Rezension: resonate von Nancy Duarte

Farbdruck ist teuer. Daher kommen die meis­ten Fachbücher im schmucklosen schwarz­weiß daher. Es kommt ja schließlich auf den Inhalt an, könnte man meinen.

Bei einem Buch über besseres Präsentieren sind da vielleicht Zweifel angesagt. Daher sind die Bücher von Nancy Duarte, die unter an­derem Al Gore mit seiner Nobelpreis ab­räumenden Präsentation versorgt hat auf hoch­wertigem Papier in Farbe gedruckt.

Zeit für Begeisterung

Für »resonate« hat sich Duarte offensichtlich viel Zeit genommen. Denn das Buch überzeugt in vielen Details.

Ist die Optik schon überragend, so muss ich zugeben, dass der Inhalt eine echte Offenbarung ist. Ich kenne bisher kein Buch, das sich so kompetent mit der Inszenierung einer Präsentation beschäftigt.

Inhalte präsentieren – das können wir Dank PowerPoint heute alle. Doch wer kann von sich schon behaupten, dass er das Publikum an seinen Lippen kleben hat?

Wer »resonate« liest, könnte solche Momente in Zukunft häufiger er­leben.

So inszenieren wir spannende Präsentationen

Wie Dramatik und Spannung entsteht, haben die großen Geschichten­erzähler über zwei Jahrtausende immer weiter verfeinert.

Die Griechische Tragödie in drei Akten oder die Heldenreise eines Odysseus oder eines Jason auf der Suche nach dem goldenen Vlies zo­gen ihre Zuhörer im wahrsten Sinne des Wortes in ihren Bann.

Tragödien eignen sich vielleicht nicht so gut für Präsentationen. Daher ar­beitet Nancy mit der Heldenreise. Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass ich ein Faible für dieses Format habe.

Helden auf der Reise

Das Grundformat der Heldenreise ist relativ einfach erzählt. Wir erleben den Helden anfangs in seiner gewohnten Welt und wir fin­den ihn sympathisch. Dann passiert etwas Außergewöhnliches, das seine bisherige Welt bedroht. Es gibt eine Aufgabe für ihn. Er muss eine Entscheidung treffen. Ignoriert er die Vorzeichen und hält an sei­ner Idylle fest oder begibt er sich auf das Abenteuer?

Macht sich der Held auf die Reise, erlebt er viele Prüfungen, in deren Folge er reift und sich schließlich des Schatzes oder des Ziels seiner Rei­se als würdig erweist.

Dabei hat er immer einen übermächtigen Gegenspieler, der durch sei­ne Macht und Skrupellosigkeit die Taten des Helden erst richtig zur Gel­tung bringt.

Das ist der Sinn des Ganzen: Der Held verändert sich. Die Helden­reise endet damit allerdings noch nicht. Denn der Held muss seinen Schatz noch nach Hause in seine Normalität zurückbringen. Das kann mitunter schwierig werden, wie Odysseus auf seiner Rückreise von Troja erlebt oder Orpheus als er seine Eurydike auf den letzten Metern in der Unterwelt wieder verliert.

Das Publikum spielt die Hauptrolle

Das Format der Heldenreise macht auch klar, dass der Präsentator nicht der Held sein kann. Denn dann wird das Publikum nolens volens zum Gegenspieler.

Nein, der Held in der Präsentation ist das Publikum. Der Referent spielt dagegen die Rolle des Mentors, der den Helden an die Schwelle zum Abenteuer bringt und ihn überzeugt, sich diesem zu stellen.

Der Mentor holt seinen Helden daher in seiner Normalität ab und zeigt ihm immer wieder den Kontrast zwischen dem Heute und der Beloh­nung, wenn der die Reise auf sich nimmt.

Überzeugend

Das klingt alles vielleicht erst einmal etwas abstrakt. Aber Nancy Duarte macht das Ganze so klar und deutlich, dass wir gar nicht an­ders können, als unsere Präsentationen ab jetzt spannend zu insze­nieren.

Tun wir es nicht, erleben wir selbst den Kontrast zwischen dem Heute und dem was sein könnte. Mit anderen Worten, das Buch ist in sich selbst eine ausgesprochen gelungene Präsentation.

Neben der Analyse vieler Reden und Präsentations-Highlights finden wir Verweise auf zahlreiche Videos, in denen wir die besten und gelungensten Präsentationen selbst sehen können.

Verreist

Nach der Lektüre diese Buches hat mich persönlich jedenfalls nichts mehr gehalten. Ich bin gerade dabei, alle mein Vorträge neu zu über­arbeiten. An manchen Stellen ist das eine echte Prüfung und ich habe das Gefühl, an dieser Aufgabe zu wachsen.

Aber die große Belohnung ist es mehr als wert. Denn wer einmal ein Publikum begeistert hat, möchte diese Momente immer wieder erleben.

»resonate« und das von mir kürzlich rezensierte »Wirkungsvoll Präsentieren« ergänzen sich übrigens sehr gut und sollten beide im Bücherregal jedes guten Referenten stehen.

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  1. Pflichtlektüre…

    Zur echten Pflichtlektüre im Bereich Professionell Präsentieren gehört Nancy Duarte’s “resonate”. Viel wertvolle Theorie und zahlreiche Fallbeispiele über Vorbereitung, Erstellung und Durchführung einer Präsentation, jenseits des hilflosen Gek…

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