Ziele: Denn sie wissen genau, was sie tun!

 

Ziel Briefmarke

Vor kurzem hatte ich eine interessante Diskussion zum Thema Ziele. Ein Kollegin von mir im Consulting Netz Bad Homburg war der Meinung, dass wir uns keine zu großen Ziele setzen sollten und diese dann auf kleine Einheiten herunter brechen, um bei der Umsetzung ein Erfolgsgefühl zu haben. Der Vertreter einer Projektentwicklungsgesellschaft stimmte ihr zu und meinte mit einer gewissen Ironie, dass manche ihre Ziele so hoch hängen, dass sie bequem unten durch gehen könnten. 😯

Motivationstrainer: Zielemissbrauch

Ich verstehe, was die beiden bewegt. Viel zu oft haben wir es mit Motivationstrainern zu tun, die ihren Kunden einreden, dass sie gewaltige Ziele haben müßten.

Das Resultat ist oft, dass sie sich dann Pseudo-Ziele setzen, mit denen sich die Betreffenden gar nicht identifizieren können. Wenn es dann an die Umsetzung geht, haben die meisten ihre hochtrabenden Ziele aus den Augen verloren, weil sie so weit weg sind. Das Ergebnis: Die meisten sind frustriert, weil vom Ziel kein Sog ausgeht und selbst wenn sie konsequent in der Umsetzung sind, nehmen sich die erzielten Erfolge im Vergleich zum großen Ziel so klein aus, dass sie sich nicht darüber freuen können oder wollen.

Kleine Ziele können Sinn machen

Meine Kollegin ist Marketing-Coach (-euse?) und unterstützt ihre Kunden dabei, den roten Faden im Unternehmen zu finden und auf dieser Basis eine neue Strategie zu entwickeln und in der Folge umzusetzen.

Ich glaube, dass ihre Herangehensweise für diesen Zweck genau richtig ist.

Visionen schenken Sinn und Erfüllung

In meinem Geschäft geht es dagegen um all die täglichen großen und kleinen Entscheidungen, die meine Kunden treffen. Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Ich brauche also ein Richtung, die Motivation und das Handeln, also die Umsetzung.

Jede einzelne Entscheidung beinhaltet die auf die Situation zugeschnittene Umsetzung. Das schafft Flexibilität und zeigt täglich die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten auf, die ich im Rahmen meiner Entscheidungen habe.

Ob eine Enscheidung gut ist oder nicht, misst sich allein daran, ob sie meinen langfristigen Zielen dient oder nicht. Da ich dann natürlich nicht nur einzelne Ziele, z.B. im geschäftlichen definiere und andere Bereichen offen lasse,  muss mein Zielbild vollständig sein und sowohl privates als auch geschäftliches ganzheitlich zusammenführen. Daher spreche ich auch von einer Vision.

Die Vision muss mir als Entscheider Sinn geben und sie muss auf jeden Fall langfristig sein. Würde ich sie jeweils nur für ein Jahr bilden, würde dieser Sinnaspekt völlig fehlen. Denn die Richtung könnte jedes Jahr woanders hin zeigen.

Wenn die Vision langfristig auf z.B. zehn Jahre angelegt ist, werde ich aber keine allzu kleinen Ziele formulieren können. Denn in zehn Jahren verändert sich sehr viel und ganz besonders meine Ansprüche.

Müssen Visionen immer groß sein?

Wie groß die Vision ist, hängt aber ganz allein vom Entscheider ab. Für einen 63-jährigen Unternehmer könnte es sogar das Ziel sein, mit dem Arbeiten aufzuhören und seinen Lebensabend ruhiger zu verbringen. Ein 35-Jähriger wird da ganz andere Vorstellungen haben. Wichtig ist nur, dass meine Entscheidungen, die ich an der Vision orientiere, mir am Ende Sinn und Erfüllung schenken.

Wie lassen sich so unterschiedliche Vorstellungen (Vision bei mir und kleine Ziele bei der Kollegin) unter einen Hut bringen? Ich denke, dass ein Kunde von mir durchaus zu meiner Kollegin gehen kann, um dort einen Maßnahmenplan (und den roten Faden) für das eigene Unternehmen zu erarbeiten. Ob das Arbeitsergebnis für ihn passt, kann er dann anhand seiner langfristigen Vision entscheiden. Umgekehrt wird es vielleicht etwas schwieriger.

Wie sehen Sie das?

4 Kommentare
  1. Alf Pfeffer
    Alf Pfeffer says:

    Visionen sind die Voraussetzung für planmäßiges Handeln.
    Es besteht sonst die Gefahr, dass nach dem Erklimmen der ersten Stufen auf der Erfolgsleiter mit Entsetzen feststellt, dass die Leiter an der verkehrten Wand steht.

  2. Mandy
    Mandy says:

    Erreichbare, Sinn gebende Ziele sollten meiner Meinung nach vor allem Eines sein: _realistisch_. Ob sie sich *groß* oder *klein* gestalten, hängt dabei mehr oder weniger von der Perspektive ab. Was im einzelnen realistisch bedeutet, kann man sehr gut erfahren wenn das Ziel konkret und eindeutig beschrieben ist (das zu erreichende Ergebnis), das Ziel überprüfbar ist (Termin, Qualität und Quantität) und die zur Zielerreichung benötigten Ressourcen (Material ect.) verfügbar sind.

    Visionen würde ich ganz stark abstrahiert als übergeordnete Ziele bezeichnen. Sie sollten ein zukünftig erstrebenswertes Bild zeichnen, dabei müssen sie unbedingt größer sein als die Mission (das was man gerade tut- *kleine Ziele*). Sie sollten dennoch realisierbar sein und nicht völlig utopisch anmuten. „Wie lassen sich so unterschiedliche Vorstellungen (Vision bei mir und kleine Ziele bei der Kollegin) unter einen Hut bringen?“ Ich sehe es als Bild folgend: die Vision steht über allem, sie bettet die anderen Ziele ein und schafft zudem eine fruchtbare Basis für deren Umsetzung. Wenn die *kleinen Ziele* als logische Konsequenz der Vision entstehen, ist der richtige Weg vorgezeichnet, ansonsten wird es etwas schwieriger (oder unmöglich), ja.

    Vision: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern wecke in Ihnen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“(Antoine de Saint – Exupéry)

    Einen schönen Start in die neue Woche!
    😉
    Mandy

  3. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Sehe ich auch so. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist vielleicht auch, dass Visionen alle Aspekte abdecken müssen. Also sowohl das Private als auch das Geschäftliche. Kleine Einzelziele dagegen befassen sich zwangsläufig nur mit dem einen oder anderen. 🙂

    Antoine de Saint-Exupéry ist natürlich für diese Diskussion genial! Meinen Glückwunsch!

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