Tragweite

Kanone Wir lernen aus unseren Fehlern. Fehler sind daher ein notwen­diger Teil unserer Entwick­lung. Das klingt gut. Was aber, wenn wir die falschen Dinge lernen?

Entscheidungen führen uns oft auf einen neuen Weg. Möglicherweise stellt sich der schnell als kostspielig heraus. Wir haben vielleicht den Lieferanten gewechselt und haben anschließend mit Qualitätsproble­men zu kämpfen. Anstatt einer Einsparung wachsen die Kosten erst einmal in den Himmel.

Eine neue Entscheidung

Die Lernerfahrung ist klar: »Never touch a running system!«

An dieser Stelle werden einige Entscheider aussteigen und den früheren (teureren) Lieferanten wieder ins Boot holen.

Nach einiger Zeit haben wir uns mit dem Lieferanten zusammenge­rauft. Wir haben eine gemeinsame Qualitätsgruppe gebildet und alles klappt so wie es soll.

Doch unglücklicherweise fällt seine Produktionsstätte einer Jahrhun­dertflut zum Opfer. Monatelang müssen wir uns auf Spotmärkten versorgen, bis unser Partner wieder liefern kann.

Die Lernerfahrung ist klar: Lieferanten mit mehreren Produktionsstät­ten sind besser als einer mit Erfahrung in Sintfluten biblischen Ausmaßes.

Arche Entscheidung

Hier stehen wir vor dem nächsten Entscheidungspunkt. Wenn wir den Lieferanten gleich zu Beginn der Sintflut wechseln, brauchen wir uns nicht mit kostspieligen Spotmärkten zu beschäftigen.

Die wenigsten Entscheider werden über diesen Punkt hinausgehen. Aber manche von uns sind bequem und rechnen trotz Klimawandels nur alle 25 Jahre mit Sintfluten.

Ironie des Schicksals

Einige Jahre später entwickelt unser Lieferant ein neues Patent und er beliefert uns exklusiv damit. Unser Unternehmen nimmt einen vorher nie für möglich gehalten Aufschwung und entwickelt sich schließlich zum Marktführer.

Die Lernerfahrung ist unklar. Zum einen liegt zwischen der ursprünglichen Entscheidung und der »Ernte« sehr viel Zeit. Die ursprünglichen Beweggründe sind längst vergessen. Zum anderen konnte niemand damit rechnen, dass der ursprünglichen Billigheimer ein solch entscheidendes Patent entwickeln würde.

Doch wer würde nicht glauben, er habe alles richtig gemacht?

Nichts gelernt

Tatsächlich gilt das für viele Entscheidungen. Die Lernerfahrung ist eher trügerisch. Denn wir kennen noch nicht die gesamte Geschichte. Entscheidungen führen uns auf neue Wege und ihre Tragweite ist so gut wie nie absehbar. Kommt dann etwas Unerwartetes heraus, dann ist es nicht unser Verdienst oder unser Fehler.

Ein Beefsteak kann unseren Hunger stillen und mit Brionen verseucht sein. Wer dann 20 Jahre später der Jacob-Kreutzfeld-Krankheit zum Opfer fällt, lernt bestimmt nicht: Ich hätte damals was anderes essen sollen!

Das Schicksal selbst gestalten

Mit einer eigenen Vision der Zukunft haben wir bessere Chancen. Denn wir gestalten sie durch unsere Entscheidungen. Nicht jede Entscheidung wird sich im Nachhinein als richtig herausstellen. Aber bei knapp 20.000 Entscheidungen pro Tag haben wir das Gesetz der großen Zahl auf unserer Seite. Geben wir also unseren Entscheidun­gen eine Richtung, dann werden wir eines Tages auch unser Ziel erreichen.

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