Riskante Entscheidung

(c) IstockphotoVor ein paar Tagen habe ich bei ntv einen Kommentar gelesen, der mich mal wieder auf Clausewitz gebracht hat.

…Strategie ist nach Clausewitz die Lehre vom Einsatz der Kräfte zur Erreichung des Ziels. Sie muss mit Gewissheiten und Wahrscheinlichkeiten, aber auch mit Möglichkeiten kalkulieren…

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sein individuelles Risiko abzuschätzen. Die Clausewitz-Methode ist schön einfach. Aber hilft Sie wirklich, das eigene Risiko besser einschätzen zu können?

Kampf am Eisstand 

Ein Beispiel aus dem Alltag. Wir haben ja den meteorologischen Frühling schon hinter uns gebracht. Daher wird es bald wieder warm werden. Angenommen ich komme inm vollen Business-Outfit an einem Eisstand vorbei. Dann könnte ich ja versucht sein, mir nach einem anstrengenden Coaching was Leckeres zu gönnen. Weil sowieso keine Alternativen auf dem Weg liegen, stolpere ich also in die Wahllosfalle: “Kauf ich mir ein Eis oder nicht?”

Die Schlacht vermeiden

Wenn ich einmal meine Gelüste nach einem lecken Eis beiseite lasse, könnte ich überlegen:

Wenn ich jetzt weitergehe, dann ist es gewiss,

  • dass ich Geld gespart habe
  • Ich meinen Vorsatz erfüllt habe, gesund zu leben
  • dass ich einen potentiellen Genuss weniger in meinem Leben hatte.

Es ist wahrscheinlich,

  • dass ich den Vorfall wieder vergesse
  • dass ich rechtzeitig zu meinem nächsten Termin komme

es ist möglich,

  • dass ich das bereue
  • dass ich vor Schwäche umfalle
  • dass der Eisverkäufer pleite geht

In die Schlacht gehen 

Wie sieht das aus, wenn ich das Eis kaufe?

Es ist gewiss,

  • dass ich Zeit verliere
  • dass ich gegen meinen Vorsatz, gesund zu leben verstoße

Es ist wahrscheinlich,

  • dass mein Eis echt lecker ist und ich das genießen werde
  • dass ich zunehmen werde
  • dass ich zu spät zu meinem nächsten Termin komme

Es ist möglich,

  • dass mein Eis gar nicht schmeckt 🙁
  • dass ich mir Anzug und Kravatte vollkleckere 🙁
  • dass ich beim Zahlen meinen Geldbeutel verliere 🙁
  • dass mir Bill Gates begegnet 😛

Fazit: Es gibt in beiden Fällen Risiken. Aber hilft das jetzt wirklich bei der Entscheidung? Es kommt darauf an und zwar auf die Qualität meiner Einträge. 😮

Mit dem nötigen Ernst

Wenn es mir gelingt, das eine oder andere zu finden, was ich tun kann, um z.B. wahrscheinliche negative Aspekte zu reduzieren, könnte die Clauswitz-Methode gut funktionieren.

Wichtig dabei: Hier im Beispiel gibt es keine langfristige Zielsetzung und wir sind uns auch nicht bezüglich unserer Entscheidungskriterien im Klaren. Auf diese käme es im Ernstfall an und nur diese Aspekte müßten wir bei den Kategorien Gewissheit, Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit berücksichtigen. Wenn wir das tun, ist Clausewitz genial. 🙂

Update: Ich muss wohl noch ein wenig an meinen Schreibfähigkeiten arbeiten. Nach den Kommentaren wurde ich falsch verstanden. Jetzt weiß ich, wie Roland Koch sich im hessichschen Wahlkampf gefühlt haben muss. 😯

Das verwendete Beispiel habe ich mit einem Augenzwinkern verwendet, gerade weil niemand so eine Risikoanalyse wegen eines Eis in der Tüte machen würde.

Daher hier der Apell: Liebe Leser verwenden Sie keine Entscheidungsmethode, wenn Sie ein Eis oder einen Döner oder irgendetwas anderes kaufen wollen, was ungesund, heiß oder fettig ist. Sondern gehen Sie Ihrer Laune nach.

11 Kommentare
  1. herbert
    herbert says:

    Etwas aufwändig diese Für und Wider abzuwägen, ich mache mir da keine Gedanken, sondern entscheide intuitiv mal so und mal so

  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Warum auch nicht? Ist ja nur ein Eis 🙂
    Könnte ja etwas anderes sein, wenn es eine wichtige Entscheidung ist, wie z.B. den Job hinzuwerfen oder mit dem eigenen Unternehmen einen neuen Markt anzugehen… 😎

  3. Karrierebibel
    Karrierebibel says:

    Ich will aber gar nicht bei allen Dingen des Lebens solche Entscheidunskalküle durchspielen – das mindert nur Lebensfreude. Außerdem kann die falsche Entscheidung hinterher doch die richtige sein, weil ich daraus wunderbar gelernt habe.
    Also: Bei allem Verständnis für Entscheidungsfragen – ein gewisses Maß an Spontaneität will ich mir behalten (was übrigens auch eine Entscheidung ist).

