War das alles falsch? Oder ist es jetzt falsch?

Rezessionen sind Zeiten der Wahrheit. Schonungslos legen sie die Schwächen der Unternehmen offen. Bei einigen kommen diese aus der Vergangenheit, bei anderen werden sie gerade selbst gemacht. Doch der sogenannte starke Staat macht es nicht besser.

In den Nachrichten hören wir immer wieder von Unternehmen, die derzeit Mitarbeiter entlassen. Sogar Paradepferde unserer Wirtschaft, wie etwa SAP trennen sich von Mitarbeitern. Eher selten wird dagegen über die Budgetkürzungen berichtet, mit denen die Lieferanten konfrontiert sind. Es muss ja auch niemand erfahren, wenn ein Großunternehmen sein Werbe -und PR-Budget eindampft und die Weiterbildung der Mitarbeiter auf Sparflamme stellt.

Nein, ich habe hier kein bestimmtes Unternehmen vor Augen. Aber da ich von vielen Unternehmern hautnah mitbekomme, was derzeit passiert, bin ich ganz gut informiert. 🙂

Bei einigen der beschlossenen Maßnahmen könnten wir schon ins Grübeln kommen.

Die richtigen Maßnahmen 

Wenn ich keine Aufträge habe und sich das auch auf absehbare Zeit nicht ändert, sind Kurzarbeit und Entlassungen wohl  richtige Maßnahmen, auch wenn sie schmerzhaft sind.

Zweifelhafte Maßnahmen

Was aber ist mit Maßnahmen, die zum Beispiel Kosten im Vertrieb, Marketing und Weiterbildung kürzen? Wenn ich dort einspare, dann gibt es nur ein gutes Argument dafür. Ich habe bisher mein Geld in die falschen Maßnahmen investiert. Sie decken nicht meinen Bedarf.

“Genauso ist es!” Wird jetzt vielleicht der resolute Controller sagen, der sein Unternehmen gerade auf Kosten-Diät setzt.

Das wäre dann allerdings ein Armutszeugnis für die Entscheidungen der Vergangenheit. Denn warum sollte ich Geld für etwas ausgeben, was nicht meinem Bedarf entspricht? Das wäre dann doch Verschwendung, oder?

“Nein! So kann man nicht argumentieren”, wird vielleicht der eine oder andere sagen. “Die Ausgaben passen nur nicht in diese Zeit. Wenn die Konjunktur wieder aufklart, erhöhen wir diese Budgets auch wieder.”

Interessant! Mit anderen Worten, unternehmerisch ist an den jetzt gekürzten Maßnahmen nichts auszusetzen. Es geht vielmehr um Aktionismus. Kein Geld ausgeben kann nicht falsch sein, daher hört das Unternehmen auf, sich im Wettbewerb weiter zu entwickeln. 😮

Irgendwann einmal gibt es schlechte Entscheidungen – wann?

Mit anderen Worten: Entweder waren die früher getroffenen Entscheidungen falsch oder die Entscheidungen, die jetzt angesichts einer großen Krise getroffen werden. Das macht schon nachdenklich!

Denn an einer Wahrheit gibt es nichts zu rütteln: In einer Krise treten Schwächen viel stärker zutage, als in normalen Zeiten. Wenn die Konjunktur dann wieder anspringt, wird sich zeigen, wer noch da ist und wer dann die Märkte anführt und wer (mit Recht) zu den Verlierern gehört.

Der Staat killt den Markt

Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Denn so wie es aussieht, werden Entscheidungsfehler kaum noch bestraft. Dafür gibt es die staatliche Schutzschirmparade.

Wäre vor einem Jahr ein Politiker auf den Gedanken gekommen, dass so ein Schutzschirm auf Kosten der Steuerzahler eine gute Idee ist, hätten ihn mit Ausnahme der Linken alle Parteien gesteinigt. Aber heute sagen alle, es sei eine gute Entscheidung. Denn man müsse Unternehmen schützen, die unter normalen Bedingungen (Hochkonjunktur) nicht pleite gegangen wären. Woran will ein Politiker oder Beamter das denn erkennen? An der Zahl der Arbeitsplätze?

Nur gesunde Unternehmen sollten die Krise überstehen

Die Kraft einer Volkswirtschaft kommt von gesunden Wurzeln. Wenn ein Unternehmen, wie zum Beispiel Schaeffler überschuldet ist, dann gehört es filetiert , zerlegt und an gesunde Konkurrenten verkauft, wie der Markt es sonst in derlei Fällen macht. Denn die gesunden Unternehmen mit einer guten Eigenkapitalstruktur werden diese Krise ausnahmslos überleben. Nur wer mit dem Geld anderen Leute gespielt hat, für den heisst es jetzt eben “rien ne va plus”.

Ich freue mich auf eine lebhafte Diskussion im Kommentarbereich!