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Wer heute eine Entscheidung trifft, will damit seine Zukunft gestalten. Je freier und unabhängiger wir dabei sind, desto besser. Denn unter dem Zwang der Verhältnisse kommen oft nur schlechte Kompromisse zustande.

Doch wenn es um konkrete Entscheidungen geht, spielt oft die Vergangenheit eine dominante Rolle.

Versunken aber nicht vergessen

Unternehmerin Frauke Schmitt* ist Kosmetikerin und Friseurmeisterin. Der Kosmetiksalon läuft sehr gut, während das Friseurgeschäft ständig Verluste einfährt, da die Konkurrenz in der Stadt sehr hoch ist.

Über die Jahre hat sie so fast 100.000 Euro verloren. Da die Konkurrenten nicht verschwinden werden, ist eine Besserung nicht in Sicht. Sie weiß genau, dass sie das Friseurgeschäft aufgeben müsste. Auf der einen Seite würde sie das finanziell und persönlich entlasten, auf der anderen Seite könnten dadurch sogar Kooperationen mit den anderen Friseurbetrieben der Stadt entstehen. Allerdings stehen da die 100.000 Euro im Weg. “Ich habe doch schon so viel in den Laden investiert, wird sie nicht müde zu betonen. Da kann ich doch jetzt nicht einfach aufgeben. Da wäre ja alles umsonst gewesen.”

Versunkene Kosten

Der Entscheidungsspezialist nennt dieses Phänomen “sunken costs”. Versunkene Kosten also. Wir können dieses Geld nicht zurückbekommen und durch das Festhalten an dem Status quo versenken wir mit jedem Tag noch mehr Geld.

Wer seine Zukunft gestalten will, muss aufhören, dieses Geld als vergrabenen Schatz zu betrachten. Es ist weg. Es hat offensichtlich nichts bewirkt. Es hat keinen Gegenwert geschaffen. Jetzt ist es nur noch ein Mühlstein um Unternehmerin Schmitts Hals. Die Gefahr ist groß, dass ihre Karriere dem Geld folgt.

Wo liegen Ihre Mühlsteine versunken?

Was halten Sie davon, wenn wir eine Liste all jener Dinge aus der Vergangenheit machen, die gerade ohne Not unsere Gestaltungsspielräume für die Zukunft beeinflussen?

Wo lassen Sie sich von “versunkenen Kosten” beeinflussen? Denken Sie dabei nicht nur an Geld. Manchmal ist es auch ein Engagement, das nicht gewürdigt wird oder eine Idee, die wohl nie umgesetzt wird.

Diese Liste hängen wir uns im Büro auf und verabschieden uns nach und nach von jedem einzelnen Punkt. Am besten machen wir das über konkrete Entscheidungen. Wir fragen uns dann: Inwiefern würde es meine Gestaltungsspielräume erweitern, wenn ich diesen Mühlstein loslassen kann? 😮

Jede Wette: Die Freiheit, die wir dadurch erleben, wiegt die “Opfer”, die wir dabei bringen mehr als auf. 🙂

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2 Kommentare
  1. Ralf Hiltmann sagte:

    Hallo Kai,

    Geld ist wichtig, denn es ist die Währung, mit der wir das Dach über dem Kopf und die Wurst auf dem Brot bezahlen. Und 100.000 Euro wie in obigem Beispiel sind keine Kleinigkeit.

    Noch wichtiger aber ist die Währung des Verstandes (bzw. des Bewusstseins): Aufmerksamkeit. Absichtsvoll gesteuerte Aufmerksamkeit ist kreative (schöpferische) Energie und zeigt sich als Erfolg in Form von Ergebnissen.

    Erfolg wird davon bestimmt, wieviel freie Aufmerksamkeit zur Verfügung steht. Im Umkehrschluß bedeutet dies, dass sich in dem Maße kein Erfolg einstellt (bzw. Mißerfolg kumuliert wird, s.o.), wie Aufmerksamkeit an Dingen (Menschen, Projekten, Ereignissen, etc.) aus der Vergangenheit fixiert ist: die Mühlsteine, wie oben beschrieben. Je mehr fixierte Aufmerksamkeit, umso weniger kreative Energie zum erfolgreichen Wirken.

    Sich in Form einer Liste bewusst zu machen, wo überall Mühlsteine versunken sind (Aufmerksamkeit fixiert ist), ist ein guter erster Schritt, Dieses Bewusstmachen allein kann schon dafür sorgen, dass sich etwas löst.

    Und darüber hinaus nach dem ABC-Prinzip verfahren:

    Die Punkte auf der Liste bewerten nach dem, was weiterverfolgt (A=Aktion) oder was beendet (B) werden soll. Und dann eine Entscheidung treffen und sich zu dereren Umsetzung verpflichten (C=Commitment).

    Das mag nicht immer ganz einfach sein, führt aber zu einer immensen Zunahme an Selbstachtung und Energie. Und erfolgreich abgeschlossenen Projekten.

    Schöne Grüße
    Ralf

  2. Kai-Jürgen Lietz sagte:

    Lieber Ralf,

    vielen Dank für Deinen l a n g e n Kommentar. 🙂
    Das ist ein schönes Prinzip. Allerdings hat mein Verstand mir beim ersten Lesen erst einmal einen Streich gepielt. Denn ich habe “ABC-Prinzip” gelesen und sofort “Pareto-Methode” gedacht. Das fand ich dann nicht ganz passend und habe es deshalb noch einmal gelesen. Zu Glück! Es lebe das Schubladendenken. 🙂
    Da sieht man auch gleich, wie gefährlich es ist, als Mensch in eine solche Schublade gesteckt zu werden.

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