  4. Mandy
    Mandy says:

    Rein hypothetisch, wie sieht es aus wenn die Merkmale in beiden Alternativen sehr ähnlich sind (klingt unwahrscheinlich, ist aber so) und die negativen Aspekte mit oder ohne Kampf monströs anmuten? Auswirkungen auf die strategische Ziele sind in beiden Fällen nicht abschätzbar (und sogar eine Systemaufstellung lässt, intuitiv gedacht und gefühlt, keine Positionierung zu). Es gibt keine richtig oder falsch Antwort, lediglich ein Abgleichen zwischen zwei Alternativen die sich ähnlich negativ darstellen.
    Gewiss ist nur der Zeitdruck, wahrscheinlich eine Unzufriedenheit, mit der wie auch immer gefällten Entscheidung, und möglich das ein Wunder geschieht und eine Scheinalternative zur Seinsalternative wird…Gibt es nicht ein zusätzliches Tool, die geheime Option…?

    Noch mal nebenbei zurück zum Eis.- Wenn ich mir Gedanken um meine Figur mache, scheint mir sehr wohl eine langfristige Zielsetzung zu bestehen.;-)

  5. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Die Clausewitz-Methode eignet sich lediglich, um Risiken von Handlungsalternativen abzuschätzen. Für Entscheidungen generell empfehle ich die drei Schlüsselelemente erfolgreicher Entscheidungen:
    1. Entscheidungsklarheit- ich muss wissen, was ich will
    2. attraktive Alternativen schaffen
    3. Sicherung der größtmöglichen Unterstützung für die Umsetzung.

    In dem hypothetischen Fall sieht es jetzt so aus, dass sich in einer zeitkritischen Situation zwei ziemlich schlechte Alternativen anbieten. Hier muss etwas ziemlich schief gelaufen sein, wie in diesem Beitrag geschildert. Mein Tipp in so einer Situation: Läßt sich Zeit kaufen? Was das im Einzelnen heißt, kommt auf die Situation an. Aber meistens ist die Eintscheidung zugunsten einer dramatisch schlechten Alternative teurer als eine Extrazahlung an einen Dienstleister, Lieferanten, Anwalt oder wem auch immer. Denn wir brauchen Zeit, um uns gute Alternativen schaffen zu können. Jede schlechte Entscheidung schränkt unsere Spielräume für die Zukunft ein. Das Endergebnis kann man an hoffnungslosen Hartz IV-Empfängern sehen. Hier sind dann auch die Alternativen ausgegangen… 🙁

  6. Mandy
    Mandy says:

    Als sich das Problem anbahnte, hatte ich gerade den oben verlinkten Beitrag im Auge.-

    Ich kann leider nicht näher darauf eingehen aber die Situation stellt sich anders dar.

    Zeit kaufen, Meetings, externe Berater…alles schon geschehen. Wie gesagt, sogar eine Systemaufstellung (letzte Rettung) hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Gerade weil die Konsequenzen in beiden Fällen erheblich (riskant) sein können, ist die Entscheidungsklarheit getrübt. Eine schlechte Entscheidung kann sich ja auch langfristig als die “Richtige” herausstellen, zu einer neuen Chance werden…soweit die Hoffnung.

    Schwere Entscheidungen sind das.- Und gerade Die fruchten vielleicht besonders (z.B. Verantwortungskompetenzen aufzubauen). Manchmal hilft eben nur noch Vertrauen und Unterstützung, ja.

  7. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Wenn mir die Alternativen augegangen sind, heißt das noch lange nicht, dass auch tatsächlich keine da wären.

    Jeden Moment strömen auf uns Menschen Millionen von Einflüsse ein. Die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, ist es unsere Wahrnehmungswelt zu vereinfachen, bzw. einfach auszublenden. Dahinter steckt ein Mechanismus, der sich RAS nennt (retikuläres Aktivierungssystem).

    Wenn ich also keine passenden Alternativen finde, liegt das vermutlich daran, wie ich mein RAS arbeiten lasse.

    Das nämlich braucht eine möglichst akkurate Beschreibung der richtigen Lösung, um die richtigen Informationen zu uns durchzulassen.

    Ein Beispiel: Vor ca. 20 Jahren hatte der amerikanische Trainer Tony Robbins ein großes Problem. Während er 150 Tage im Jahr unterwegs war und Seminare gehalten hat, veruntreute einer seiner Manager Geld und ließ Tony Robbins mit 750.000 Dollar Schulden sitzen.

    Alle seine Berater rieten ihm, sich Bankrott erklären zu lassen. Es gebe keine Lösung, dass er in einem überschaubaren Zeitraum so viel Geld mit seiner Arbeit einspielen könnte.

