Strahlkraft des Entscheiders

Dieser Text stammt aus dem Manuskript zu meinem neuen Buch. Er gehört zu  einem Kapitel, in dem es darum geht, wie sich Entscheider die Unterstützung für die Umsetzung ihrer Entscheidungen holen. Ich freue mich auf das Feedback meiner Leser. 🙂

Der Entscheider muss von seiner Entscheidung überzeugt sein. Nicht nur nach innen sondern auch nach außen. Dabei geht es nicht nur darum, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wenn wir eine Entscheidung treffen, dann stehen wir als Entscheider vollständig dahinter.

Wie kommt wohl die folgende Aussage bei potentiellen Unterstützern an? „Wir machen es jetzt mal so und wenn es nicht klappt, machen wir etwas anderes.“ Wie kommt der Satz denn bei Ihnen an? Meine Prognose: Wir könnten gleich etwas anderes machen und alle in den Prozess Involvierten denken wohl ähnlich und gehen nur halbherzig an die Sache heran.

Der Unterschied zwischen gewinnen oder verlieren liegt meist nur in kleinen Details, buchstäblich in Millimetern. Wenn wir einen Schreibfehler in unserem Angebot haben oder eine Kennzahl hauchdünn verpassen. Wenn der Container gerade noch rechtzeitig im Hafen ankommt, um verladen zu werden, der Patentantrag Minuten vor dem des Konkurrenten beim Patentamt eingeht. Die Beispiele dafür sind unendlich. Es lohnt sich daher, um den Millimeter oder um die Sekunde zu kämpfen, denn es ist manchmal alles, was uns von Sieg oder Niederlage trennt.

Genau diesen Millimeter und diese Sekunde bekommen wir nur, wenn alle unsere Unterstützer das Gefühl haben, dies ist wichtig.

Es geht ums Ganze. Der Entscheider muss das ausstrahlen und was noch viel wichtiger ist, er muss davon selbst überzeugt sein. Ist er es nicht, erhält er nicht die Unterstützung, die er zur Umsetzung seiner Entscheidungen benötigt.

Selbstverständlich gibt es keinen methodischen Weg, sich selbst diese Strahlkraft zu verordnen. Ich denke allerdings, dass wir lediglich das Bewusstsein haben müssen, dass es immer um alles geht. Andy Grove sagte einmal, das Rezept seines Erfolgs war es, immer paranoid zu sein und immer davon auszugehen, dass der Wettbewerb einem auf den Versen ist. Andy Grove ist einer der Gründer und langjährige CEO des Computer-Chip-Giganten Intel. Im Bereich der Prozessoren für PCs hat Intel seit vielen Jahren die marktbeherrschende Stellung. Der nächstgrößere Wettbewerber AMD fristet in vielerlei Hinsicht ein Nischendasein.

Es ist wohl kein schlechter Rat, bei jeder Entscheidung davon auszugehen, dass es um alles geht. Denn manchmal kommt es auf die Kleinigkeiten an und wir wissen nie im Voraus, wann das sein wird.

6 Kommentare
  1. Réka
    Réka says:

    Im Grunde genommen bin ich einverstanden: Man muss vor allem sich selbst überzeugen, um die Unterstützung anderer Menschen zu bekommen.
    Wo ich etwas Zweifel habe: „bei jeder Entscheidung davon auszugehen, dass es um alles geht”. Kann es nicht eine umgekehrte Wirkung haben, d. h. die möglichen Unterstützer müde und zynisch machen? („Schon wieder ein Prio1-Projekt. Bei dieser Firma ist immer alles ‚superwichtig’.“) Ich würde lieber sagen, dass es manchmal besser ist, mit der eigenen Energie und mit der Energie der Unterstützer sparsam zu sein.

    Ich warte neugierig auf das neue Buch. 🙂

  2. Réka
    Réka says:

    […]Kai-Jürgen Lietz zitiert einige Paragraphen aus dem Manuskript zu seinem neuen Buch: Wie sich Entscheider die Unterstützung für die Umsetzung ihrer Entscheidungen holen.[…]

    Dieser Eintrag wurde als „Artikel des Tages für Multiprojecter” nominiert. Hier kannst du bis 07.10.2008. 23:59 die anderen Kandidaten besichtigen und für deinen Lieblingsartikel stimmen. Wir würden uns freuen, deine Meinung zu hören.

  3. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    @ Réka: Vielen Dank! Das neue Buch erscheint im kommenden Frühjahr (Februar/März 2009) 🙂
    Zweifellos gibt es immer unterschiedliche Prioritäten. Mir geht es vor allen Dingen darum, dass der Entscheider seine eigenen Projekte nicht nachlässig angeht. Wenn ich mit gutem Beispiel voran gehe, dann werden auch meine Unterstützer mich und meine Projekte ernst nehmen.

    Letztlich macht es doch allen mehr Spaß, wenn die Qualität der eigenen Arbeit überragend ist. 🙂

  4. Réka
    Réka says:

    Es ist nicht einfach, das Gleichgewicht zu finden. Als Manager muss man die Prioritäten der gesamten Firma im Auge behalten, und nicht immer die Wichtigkeit der eigenen Projekte betonen. Oft ist es schwierig zu beurteilen, ob jemand anspruchsvoll oder maximalistisch, begeistert oder eigensinnig ist.

  5. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz says:

    @ Réka: Einerseits hast Du vollkommen recht und andererseits hat niemand verlangt, dass wir als Entscheider einen Beliebtheitspreis bekommen.

    Wenn ich als Mitarbeiter für meine Arbeit Geld bekomme, sollte es selbstverständlich sein, dass ich vollen Einsatz bringe. Gegenüber anderen Entscheidern ist es auch nicht falsch, seine eigene Arbeit ernst zu nehmen. Der von Dir angesprochene Extremismus ist hier nicht gemeint.

    Meine These: Wenn der Entscheider nicht selbst ausstrahlt, das die Dinge Bedeutung haben, verdirbt er damit die Arbeitseinstellung aller anderen und das kostet am Ende die Minuten und Millimeter auf die es ankommt. 😯

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