Zur Selbstfindung verurteilt – der Generalist

Taschenmesser mit Werkzeugen Eltern freuen sich, wenn ihre Kinder für alles gleichermaßen begabt sind. Sie lernen ein Musikinstrument, sind gute Sportler, Sprachen stellen kein Problem dar und auch in den mathematischen Fächern erzie­len sie gute Noten. Sie inte­res­sie­ren sich für alles.

Was für ein tolles Leben haben diese Sprösslinge doch vor sich!

Generalisten haben es nicht leicht

Aus heutiger Erfahrung: Kein einfaches. Denn Generalisten haben es schwer, sich für einen Weg zu entscheiden. Es gibt kein he­raus­ragen­des Talent, an dem sie sich orientieren könnten. Wer alles gut kann, ist nirgendwo wirklich Spitze.

Sie machen ihre Arbeit zwar überall gut und werden dafür anerkannt, aber natürlich wird es immer Talentiertere geben, die über sie hi­naus­ra­gen.

Hinzu kommt meist ein nahezu unersättliches Verlangen, immer wieder etwas Neues zu machen. Daher arbeitet der Generalist selten so lange in einem Feld, wie es nötig wäre, um Spezialwissen und Reputation aufzubauen.

“Hans Dampf in allen Kassen”

In vielen Unternehmen sind sie diejenigen, die “neue” Themen und Projekte aufs Auge gedrückt bekommen. Die Gefahr ist dann groß, der Mann oder die Frau für alle Fälle zu werden.

In Mana­ge­ment­krei­sen werden sie belächelt oder sogar als “Hans Dampf in allen Kassen” bezeichnet. Da sie für nichts stehen und ständig in anderen Budgets geführt werden.

Generalisten werden gebraucht

Denken wir uns allerdings eine Welt, die nur aus einseitig Talentierten besteht, wird schnell klar, wo Generalisten ihre Aufgabe finden können. Letztere vermitteln an den Schnittstellen, wo wir über den Tellerrand einzelner isolierter Fach- und Funktionsbereiche hi­naus­blicken müssen. Sie werden im höheren Management gebraucht, Sie sind Berater, Trainer und Coaches.

Dem eigenen Anliegen folgen

Das klingt gut und doch sind das nur generische Funk­tionsbe­zeich­nun­gen. Denn auch ein Trainer braucht sein Thema, für das er bekannt werden kann. Auch ein Manager muss sich erst einmal so profilieren, dass er für “höhere” Aufgaben in Frage kommt.

Zum Glück ist der Generalist ja vielseitig interessiert und hat in der Regel schon Vieles erlebt. Daher wird er schnell feststellen, dass es bei aller Vielseitigkeit oftmals nur wenige Themen gibt, die ihm ein persönliches Anliegen sind. Themen, in denen er voll aufgehen kann und bei denen die Zeit wie im Flug vergeht.

Beispielhaft

Mir geht das so, wenn ich anderen Menschen helfe, aus dem Hamsterrad der Jagd nach der nächsten Chance auszubrechen und auf ihrem Weg zu einer sinnorientierten Vision bringe. Wenn sie sich bewusst werden, welche Freiheit und Gestaltungsmacht in ihren ei­ge­nen Entscheidungen steckt.

Bei anderen mag sich dieses Gefühl einstellen, wenn sie die Altersversorgung eines Kunden optimal auf dessen Bedürfnisse ab­ge­stellt ha­ben oder wenn sie ihren Kunden von seiner Lebensangst befreit haben.

Bei jedem ist das anders.

Wir brauchen Generalisten überall

Am Ende stellt sich heraus, dass Generalisten doch ein herausstechendes Talent haben. Sie verfügen über die notwendige Übersicht, um ihr persönliches Anliegen dort umzusetzen, wo viele Fachbereiche aneinander grenzen. Das heißt in einer hochgradig vernetzten Welt: überall.

Die eine wirklich wichtige Entscheidung

Sie müssen nur einer Versuchung widerstehen: Jeder nur denkbaren Chance hinterherzulaufen, weil sie alles können. Auf die Dauer reibt das auf und hinterlässt einen tiefgehenden Frust.

Weil die Lebensleistung am Ende in zahlreichen Löchern versickert, ohne sichtbare Spuren hinterlassen zu haben.

Stattdessen müssen wir eine wichtige Entscheidung treffen.

Wer wollen wir für unseren Markt sein?

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  1. […] sind Generalisten. Über das Leid der Generalisten philosophiert Kai-Jürgen Lietz. Statt Generalist kann man übrigens auch universeller Dilletant […]

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