Unzulängliche Versuche

Die Spannung wächst. Wofür wird der Proband sich entscheiden? Man kann sehen, er schwankt zwischen der Alternative “neuer Job und Umzug” und “Beförderung in einem Jahr bei gleichem Wohnhort”. Auf der Stirn des Versuchsleiters bilden sich Schweißperlen. Denn der Proband hat inzwischen sämtliche Brötchen vertilgt und allen Kaffee weggetrunken. Eine Entscheidung hat er aber dennoch nicht getroffen.

Schließlich kommt der Proband aus dem Versuchslabor und meint: “Danke für den Kaffe und die Brötchen, aber ihr Experiment ist lächerlich.”

Versuchsleiter: “Wieso?”

Proband: “Die Frage ist doch vielmehr, warum ich mich in eines solche Lage bringen sollte. Wenn ich eine bessere Position will, ohne dafür umziehen zu müssen und ohne darauf warten zu müssen, dann sorge ich dafür.”

Versuchsleiter: “Angenommen, Sie müssten sich entscheiden …”

Proband: “Vielleicht brauchen Sie ein Ergebnis, aber ich muss nichts entscheiden.”

Psychologen und Gehirnforscher versuchen dieser Tage dem Geheimnis unserer Entscheidungen auf die Spur zu kommen. Die Ergebnisse aus diesen Forschungen sind – interessant. Die Einen meinen, dass wir gar nicht entscheiden können. Andere meinen, dass die Entscheidung feststeht, bevor wir darüber nachdenken. 😯

Wer das Falsche untersucht

Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich halte den Versuchsaufbau, der für die diversen empirischen Experimente verwendet wird nicht nur künstlich, sondern auch für verfälschend.

Denn die Forscher untersuchen den Auswahlprozess unter verschiedenen gegebenen Alternativen. Sie messen dabei Gehirnströme und überprüfen zum Beispiel später, wie zufrieden die Probanden nachträglich mit ihren Entscheidungen waren.

Die Auswahl der richtigen Alternative ist in freier Wildbahn die Folge eines längeren Prozesses. Natürlich gibt es auch die Momente eingeschränkter Wahl. Zum Beispiel muss sich der Einkäufer in einem großen Unternehmen bei der Entscheidung über einen Lieferanten an eine vorgegebene Liste halten.

Gestaltungsmacht organisieren und einsetzen

Das liegt allerdings daran, dass viele Unternehmen die Gestaltungsmacht ihrer Mitarbeiter stark einschränken. In solchen Fällen sind die wissenschaftlichen Ergebnisse sogar zutreffend.

Gehe ich aber in die freie Wildbahn, können wir unsere Gestaltungsmacht selbst organisieren. Für mich ist das der eigentliche Entscheidungsprozess: Gestaltungsmacht schaffen und erfolgreich einsetzen.

Der Kern von jeder Gestaltungsmacht ist das Wissen, was ich erreichen will.

Wer dann mit den 08/15-Alternativen vorlieb nimmt, verschenkt seine Gestaltungsmacht. Wer dagegen selbst für “attraktive” Alternativen sorgt, im Sinne von “passend zum Bedarf”, schöpft aus ihr.

Ohne die Umsetzung ist jede Entscheidung nur ein Gedankenspiel. Daher sorgen gute Entscheider für die größtmögliche Unterstützung für sich, bevor sie entscheiden. Die echten Könner haben die Unterstützung aller wichtigen Personen, egal wie sie sich entscheiden werden. Denn sie haben alle von ihren Zielen überzeugt und halten sich nicht mit Einzelmaßnahmen auf, die ohnehin nur Betroffenheit schaffen.

Diese Unterstützung ist ein weitere Baustein unserer Gestaltungsmacht. Auch hier gilt: Nicht jeder nutzt sie.

Erst danach wählen wir unter den von uns geschaffenen attraktiven Alternativen die Beste aus und setzen sie um.

Wie sehen Sie es

Angesichts dieses umfangreichen Vorspiels greift mir die Untersuchung des reinen Auswahlprozesses zu kürz. Ihnen auch?