Wir bekommen immer was wir wollen

image Schulze: “Dem Meier fliegt immer alles zu. Dabei verdient der das gar nicht.”

Neid ist ein Emotion, die uns nicht sonderlich gut steht. Ich frage in solchen Fällen immer gerne nach, wie mein Gesprächspartner zu dieser Überzeugung gekommen ist.

Schulze: “Ach, der Meier bekommt einfach immer was er will”.

Entscheidercoach: “So so! Und was wollen Sie? “

Schulze: “Auch einmal so viel Glück haben, wie der Meier!”

Entscheidercoach: “Ja, angenommen Ihnen würde alles so zufliegen, wie Ihrem Kollegen Meier. Was würden Sie sich dann wünschen?”

Schulze: “Keine Ahnung! Vielleicht eine Gehaltserhöhung?”

Schon wird alles klar. Warum bekommt Herr Meier denn “alles” was er will? Der kleine aber wichtige Unterschied zwischen Meier und Schulze: Meier weiß, was er will, Schulze dagegen nicht.

Hören Sie mit dem Tilgen auf!

Je genauer wir wissen, wie eine attraktive Alternative aussehen müsste, desto häufiger fallen uns genau solche Lösungen in den Schoß.

Denn wir heben damit die „Tilgung“ auf. Das Phänomen kennt die Psychologie schon seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir tilgen die Mehrzahl der Informationen unserer Wahrnehmung, weil sie für unser Überleben keine Bedeutung haben.

Wenn wir allerdings konkret nach etwas suchen, öffnen wir unsere Wahrnehmung dafür und erhöhen die Entdeckungswahrscheinlichkeit dramatisch.

Praktisch können wir dieses Phänomen beim Kauf eines neuen Autos beobachten. Sobald wir uns für ein bestimmtes Modell interessieren, sehen wir es plötzlich überall auf der Straße herumfahren. Vor der Idee zum Autokauf, wäre uns das nie aufgefallen, obwohl das Modell natürlich auch schon vorher zu sehen war.

Alle bekommen, was sie wollen

So bekommt Meier was er will und Schulze auch. Denn wenn ich nichts will, dann bekomme ich das auch.

Kein Grund also, neidisch zu sein. 🙂

2 Kommentare
  1. Ralf Hiltmann
    Ralf Hiltmann says:

    Ich habe schon immer gerne Regeln gebrochen – manchmal nur aus Spaß an der Freude, oftmals aber, weil es in der jeweiligen Situation gerade angebracht war. So z.B. vor einigen Jahren in meiner Zeit als Ergotherapeut, wenn ich mit Patienten nicht – wie eigentlich vorgesehen – direkt an ihren schmerzenden Gelenken und der Verbesserung ihrer Alltagssituation gearbeitet habe, sondern sie zu klaren Visionen und Zielen inspiriert habe.

    Denn viele, ja eigentlich so gut wie alle, wußten eigentlich gar nicht, weshalb sie wieder gesund werden sollten. Ja, klar – gesund werden, weniger Schmerzen haben, sich besser fühlen … aber wozu?

    Vielen hat es die Augen geöffnet, sich (oftmals zum ersten Mal in ihrem Leben) darüber klar zu werden, was sie eigentlich wirklich vom Leben wollten. Erkennen, dass sie tatsächlich eine Wahl haben. Dass ihnen mehr Möglichkeiten und Optionen offen stehen, als sie bis dahin glaubten.

    Und es war schon sehr erstaunlich zu sehen, wie schmerzgeplagte Menschen plötzlich innerlich aufblühten, als sie erkannten, dass ihnen realistische Lebenperspektiven offen standen und sie etwas hatten, auf das sie sich neu ausrichten konnten. Die Schmerzen, das Leid, die Symptome, all das war plötzlich nicht mehr so wichtig. All das trat in den Hintergrund, Heilungsprozesse beschleunigten sich manchmal auf geradezu magische Weise – nur weil es plötzlich etwas gab, das dem Leben einen (neuen) Sinn verlieh!

    So ist das mit dem Wollen 🙂

    Schöne Grüße
    Ralf

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