Entscheidungserfolg – Der Bedarf ist Ihr Schlüssel

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Teil IV meiner
Beitrags-Serie über erfolgreiches Entscheiden. 

Wenn wir mit unseren Erfolgen nicht zufrieden sind, wenn es nicht so läuft, wie wir es uns wünschen oder wenn wir einfach der Meinung sind, wir hätten besseres verdient, dann haben wir bei unseren Entscheidungen den eigenen Bedarf vernachlässigt. 😮

Ob das so ist, können Sie leicht herausfinden. Informieren Sie sich bei anstehenden Entscheidungen, wie z.B. dem Kauf eines neuen Autos zunächst über die verfügbaren Alternativen? Gehen Sie zum Autohändler und lassen sich alle neuen Extras erklären, die Sie noch nicht kennen?

Wenn ja, dann können Sie sich beruhigt zurücklehnen. Denn wie etwa 90% unserer Bevölkerung haben Sie keine Chance, etwas über Ihren eigenen Bedarf zu erfahren! 😯

Was ist der Bedarf bei Entscheidungen?

Bedarf ist das, was wir wirklich brauchen. Wenn Sie auf einen Sektempfang gehen und man Ihnen ein Glas Champagner und ein paar Häppchen anbietet, dann können Sie sich überlegen, dass Sie sich vielleicht gesünder ernähren wollen und Alkohol am Steuer keine gute Idee ist und trotzdem der Versuchung nachgeben.

Wenn Sie sich dagegen in der Wüste verirrt haben und seit 4 Stunden keinen Tropfen Wasser gesehen haben, dann trinken Sie auch das brackige Wasser aus der Flasche des freundlichen Beduinen, der Ihnen vielleicht damit das Leben rettet.

Auch das letzte Beispiel ist für den Bedarf des Entscheiders nicht ganz richtig. Denn wenn es um die Existenz geht, dann verzichten wir auf alles was uns ansonsten wichtig ist, nur um zukünftig wieder einmal bedarfsorientierte Entscheidungen treffen zu können.

Die Häppchen und den Champagner brauchen wir nicht und unsere Lebensqualität verbessert sich möglicherweise auch, wenn wir öfter darauf verzichten. Das brackige Wasser in der Wüste ist unverzichtbar, aber die Situation zeigt, was unser wirklicher Bedarf gewesen wäre.

Wie wäre es denn richtig gewesen?

Vor unserem Trip in die heiße, menschenleere Gegend, wäre unser Bedarf Orientierung, eine Möglichkeit Hilfe zu erreichen und alles, was wir zum Überleben brauchen gewesen. Nachdem wir unseren Bedarf kennen, könnten mögliche Lösungen so aussehen:

  • Orientierung: Kompass oder GPS-Gerät und  Kartenmaterial
  • Hilfe: Leuchtraketen oder Funkgerät oder Satellitentelefon
  • Überleben: Isotonische Getränke oder ausreichend Wasser und Lebensmittel

Natürlich ist das Beispiel zu einfach. Aber wir können uns vorstellen, je genauer wir unseren Bedarf kennen, umso besser gehen wir mit der Situation um, also desto mehr Spaß haben wir bei unserem Ausflug in die Wüste.

Angenommen, wir können weder mit einem Kompass noch mit einem GPS umgehen? Dann brauchen wir vielleicht einen Führer oder einen Vorbereitungs-Kurs, bei dem wir das lernen.

Warum machen wir es dann nicht gleich richtig?

Wenn es sinnvoll ist, zuerst seinen eigenen Bedarf zu kennen, bevor wir uns mit den Alternativen beschäften, warum machen es so viele Menschen genau anders herum? Zum einen, weil es natürlich bequem ist. Seinen eigenen Bedarf zu ermitteln bedeutet, sich Gedanken machen zu müssen. Zum anderen haben wir als Kinder vielleicht tolle Fantasien darüber gehabt, was unser Spielzeug alles können muss oder welche tollen Fantasie-Berufe (der begnadete Space-Shuttle-Pilot mit Geheimagent-Lizenz) wir einmal ergreifen werden. Möglicherweise haben unsere Eltern dann erklärt, dass wir unerfüllbare Träume hätten und realistisch sein müssten. Und Realismus bedeutet, sich an dem zu orientieren, was es bereits gibt. Der Fehler ist also antrainiert.