    Tony Robbins war natürlich nicht gerade glücklich über die Situation. Aber er stellte sich die richtigen Fragen. Er fragte sich, wie er es schaffen könne, in kurzer Zeit sein Einkommen zu vervielfachen und möglichst viele Menschen mit seinen Ideen zu erreichen und dabei nicht mehr so viel arbeiten zu müssen.

    Die Lösung kam ihm danach fast wie von selbst: Er legte das bis heute erfolgreichste Multimedia-Trainings-Programm aller Zeiten auf (Personal Power und Personal Power II) und erreichte so seine Ziele.

    Interessant dabei: Er war bezüglich seines Bedarfs nicht bescheiden. Die meisten anderen hätten sich einfach gefragt, wie sie über diese missliche Lage hinweg kommen.

    Nur ist das zum einen ziemlich unspezifisch und zum anderen ist unser Bedarf ja eigentlich tiefer gehend, als lediglich aus einer miesen Situation um Haaresbreite zu entkommen. Das reicht dann nicht, um auf neue Ideen zu kommen.

    Mag sein, dass nichts davon auf die von Dir geschilderte Situation passt. Der Coach kann gut reden, er steckt ja nicht in der Situation. 🙂

  8. Mandy
    Mandy says:

    Danke.;-)

    Tony Robbins Geschichte verknüpft sich für mich strukturell mit “the secret” und dem “Geheimnis des inneren Reichtums”. Das ist schön, diese Gedanken haben immer etwas Leichtes, Befreiendes und Verbindendes.
    Eine Art von ganzheitlichem Denken. Es schafft die Basis Querverbindungen einfach zu erkennen und neue Ideen zu generieren.

    -Nicht bescheiden zu sein wird ja allgemeinhin gern mit Arroganz verwechselt. Wobei ich gegen ein wenig Arroganz eigentlich nichts habe, denn wers “verdient”, darf auch mal stolzer sein, meine ich.-

    Sehr hohe Ziele anzustreben, ohne die nötige Bodenhaftung (auch Bescheidenheit?), birgt die Gefahr von Realitätsverlust. Das ist ein schmaler Grad. Ich frage mich da schon wo die Grenze zwischen Mut und Übermut verläuft. Augen zu und durch oder Jeder wie ich will? Vielleicht kann ja der `Glaube`hier wirklich Berge versetzen; der Glaube an sich selbst, positive Energien, an die Macht der Gedanken, “Wünsche an das Universum”…

    Nun, die Entscheidung ist gefällt.
    Und Herrn Clausewitz habe ich auch noch einmal bemüht. Das war als Abschluß eine gute Möglichkeit noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu reflektieren. Keine neue Alternative aber ein Resümee zahlreicher Perspektiven halfen letzten Endes die Entscheidungsklarheit wieder herzustellen. Trotzdem war es ein harter Kampf und ich hoffe, zukünftig gefasster und sicherer reagieren zu können. Es wird nun einige Zeit ins Land gehen bis Erfolge sichtbar werden (davon gehe ich aus).

    Das Beste und Interessante ist, dass jetzt ein akuter Überfluß an Platz im Kopf eine sprunghaft motivierte Dynamik entwickelt (bis auf die Restkopfschmerzen durchwachter Nächte eine feine Sache-)- als wäre die dunkle Brille abgenommen und im Licht der neuen Wahrnehmung wuchsen Brücken und Wege und immernoch im Verborgenen doch schon zu erahnen- Sicherheit.

    Herzliche Grüsse, Mandy

  9. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    Ich freue mich, dass das Entscheidungsproblem gelöst ist.

    Aber noch ein Satz zu der Thematik der großen Ziele. Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Ohne Richtung macht kein Handeln einen Sinn.

    Wie weit darf und soll ein Ziel entfernt sein, um eine Richtung geben zu können?

    Wenn ich mein Ziel morgen realisieren kann, wird es nichts mit er Richtung. Denn schon morgen könnte ich dann meine Richtung ändern.

    Daher sollte unsere Richtung durch langfristige Ziele vorgeben sein. Meine persönliche Vision liegt zehn Jahre in der Zukunft.

    Zehn Jahre ist ein lange Zeit, in der wir unglaublich viel bewegen können, wenn wir das wollen. Daher ist dieses Ziel zwangsläufig groß und bestimmt nicht bescheiden. Denn das würde mich ehrlich gesagt gar nicht motivieren.

    Wie ist es dann mit der Realität? Wissenschaftliche Untersuchen zeigen, dass die meisten Menschen überschätzen, was sie innerhalb eines Jahres schaffen können und unterschätzen, was sie in zehn Jahren vollbringen werden.

    Also: Hören wir auf, uns zu unterschätzen und werden wir endlich einmal realistisch! 🙂

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