finde es dann toll, wenn es zu einer verteilten Diskussion kommt, wie mit dem Thema „was ist unternehmerisches Denken?“
    Durch die unterschiedlichen Motive für die Diskussion passiert es sehr schnell, das einer von uns beiden zum Betroffenen wird. Wie bei mir nach ihrem ersten substantiellen Beitrag nach dem ich mich fragte: „Wo will er jetzt damit hin? Das ist doch nicht zielführend; er will doch nicht etwa eine Grundsatzdiskussion führen? 😮
    Ich hoffe, ich kann bei Ihnen etwas Verständnis dafür wecken, dass es viele Menschen gibt, die Grundsatzdiskussionen wegen des hohen Zeitaufwands ablehnen, dazu zähle ich auch mich.

  9. Rainer Helmes
    Rainer Helmes says:

    … dafür habe ich volles Verständnis!!!

    Natürlich wollte ich Ihnen keine (Grundsatz-)Diskussion aufzwingen!!!

    Super finde ich, wenn die Beiteiligten zu Beginn eines Projektes (gilt auch für eine Diskussion) die Zielfrage klären, das ist hier vorbildlich geschehen.

    Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als wenn ein Projekt (gilt wieder auch für eine Diskussion) in einem späten Stadium aufgrund von Zielkonflikten scheitert – das kommt in der Praxis leider sehr häufig vor.

    Dass ich Diskussionen „um der Diskussion Willen“ führe, ist so nicht richtig: ich will immer meinen Horizont erweitern!

    ein schönes Wochenende
    Rainer Helmes

  10. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    @Ralf Belusa:

    Ehrlich gesagt kann ich da keinen Bezug zum Thema erkennen. Zumal Sie hier offensichtlich keinen vollständigen Kommentar einstellen und ein Trackback ist es auch nicht.
    Da drängt sich der Verdacht auf, dass Sie einfach Traffic auf Ihren Blog ziehen wollen. Viel Spaß damit 🙁

  11. Ralf Belusa
    Ralf Belusa says:

    Hallo Herr Lietz,

    da haben Sie natürlich vollkommen recht, das das nichts mit unternehmerischem Denken in diesem Sinne zu tun hat. In weiterem Sinne zwar schon, aber –

    ich habe weder meinen Beitrag hier eingestellt noch Tracks oder Pings freigegeben. Warum auch nur halb? Qualität und Inhalt ist ein Mussziel.

    Deswegen wurde das durch wen oder was auch immer verbreitet. Tut mir leid, das das hier als Traffic auftaucht, ist aber nicht meine Veranlassung.

    Viele Grüße und weiterhin gute Beitrage in Unternehmer-Excellence.com
    Ralf Belusa

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  1. Ralf Belusa sagt:

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