Schritt für Schritt zum Bedarf

Wie komme ich nun zu meinem Bedarf? Ich behaupte nicht, dass ich den einzigen und alle glücklich machenden Weg kenne. Ich weiß aber, dass er für alle meine Kunden bisher funktioniert hat.

  1. Kenne Dein Ziel – darüber haben wir bereits im zweiten Teil dieser Serie gesprochen, also überspringe ich das. In unserem Beispiel ist das Ziel, einen spannenden Ausflug in eine Wüste zu machen.
  2. Kenne Deinen Entscheidungsauslöser – auch das haben wir bereits in Teil drei der Serie besprochen. Der Auslöser für die Entscheidung sind ein paar freie Tage und der Wunsch, eine Wüste auch einmal hautnah mitzuerleben.
  3. Fokussierende oder inspirierende Frage. Wenn wir denken, dann beantworten wir unbewußt Fragen, die wir uns stellen. Tatsächlich können wir gar nicht denken, ohne uns dabei Fragen zu stellen. Unsere Frage lautet: Wie erreiche ich, dass ich den Ausflug in die Wüste als unvergessliches (positives) Abenteuer erlebe?
  4. Die drei Kontrollelemente. Ich nenne sie so, weil der Entscheider damit die Kontrolle über die Entscheidung gewinnt. Zusätzlich stellen die drei Kontrollelemente quasi die DNS Ihrer Entscheidung dar und ziehen sich zumindest in meiner Entscheidungsmethodik durch den gesamten Entscheidungsprozess.
    1. Gewünschte Ergebnisse – welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ich neben dem Erreichen des Zieles (Trip in die Wüste) auch vollkommen zufrieden oder sogar begeistert bin?
      1. Die Temperaturunterschiede zwischen Hitze am Tag und Kälte in der Nacht erleben
      2. Lagerfeuerromantik
      3. Ein Stück weit die eigenen Grenzen erleben
    2. Status quo Ergebnisse – alles was ich heute schon habe und durch die Entscheidung nicht gefährden will. Oft ist es ja so, dass wir das was wir bereits haben als selbstverständlich ansehen. So passiert es häufig, nachdem jemand seine Partnerin oder Partner fürs Leben gefunden hat, er sich seinem zweiten großen Ziel, der Karriere zuwendet. Nach zehn Jahren findet man dann die Scheidungspapiere auf dem Küchentisch und fragt sich, wie das passieren konnte. Man hat sich doch jeden Tag 14 bis 16 Stunden den Hintern aufgerissen, nur um der Familie alles zu ermöglichen. 😮
      In dem Beispiel wollen wir als Status quo erhalten:

      1. Gesundheit
      2. Urvertrauen, dass mir nichts schlimmes passieren kann.
    3. Unerwünschte Ergebnisse – alles was wir nicht bereit sind zu akzeptieren, um das Ziel zu erreichen.
      1. Verbrannte Haut
      2. Verlust der Orientierung
      3. Hunger
      4. Durst
      5. Der Situation ausgeliefert sein, ohne Hilfe holen zu können.

Machen Sie den Test

Probieren Sie einfach einmal für sich aus, wie viel mehr Kontrolle Sie bei Ihren Entscheidungen gewinnen, wenn Sie diese drei Kontrollelemente vorher für sich erarbeiten. 

Nachdem wir die drei Kontrollelemente erarbeitet haben, wissen wir bereits sehr genau, was wir wollen und was wir nicht wollen. Das reicht eigentlich schon, um nicht von einem geschickten Verführer – einem Verkäufer – über den Tisch gezogen zu werden. Allerdings wissen wir noch nicht, welche der angesprochenen Aspekte uns besonders wichtig sind und welche Aspekte eine geringere Bedeutung haben.

In Teil V der Beitragsserie über Entscheidungserfolg schreibe ich darüber, wie Sie aus den drei Kontroll-Elementen ihre gewichteten Entscheidungskriterien ableiten.

3 Kommentare
  1. Daniel (kredit-und-finanzen.de)
    Daniel (kredit-und-finanzen.de) says:

    Eine interessante Serie von Beiträgen. Meiner Erfahrung nach gehören Erfolg und Misserfolg untrennbar zusammen. Schon eine alte Weisheit sagt ja: irrend lernen wir. Und genau hier unterscheiden sich intelligente Menschen von anderen: sie lernen aus ihren Fehlern und verstehen, Missgeschicke zu einem Vorteil umzumünzen.

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