Ausbruch aus dem digitalen Schema

Wenn die Regeln einer Weltwirtschaft sich ändern, müssen wir uns anpassen. Wir brauchen neue Ideen und Konzepte. Vielleicht sind wir dazu aber gar nicht in der Lage. Denn wir denken und handeln in den Bahnen, die unser wichtigstes Arbeitswerkzeug uns auferlegt.

Während Sie gerade diesen Text lesen, sitzen Sie vor dem Bildschirm Ihres Computers. Vielleicht  ist es Ihnen gar nicht bewusst. Aber Computer haben die Art und Weise revolutioniert, wie wir heute arbeiten.

Das digitale Paradies

Können Sie sich noch erinnern, wie es ohne Internet war? Schnell mal einen Begriff in Wikipedia nachschlagen oder die Bahnverbindung für den Trip am Wochenende – das ist heute ganz normal. Während heute unsere Finger über die Tastatur huschen, war früher viel Fußarbeit angesagt oder zumindest eine Kaffeepause in der Warteschleife einer Auskunft.

Ich weiß auch nicht, ob ich ohne Computer drei Bücher hätte schreiben wollen. Die digitale Revolution ist für uns alle ein Segen, ohne Frage.

Vor den Lohn hat Gott die Arbeit gesetzt

So toll der Rechner für uns im Alltag ist. Wir haben zuerst lernen müssen, wie wir ihm seine Ergebnisse entlocken. Der Computer war nie ein Gerät, das sich selbst erklärte oder dem Menschen anpasste. Es war immer umgekehrt. Wer heute an der Benutzerfreundlichkeit arbeitet, orientiert sich an Konzepten, die irgendwann einmal eingeführt und allgemein akzeptiert wurden.

Die Tasten Ihrer Tastatur folgen dem QWERTZ-Schema. Damit hat man in der Frühzeit der Schreibmaschine verhindert, dass sich der Mechanismus aufgrund zu schnellen Tippens verhedderte. Mit anderen Worten: Das Tastatur-Schema bremst absichtlich Ihre Tippgeschwindigkeit!

Denk- und Arbeitsschablonen setzen Grenzen

Wenn wir heute Office-Applikationen nutzen oder Unternehmensanwendungen im beruflichen Umfeld, dann beugen wir uns dem Arbeitsschema, das die Software-Ingenieure für uns vorgesehen haben. In der der Prä-Computerzeit war die einzige Einschränkung, die wir erlebten die Grenzen unseres Blatt Papiers.

Wir sind zwar alle durch unsere Computer produktiver geworden, aber auch in vielerlei Hinsicht eingeschränkt. Dabei bleibt es allerdings nicht. Denn wir arbeiten so wie wir denken und umgekehrt. Wie sollte es auch anders sein?

Wer heute noch anders denkt, als der computerisierte Workflow, wird eher zu den Gelegenheits-Anwendern gehören und nicht ständig vor dem Bildschirm sitzen. Häufig sind das die berüchtigten Querdenker.

Die Arbeit mit dem Computer öffnet uns neue Welten und gleichzeitig schränkt er uns ein. Neuere Generationen, die nichts anderes als den Computer kennen, werden seine Arbeitsweisen vermutlich nicht einmal als Einschränkung verstehen.

Was bedeutet das für unser Denken, für unsere Ideen und Entscheidungen?

Die Zeiten ändern sich. Daher könnte es sinnvoll sein, dass wir neue Ideen schaffen, wie wir z.B. in der Krise wirtschaftlich erfolgreich sind. Wir sollten also häufiger “out of the box” denken, wie es der Amerikaner sagt. Der Computer ist so eine Box und er sorgt dafür, dass wir “in the box” denken und handeln.

Gerade für Entscheider ist das wichtig. Denn wenn wir nicht die richtigen “out oft the box” Alternativen schaffen, wer dann? Unsere Entscheidung kann nur so gut sein, wie die Alternativen, die uns zu Verfügung stehen.

7 Maßnahmen, um “out of the box” zu denken

  1. Wenn Kreativität gefragt ist, arbeiten wir öfter einfach mal auf Papier. Zum Beispiel auf einem großem Flipchartblock.
  2. Wir schreiben einmal keine E-Mail, sondern schicken eine Karte, oder einen handgeschriebenen (!) Brief. Vielen Dank an Jochen Mai für seinen Artikel dazu.
  3. Wir kaufen uns eine große 20 Meter Papierrolle und arbeiten an einem Arbeitswochenende mit der ganzen Abteilung an neuen Lösungen.
  4. Wir holen uns Computer-Analphabeten ins Haus und lassen uns zeigen, wie sie mit unseren Anforderungen umgehen würden. Das wäre vermutlich eine tolle Seminaridee. 🙂
  5. Die Notizen großer Geister wie Leonardo Da Vinci, Goethe, Mozart, Einstein, Benjamin Franklin, usw. sind in zahlreichen Büchern abgebildet. Schauen Sie sich an, nach welchen Schlüsselprinzipien diese Ikonen des Prä-Computerzeitalters arbeiten.
  6. Lernen Sie Mindmapping ohne Computer. Vielleicht klappt es am Anfang nicht so gut mit dem malen, aber Übung macht den Meister.
  7. Arbeiten Sie bewusst einen Tag in der Woche ohne Computer. Vermutlich kommt es Ihnen am Anfang so vor, dass Sie in dieser Zeit nichts zustande bringen. Das täuscht. Denn Sie müssen erst einmal wieder lernen “out of the box” zu arbeiten.

Ich habe diesen Artikel bereits am 5. Juni 2009 einmal veröffentlicht. Aber er gefällt mir so gut, dass ich dieses Schätzchen heute noch einmal auf die Titelseite stelle.

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